Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 45 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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562 Das Jüdische Echo Nr. 45 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Telephon 215i0 Briennerstr. 8 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE In der Nachmittagssitzung des ersten Tages erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. E. Straus- München ein eingehendes Referat über die sozialen Aufgaben des Verbands. Er verlangt, daß die Förderung der jüdischen Bildungs- und Wohlfahrtsbestrebungen als ein wesentliches Ziel des Verbandes erklärt werde, dessen Tätigkeit insbesonders folgende Gebiete umfassen sollte: Erhaltung und Ausgestaltung der innerhalb des Landes bestehenden Bildungs- und Wohlfahrtsanstalten, soweit deren Wirkungskreis sich über das ganze Land oder Teile des Landes erstreckt, Schaffung neuer Wohlfahrtseinrichtungen, soweit sie erforderlich sind, während die finanzielle Unterstützung von lokalen Anstalten nur in besonderen Fällen geschehen soll. Anstalten außerhalb Bayerns sind zu unterstützen, wenn ihr Wirkungskreis sich auch auf die Juden Bayerns miterstreckt. Zur Erreichung all dieser Zwecke soll eine Landeszentralstelle errichtet und ausreichende Mittel in das Budget eingesetzt werden. Die aus Anlaß der 1. Tagung von einem ungenannten Stifter errichtete Landesstiftung soll mit Zustimmung des Stifters in einen „Landesfonds für jüdische Wohlfahrtsbestrebungen“ umgewandelt werden, der aus freiwilligen Beiträgen gespeist wird, während regelmäßige Zuwendungen für Bildungs- und Wohlfahrtszwecke durch einen bestimmten Hundertsatz der Gesamtumlagen gedeckt werden sollen. Diesen Ausführungen des Herrn Dr. Straus schließt sich die Versammlung einhellig an, während sein Verlangen zur Beteiligung an allgemeinjüdischen Wohlfahrtsbestrebungen außerhalb Deutschlands gegen eine nicht unerhebliche Minderheit abgelehnt wurde. Auch ein Antrag zur Unterstützung von Chaluzim und des Keren Hajessod, der von der jüdischen Volkspartei eingebracht war, konnte, nachdem Dr. Bamberger- Nürnberg dafür und die Herren Just.-R. Dr. Erlanger und Falk-Nürnberg, sowie Herr Rabbiner Dr. Brader-Ansbaeh dagegen gesprochen hatten, keine Annahme finden,, während ein Antrag zur Förderung von Jugendorganisationen angenommen wurde. Hierauf folgte ein Referat des Herrn Oberlehrers Stoll-Würzburg über die Fortbildung der jüdischen Lehrer. Nach einem historischen Rückblick auf die jüdischen Bildungsideale zeigt der Redner, wie das im Jahre 1864 gegründete Seminar in Würzburg dank der weitgehenden Berücksichtigung der speziellen Belange der jüdischen Lehrerbildung von Seiten der Staatsregierung eine allseitige Ausbildung der jüdischen Lehrer für Volks- und Religionsschule, wie auch für das Kantorat geboten hat. Die Verwirklichung der im Reichsschulgesetz vorgesehenen Pläne zur künftigen Lehrerausbildung würde die jüdische Lehrerbildung vor eine schwere Aufgabe stellen, während eine Reform in dem vom bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus angedeuteten Grenzen als gangbarer Weg erscheint. Von der Förderung der Volksschullehrerbildung als Mindestmaß der auch für den Religionslehrer unbedingt notwendigen Profanbildung könne unmöglich abgegangen werden, da etwa 90% der jüdischen Gesamtbevölkerung Bayerns in Städten mit Mittelschulen oder jüdischen Volksschulen wohnen und somit an der Beibehaltung der bisherigen Vorbildung des Lehrers interessiert seien. Auch die für den Religionsunterricht besonders wichtige Persönlichkeitswirkung des Lehrers verlange Männer, die profane und wissenschaftliche Bildung zu harmonischer Einheit verbinden. Da eine abgeschlossene Persönlichkeit erst in höherem Alter gebildet zu werden pflege und da für den Lehrer ein selbständiges Studium der jüdischen Quellen notwendig erscheine, sei die Angliederung eines Sonderkurses und Verlängerung der Ausbildungszeit zu erstreben. Die Sicherstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse des jüdischen Lehrers sei die Voraussetzung für den Fortbestand der jüdischen Lehrerbildung; der Zugang zu den Anstalten sei zur Zeit erschreckend gering. Rabbiner Dr. Stein-Sc hweinfurt ergänzte in einem Korreferat die vorstehenden Ausführungen. Er setzte auseinander, daß, wenn der Staat dem Drängen der Volksschullehrer entsprechend, für sie die Hochschulbildung einführen sollte, die Würzburger Lehrerbildungsanstalt sich aus finanziellen und inneren Gründen lediglich auf die Ausbildung von Religionslehrern beschränken müsse. Die Lehrerbildung in einigen Punkten etwas anders charakterisierend als der Referent, findet auch Dr. Stein ein 4. Seminarjahr zum Zwecke der intensiveren Ausbildung nötig und bezeichnet die Unterstützung des Würzburger Seminars und der Präparandenanstalt als eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes. Am Ende des ersten Tages vereinte die Teilnehmer der Tagung, sowie die Mitglieder des Vorstands, der Gemeindevertretung und der gemeindlichen Ausschüsse der Kultusgemeinde München ein gleichfalls im alten Rathaussaal stattfindender Festabend, zu welchem die Kultusgemeinde München eingeladen hatte. Der wundervolle Eindruck des prächtigen Saales, eines der edelsten Denk- Ä S HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN