Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 45 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 Das Jüdische Echo Nr 45 vollen Gehältern zum Versorgungsverband angemeldet würden und nicht, wie dies noch vielfach geschehe, nur mit einem Teilbetrag. Ferner, daß der Beitrag zum Versorgungsverband von der Gemeinde und nicht vom Beamten bezahlt werde, schließlich, daß der Beamte nicht zum Verzicht auf das letzte von der Gemeinde zu tragende Zehntel gezwungen werden dürfe. Den leistungsschwachen Gemeinden müsse die Durchführung der Alters¬ und Hinterbliebenenfürsorge durch den Verband ermöglicht werden, einmal durch Gewährung von Vorschüssen, bis der Ersatz vom Versorgungsverband den Gemeinden zugeflossen sei, dann durch Übernahme der Beträge zum Versorgungsverband, wo eine solche Übernahme notwendig sei,, und schließlich durch Sicherung der Bezüge für solche Beamte, deren Gemeinden nicht in der Lage sind, weiterhin Beamte anzustellen und die infolgedessen nicht mehr Mitglieder des Versorgungsverbandes sein können. Für solche Beamte müßten mit dem Versorgungsverband Vereinbarungen getroffen werden, nach welchen durch eine versieherungstechnisoh zu berechnende Einlage die Ruhegehalts-und Hinterbliebenenansprüche gewahrt blieben. Auf Antrag des Berichterstatters wird die Frage einem dreigliederigen Ausschuß, bestehend aus Rechtsanwalt Dr. E. Straus, Oberlehrer Stoll und Rechtsanwalt Flaschner übertragen und die endgültige Beschlußfassung dem Ständigen Ausschuß der Tagung überwiesen. Am Nachmittag des 2. Tages referierte sodann Herr Just.-Rat Dr. Hommel-Schweinfurt über die „Rechtsverhältnisse und Ausgestaltung der Distriktsrabbinate in Bayern“. In eingehenden Ausführungen über diese schwierige Materie — sind doch von allen bayerischen Rabbinaten kaum zwei zu finden, bei denen die rechtlichen Verhältnisse des Distrikts gleich geartet sind — fordert der Referent eine einheitliche Ausgestaltung der Distrikte. die rechtlich als „Gesellschaften des öffentlichen Rechtes“ anzusehen seien; Wahl und Besoldung der Rabbiner müsse in ihnen nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen. Rabbiner Dr. Baerwald'-München als Korreferent betont insbesondere die religiöse Bedeutung des Rabbinats für die Distrikte und weist auf die etwas anders gelagerten Verhältnisse in solchen Distrikten hin, in denen einer Großgemeinde nur wenige Kleingemeinen gegenüberstehen. Die Materie wird zur weiteren Behandlung dem Verfassungsausschuß überwiesen. Ein Antrag Dr. Oestreich-München wird angenommen, nach dem für Verwaltungsmitglieder in besonderen Fällen ein Ehrensold gewährt werden kann. Am Ende der Tagung würdigte der Präsident, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, mit warmen und eindrucksvollen Worten die in den zwei Tagen geleistete Arbeit des Verbandes und dankte insbesondere dem Vertreter des Kultusministeriums, der den Verhandlungen von Anfang bis Ende beigewohnt hatte. Nach einem Dank an Herrn Oberstlandesgerichtsrat, Prof. Dr. Silberschmidt-München, 'der die Verhandlungen vorbildlich geleitet, wird die Tagung geschlossen. Der Verband hat auf dieser seiiftr 2. Tagung nach zweijährigem Bestehen seine Daseinsberechtigung und Notwendigkeit erwiesen; als Vertretimg der bayerischen Judenheit hat er in der Stadt, in der gegenwärtig die Wogen des Antisemitismus am höchsten gehen, seine Stimme erhoben, und das Thema „Antisemitismus“ beherrschte den L Verhandlungstag. Er hat den Behörden und der Öffentlichkeit gegenüber Verwahrung gegen die Angriffe eingelegt und auf die staatserhaltenden Kräfte im Judentum hingewiesen. Es kann nicht ausbleiben. daß diese Tatsache auch auf die jüdische Bevölkerung ihre Rückwirkung ausüben, daß das Gefühl, einen Rückhalt an einer festgefügten Organisation zu besitzen, Ruhe und Sicherheit gewährleisten wird. Nicht minder wichtig sind die nach innen sich richtenden Arbeiten gewesen. Die bisher mehr oder minder der Willkür preisgegebenen Verhältnisse der Gemeinden zu ihren Beamten werden immer mehr zur Zufriedenheit geregelt. Daß unter den jetzigen schweren Verhältnissen nicht schon eine große Zahl von Gemeinden mit ihren Beamten zusamimengebrochen ist, ist dem Verbände zu danken, der die materiellen Kräfte der Juden im ganzen Lande zusammenfaßt. Er hat sich nach erst zweijähriger Existenz in seinem Aufbau und seinen Leistungen neben die großen christlichen Landeskirchen gestellt und trotz seines jungen Bestandes auf finanziellem Gebiete ähnliches erreicht, was dort eine lange Vergangenheit, die Mitarbeit des Staates und die gesicherten Verhältnisse zu Wege gebracht haben. €3emeinden-u.Vereins-!cho München. Zu Ehren des 80. Geburtstages des Herrn Michael Nußbaum hatte die Vorstandschaft der Kultusgemeinde die Mitglieder der Gemeindeverwaltung, Beamten u. a, zu einer Festsitzung am 5. November in den Sitzungssaal der Gemeinde eingeladen. Die Sitzung, weiche Gesang und Harmonium einleitete, wurde durch den Vorsitzenden Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer mit einer der Feier würdigen Ansprache eröffnet; weiter rühmten die Herren Rabb. Dr. Baerwald, Dr. Oestreich, Kommerzienrat Sigmund Fränkel und Frau Recha Stark die Verdienste des Jubilars, welche sich derselbe Jahrzehnte hindurch erworben hat. Mit einem Dank des Herrn Nußbaum und Gesangsvorträgen fand die Feier ihren Abschluß. Die Münchner ChaluzimfürSorgesteUe teilt uns mit, daß die Palästinafahrer München zweimal passieren und zwar am Montag zu dem Anschluß an den Postdampfer Triest—Jaffa bezw. Haifa, der jeden Mittwoch abends 8 Uhr in Triest abgeht und am JMittwoch zum Anschluß an den Eildampfer PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE