Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 44 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- Seite 552 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Das Jüdische Echo Nr. 44 jede Pierson Mittel. Wie ein Priester der mittelalterlichen Kirche, wie ein „Erfinder“ steht er ganz nnd gar iim Dienste seiner Idee, seines Gottes. Diese Idee ist ihm der Gott — und er dient ihr mit der Inbrunst des wirklich zum Priestertum Berufenen. Der mittelalterliche Mensch ist gewaltig in seiner Hingabe an die Idee, Herzl ist noch mehr als gewaltig, er ist gewaltsam. Seine Durchdrungenheit zwingt, reißt mit, läßt keinen Widerspruch aufkommen, geschweige Widerstand. So ist er Führer durch und durch und er ist eiin solcher Führer durch und durch. (Andere führen Menschen an ein Ziel durch Liebe ...) Herzl ist Führer und hat den Mut des Führertums. Den Mut etwas zu wagen,, diie eigene Person, aber noch mehr: die Sache, in der die eigene Person lebt und Wurzel hat. Sie i'st ein glutheißer Optimismus, der entgegenschlägt, Optimismus jener seltenen Art, daß er am Widerstand wächst und daß er die kleinen Widerständchen erträgt. Das Kennzeichen der ganz Großen ist es, daß sie der ganz kleinen Hemmnisse nicht müde werden, weil sie im Kleinsten das Große sehen, vielleicht der modernen Helden Kennzeichen. In diesem Sinne ist Herzl ein Held seines Jahrhunderts. Ein Kind seines Jahrhunderts ist er jedenfalls ganz und gar. Nichts lehrt das stärker als dieses Buch: Ein Mensch mit durchdringendem Intellekt, der alles meistert — der Autseiter entwickelt die kompliziertesten Finanzoperationen — mit beißendem Witz, der die Menschen entkräftet, die gegen ihn stehen, ein Diplomat, der die verschlossene Türe dem Appel an das Volk vorzieht, weil er im Volk nur an die Masse, kaum an die Volkspersönlichkeit appelliert. Keiner der wahrhaft verwurzelt ist, der das Land sucht aus inniger Verbundenheit mit dem Land. Theodor Herzl ist nicht der, in diem Palästina, in dem Judentum und jüdisches Bewußtsein still und ungebrochen aufwuchs und der so mußte, wie er tat. weil er bluthaft nicht anders konnte. Herzl — und das gerade zeigt das Buch —■ erkannte eine politische Situation als gegeben für den europäischen Juden, eine politische Tat als notwendig zur Lösung der Situation und zog als ein Mensch mit intellektuellem Charakter, nicht nur intellektuellem Spürsinn die Konsequenz. Daß er die Konsequenz zog. machte ihn zum Führer, die Energie, mit der er sie zog, erhebt ihn zuin großen Menschen. Daß es aus bewußter Einsicht geschah, was er tat, zwang ihn, daß er zum tatstarken Gestalter wurde Dafür grüßt ihn die Geschiichte als einen Großen. Ein großer Liebender ist Th. Herzl nicht, soweit dies Buch uns belehrt. Liebe macht ihn verlegen. Es ist ein Irrtum in dem Glauben, man diene der Sache dadurch, daß man die Charaktere ihrer Helden verfälscht. Wahrheit erkennen ist Dienst an der Sache. Deshalb übt Herzl — gerade in diesem Buche — sie peinlich gegen sich selbst. Seine große Liebe gilt dem Dienst an der Sache, in der Liebe zum Menschen liegen seine Grenzen, innerhalb deren er überragt, geworden an der Idee. Dies ist kein Leitartikel... Kurt Neu. Verband Bayer. Israel. Gemeinden. Am 30. und 31. Oktober fand in München die Tagung des Verbandes unter zahlreicher Teilnahme statt. Die Tagung erfreute sich am ersten Tage der Anwesenheit von Vertretern des Ministerpräsidenten., des Kultus- und Finanzministeriums, der Polizeidirektion und des Stadtrates, welche in Ansprachen das Interesse der betreffenden Stellen an den Verhandlungen zum Ausdruck brachten. Auf die Verhandlungen werden wir in der nächsten Woche zurückkommen. illlllllllilllllllllllllllllllllilllllllllllllillllillilHIIlIilllillllillllllllllillllllllillllllüllilllllillHIillllllüülII Gemeindenu. Vereins-Echo Nürnberg. Die Nürnberger Zionistische Ortsgruppe hatte am Donnerstag, den 26. Oktober, Herrn Karl Glaser, der seit einigen Monaten seine Kraft dem Keren Hajessod-Büro für Mitteleuropa zur Verfügung gestellt hat, zu einem Abschiedsabend bei sich. Herr Glaser sprach in bekannt geistvoller Art über Volk und Menschheit — Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft. Es ist natürlich nicht möglich, in diesem Rahmen eine auch nur einigermaßen erschöpfende Wiedergabe seiner Ausführungen zu bringen. Es sei hier nur erwähnt, daß er es verstand, das Typische der jüdisch-nationalen Bewegung in den allgemeinen Gang der Weltgeschichte einzufügen, vor allem dadurch, daß er darauf hinwies, daß der Gedanke der Auserwähltheit jedem gesunden, sich seiner Kraft bewußten Volke eigen sei. Das Unterscheidende des jüdischen Glaubens von der jüdischen Auserwähltheit von dem der anderen Völker sei in der Art zu finden, wie wir Juden den Begriff der Auserwähltheit faßten. Es sei in unser Volksbewußtsein übergegangen, daß unsere Berufung eine Berufung zur sozialen Erlösung der Menschheit sei. Der endgültige Weggang von Herrn Glaser bedeutet für den Zionsitischen Gruppenverband für Bayern und Württemberg einen ungemein schweren Verlust. Es wird, wie Herr Dr. Nußbaum und Herr Dr. Mayer als Vertreter des Gruppenverbandes und der Ortsgruppe betonten, wohl jeder G. G. diesen Verlust als einen persönlichen empfinden. Aber auch unter den Nichtzionisten hat Herr Glaser. wie Herr Dr. Frank betonte, viele Freunde erworben, die ihn ungern scheiden sehen. Wir hoffen, daß es Herrn Glaser von seinem größeren Wirkungskreise aus möglich sein wird, den Gruppenverband möglichst oft zu besuchen, KREIL-UCKO DAS HAU Sl%MGk&~V%I^VTHEATINERSTR 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN