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Das jüdische Echo · 1922-11-03 · 44 (3.11.1922) · p. Seite 551

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
44 (3.11.1922)
Date
1922-11-03
Page
Seite 551 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 551 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE standen, in Darmstadt auch die jüdische Nuance des Geisteslebens durch einen besonders qualifizierten Kenner weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Wie wir hören, wird Dr. Baeck dem Rufe Folge leisten. Die Königin von Holland bei einer „Dibbuk“- Vorstellung Die Wilnaer jüd. Theatertruppe, die, wie die J.P.Z. bereits berichtete, auf einer Gastspieltournee nach Amerika begriffen, in den holländischen Städten Amsterdam, Haag und Rotterdam mehrere Gastvorstellungen absolvierte, hat überall große Erfolge gehabt, und sämtliche holländischen Blätter schrieben mit größter Anerkennung über die Vorführung des „Dibbuk“ und „Jekel der Schmied“, sowie der anderen Stücke des auserlesenen Repertoirs. Bei der Vorstellung des „Dibbuk“ war auch die Königin von Holland mit Gefolge anwesend und gab ihrer Überraschung über das hohe Niveau dieser jüdischen Vorstellung Ausdruck. Die Wilnaer Gesellschaft hat auch in Antwerpen einige Abende gegeben. Von Wien, wo sie demnächst gastieren wird, wird die Wilnaer Truppe wahrscheinlich auch nach der Schweiz kommen. (J. P. Z.) Personalia München. Einer unserer angesehensten und allseits geachteten jüdischen Mitbürger, Herr Rentier Michael Nußbaum, begeht am 5. Nov. d. J. seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, welcher m Unterfranken geboren ist, lebt seit seinem zehnten Lebensjahr in München und war früher Mitinhaber der Großhandelsfirma Apfel & Nußbaum. Schon frühzeitig interessierte er sich für gemeindliche Angelegenheiten und finden wir ihn schon seit 1886 in der Verwaltung der Israel. Kultusgemeinde in den. verschiedensten Sparten tätig. Ganz besonders sei sein Wirken als I. Vorsitzender während der schweren Zeit der letzten Jahre hervorgehoben und wurde er für seine vielen Verdienste anläßlich seines Rücktritts vom Vorsitz im letzten Jahre zum Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt. Die verschiedenen Kommissionen in der Verwaltung, insbesondere die der Stiftungen und Wohltätigkeit, erfreuten sich stets seiner regsten Teilnahme und durch sein Eintreten wurde vielen Notleidenden und Hilfesuchenden Gutes erwiesen. Auch in der politischen Gemeinde erfreut sich der Jubilar großen Ansehens und war er auch hier in verschiedenen Körperschaften zum Besten der Allgemeinheit tätig. Der „München-Loge“ wie der Gesellschaft „Concordia“, wo er 40 Jahre im Vorstand war, hat er seine Arbeitskräfte stets gerne gewidmet. Wir sind sicher der Zustimmung aller Gemeindemitglieder, wenn wir den Wunsch aussprechen, daß es Herrn Nußbaum vergönnt sein möge, noch viele Jahre mit der Kraft des Körpers und dem Lichte des Geistes zum Besten der Allgemeinheit zu wirken. J. F. II I II ffllf I III Feuilleton | | ui!!■ IW o Theodor Herzls Tagebücher Band 1. Der 1. Band von Theodor Herzls Tagebüchern ist im „Jüdischen Verlag“ in Berlin erschienen.*) Schon aus den wenigen Bruchstücken, die wir aus diesem umfangreichen Werke hier bringen konnten, wird der Leser, der ein einigermaßen feines Gefühl für das wirklich Große, für das Echte hat, gespürt haben, daß es sich hier um ein Buch handelt, an dem kein Jude, ja überhaupt kein Mensch, der das Wachsen und Reifen einer großen Idee in einem großen Menschen mit all seinen erschütternden Begleitumständen nachfühlen will, vorübergehen kann. Wenn wir hier eine Besprechung des Herzl’schen Tagebuches aus der Feder eines Führers jüdischer Jugend in Deutschland bringen, dem die Idee, die Herzls Leben bedeutete, nicht mitzureißen vermochte, so geschieht dies, um gerade dadurch zu zeigen, daß jeder von uns, ob Zionist oder Nichtzionist, dieses Buch kennen muß. Unsere Stellungnahme zu Herzls Tagebüchern werden wir unseren Lesern geben — in einem Leitartikel. Herzl erklärt es selbst: Das Feuilleton sagt vieles, wovon der Leitartikel nichts sagen darf. *) Zu haben in der „Ewer“ - Buchhandlung, München, Wagmüll er Straße 19. (Das alte Gleichnis von den zwei Händen.) Ich füge hinzu, man erwartet das so und wünscht nicht im Feuilleton zu finden, was der Leitartikelschreiber sagen dürfte. Der Leitartikel ist das document politique, das Feuilleton birgt document humain. Dies hier ist kein Leitartikel. Auch Theodor Herzl gebrauchte diese Unterscheidung. Auch er schrieb keine Leitartikel, nichts um politische Archive zu bereichern. Was er schrieb — und in erster Linie dieses Tagebuch — sind Dokumente eines starken Lebens. Der Mensch Theodor Herzl hat stark gelebt, nicht wie die tintenblütigen Literaturgesellen — ohne Gesellenstück — des Berliner oder Wiener Kaffees, bei denen das starke Leben im starken Ausleben sich erschöpft. Herzl erschöpft sich in der Tat. Es gibt wenig Tagebücher, die so wenig erotisch belebt sind und so sehr Tatwirken widerstrahlen. Und doch, ich muß es hier schon sagen, man leidet bei dem Lesen dieser 650 Seiten unter dem Mangel am Erotik im weitesten Sinne. Dieses Buch ist sehr klug, sehr reich, sehr Leidenschaft des Handelns, aber etwas wie kaltes Feuer. Man sucht die Liebe. (Das hat Gründe, von dienen noch zu sprechen ist.) Theodor Herzl hat die Energie zur Tat, er hat die Energie der Tat, sein ganzes Leben ist diese Tat, sein Leben ist ganz durch diese Tat. In einer Zeit, in der die meisten Menschen kein ganzes Leben führen, sondern zerrissen innerlich sich bestöhnen. bewundern wir diie Geschlossenheit seines Charakters dreifach. Nichts lenkt ihn ab von seinem Ziel, jeder Zufall wird eingegliedert,

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