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Das jüdische Echo · 1922-11-17 · 46 (17.11.1922) · p. Seite 573

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
46 (17.11.1922)
Date
1922-11-17
Page
Seite 573 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 573 Balfourdeklaration und Mandatserteilung unterworfen schien, stets erleichtert aufgeatmet, wenn ein für die jüdische Position ungünstiges Ereignis eingetreten war, seien es nun Araberunruhen, oder eine Erklärung des Emirs Faisul, oder eine Oberhausabstimmung, oder die zeitweilige Stellungnahme des Papstes gegen das Palästinamandat. Bei jedem dieser Zwischenfälle — lediglich als solche haben sie sich herausgestellt —■ bei denen jedem Juden, einerlei ob Zionist oder Nichtzionist. der dabei wirklich an ein Mißglücken des Palästinazieles glaubte, traurig zu Mute sein mußte, haben diese Leute nur den Gedanken gehabt: „Na, gottlob, nun wird’s wohl bald zu Ende sein“ und die Frage an die Zionisten: „Na. seht Ihr nicht ein, daß Ihr Euch an ein Hirngespinst hängt? England wird nie usw.“ Es ist schwer zu glauben, daß es tatsächlich Menschen solcher Art und Juden gibt, derengleichen. sich wohl bei keinem anderen Volke finden. Sie existieren jedoch und sind wieder in freudige Bewegung gesetzt durch den neuen englischen Ministerwechsel, der ihnen verheißungsvoll erscheint. Das Kabinett Lloyd George hat dem konservativen Kabinett Bonar Law Platz gemacht. Da dieses auf ein Programm der Sparsamkeitspolitik hin zur Regierung kam, so wird es doch die Truppen aus Mesopotamien und Palästina zurückziehen müssen, wie ja jetzt schon von einzelnen Zeitungen verlangt wird; dann fällt der englische Schutz dahin und folglich auch die ganze jüdische Kolonisation. Zudem stützt sich Bonar Law stark auf die „Die-Hards“, die Unentwegten, die einen großen Teil der damaligen mandatsfeindlichen Oberhausmehrheit gestellt haben; ein Grund mehr 'für seine Regierung, die bisherige Palästinapolitik fallen zu lassen. Kurz, unsere „mei Gesind“- Juden wittern wieder einmal Morgenluft. Zu ihnen, deren Gemütsart der des eingangs erwähnten Schnorrers gleicht, aufklärend zu sprechen, lohnt sich nicht, wohl aber zu denen, welchen sie ihr Palästinainteresse teils durch hämischen Witz, teils durch scheinbar objektive weltpolitische Erwägungen zu verleiden suchen. Zu deren Nutz und Frommen sei folgendes über die. durch den englischen Kabinettswechsel geschaffene Situation bemerkt: Erstens: Der englische Kabinettswechsel kann zunächst überhaupt keinen verändernden Einfluß auf die englische Palästinapolitik ausüben, weil das neue Ministerium nur ein provisorisches ist und erst die demnächst stattfindenden Neuwahlen zeigen werden, ob es sich halten kann, d. h. ob der dem Zusammengehen mit den Liberalen feindliche Teil der Konservativen allein eine Mehrheit aufbringt. Zweitens: Die Pälästinasaehe hat in England Freunde in allen Parteien. Die Unterhauserklärung für das Pailäsiinamandat wurde seinerzeit von einer überwältigenden Mehrheit von Abgeordneten aller Parteien angenommen und auch gerade in der konservativen Partei hat die Palästinasache einflußreiche und aktive Anhänger: da ist vor allem Lord Balfour zu nennen, der große Freund der Juden und eigentliche Schöpfer der englischen Palästinapolitik, der sich zwar zeitweise, aber bestimmt nicht dauernd, von der offiziellen konservativen Parteipolitik entfernt hat; da ist Mr. Ormsby Gore, der sich von Anfang an mit der größten Energie für die jüdische Heimstätte in Palästina eingesetzt hat und der jetzt, wie gemeldet wird, zum Unterhausstaatssekretär der Kolonien ernannt wurde, also desjenigen Ressorts, dem die Palästinaverwaltung direkt untersteht. Schon diese Ernennung allein zeigt, daß das Kabinett Bonar ‘Law, auch wenn es am Ruder bleibt, nicht daran denkt, die bisherige englische Palästinapolitik zu ändern. Wenn es aber noch einer Bestätigung bedürfte, so wäre sie durch den offiziellen Bescheid geliefert, den Mr. Herbert Samuel, der englische Oberkommissar in Palästina, von seiner Regierung auf die Anfrage erhalten hat, ob eine Änderung der Palästinapolitik beabsichtigt sei. Herbert Samuel, welcher der liberalen Partei angehört und außerdem sein Amt als Oberkommissar ausdrücklich auf der Basis der Balfourdeklaration übernommen hat,, würde zwar unter einer konservativen Regierung sein Amt weiterführen können, da er es ja nicht als Politiker,, sondern als Beamter versieht, niemals aber unter einer dem Gedanken der jüdischen Heimstätte feindlichen Regierung. Herbert. Samuel erhielt jedoch den Bescheid, daß eine Änderung nicht beabsichtigt ist. Drittens: Es wird häufig — irrtümlich oder bewußt —• so hingestellt, als ob Palästina einfach eine englische Kolonie wäre, mit der England machen kann, was es will. Dem ist nicht so. Palästina ist ein Mandatsland des Völkerbundes, dessen Mandat, d, h. Verwaltung, im Namen des Völkerbundes England anvertraut worden ist und zwar unter ganz bestimmten in der Mandatsurkunde festgesetzten Auflagen, deren wichtigste, von England selbst mitbeantragte, eben die Schaffung der Voraussetzungen für die nationale jüdische Heimstätte in Palästina war. Jetzt nach der Mandatserteilung kann also England nicht mehr nach freiem Belieben oder nach seiner innerpolitischen Konstellation die Grundsätze seiner Palästinapolitik ändern; es kann nicht ohne weiteres etwa das Mandat aufgeben oder von der Begünstigung des jüdischen Aufbaus zur Führung

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