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Das jüdische Echo · 1922-11-03 · 44 (3.11.1922) · p. Seite 550

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
44 (3.11.1922)
Date
1922-11-03
Page
Seite 550 (sequence 6)
Language
German
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550 Das Jüdische Echo Nr. 44 Das hebräische Schulwesen in Polen Aus Warschau wird uns geschrieben: In den letzten Monaten hat sich das hebräische Schulwesen bedeutend vergrößert. Gegenwärtig zählt man in Polen 250 hebräische Schulen. Von diesen entfällt die größte Anzahl auf die Ostgebiete. In der Woiwodschaft Bialystok existieren 37, in Wolhynien 49, Polesie 32, Wilnaer Gebiet 40. im ehemaligen Kongreßpolen 48, allgemeine hebräische Schulen. Eine verhältnismäßig kleine Anzahl hebräischer Schulen besitzt Kleinpolen. Die Woiwodschaft Krakau zählt 28, die Lemberger 13 hebräische Schulen. Die hebräischen Schulen werden von mehr als 40 000 Kindern besucht, 900 Lehrer erteilen dort Unterricht. Die Schulen leiden noch immer unter den Schikanen einzelner Schulbehörden. Wie vor einigen Tagen bereits gemeldet wurde, verweigern die Schulbehörden in vielen Gegenden die Erteilung von Konzessionen hebräischer Schulen und scheuen nicht davor zurück, die auf diese Weise freigewordenen Schullokalitäten zu requirieren. Tschecho-SIowakci Die Juden in der TSchecho-Slowakei In der Prager Monatsschrift „Sluzba“ ist ein informativer Artikel über die Judenfrage in der tschecho-slowakischen Republik von Ing. Neeas erschienen, welcher unter anderem interessante statistische Daten enthält. Danach gab es im Staate 353 676 Juden der Konfession nach, von denen sich 180 387 zur jüdischen Nationalität bekannten. Die Gesamtzahl der Juden beträgt 2,59 Prozent der gesamten Einwohnerschaft der Republik. Davon entfallen auf Böhmen 79 777 Juden (1,19 Prozent), Mähren und Schlesien 45 233 Juden (1,35 Prozent), die Slowakei 135 658 Juden (4,52 Prozent), Karpatho-Rußland 93 008 Juden (15,38 Prozent). Zur jüdischen Nationalität bekannten sich die Juden größtenteils dort, wo sie in großer Zahl leben. Das prozentuell stärkste Bekenntnis zur jüdischen Nationalität finden wir in den Gauen Ung.-Hradisch 66 Prozent, Kaschau 65 Prozent, Turac St. Martin 57 Prozent. Teschen 54 Prozent, Neutra 51 Prozent, Lipt. Sw. Mikulas 45 Prozent, Preßburg 44 Prozent. Bei den Wahlen in die Nationalversammlung im Jahre 1919 erhielten die Vereinigten jüdischen Parteien 79 714 Stimmen, wobei die Juden des karpatho-russischen Gebietes nicht mitwählten. Nur diesem letzten Umstande sei es zuzuschreiben, daß den Juden keine Möglichkeit gegeben wunde, in einem Wahlbezirke den Wahlkoeffizieten zu erreichen. Bei den nächsten Wahlen könne man mit der Wahl und der Bildung einer Gruppe jüdischer Abgeordneter rechnen, welche an Stärke derjenigen der Gewerbetreibenden in der Nationalversammlung ungefähr gleichkommen werde. Deutschland 130 Millionen-Spende für den Keren Hajessod Ein nicht genannt sein wollender russischer Jude hat während seines kurzen Aufenthaltes in Berlin durch den Verein der russischen Zionisten dem Keren Hajessod einen Scheck auf 10 000 Pfund, nach dem heutigen Kurse also über 130 Millionen Mark überreicht. Die Innsbrucker Kultusgemeinde für den Jüdischen Nationalfonds Aus Innsbruck wird uns berichtet: Die Kultusgemeinde hat dem hiesigen N.-F.-Kommissär den Betrag von 500 000 Kronen als Neujahrsspende abgeführt. Warnung an ostjüdische Auswanderer Das Vereinigte jüdische Emigrationsdirektorium erläßt eine dringende Warnung an die jüdischen Auswanderer, sich in keiner Weise dazu verleiten zu lassen, die deutsche Grenze auf ungesetzlichem Wege zu überschreiten, da laut der letzten Verordnung des Präsidenten der Hauptpaßstelle beim Berliner Polizeipräsidium alle diejenigen, die ohne gültige Dokumente die deutsche Grenze überschritten haben, innerhalb von 24 Stunden zwangsweise wieder abgeschoben werden. Das Direktorium gibt bekannt, daß solche Emigranten ganz allein die volle Verantwortung für ihre Schritte tragen, da kein Verein imstande ist. bei den deutschen Behörden etwas zu ihren Gunsten zu unternehmen. Wie das Vereinigte Emigrationsdirektorium ferner bekannt gibt, wird von seiner Seite für die Emigrationsbewilligungen so weit gesorgt, daß sie durch die verschiedenen Länder die Durchreiseerlaubnis erhalten. Das Direktorium kann das aber nur für solche Emigranten tun, die in der Lage sind, zu einem bestimmten Zeitpunkt das Durchrei’seland zu verlassen und die Reise in das Bestimmungsland anzutreten. literarisches Echo Das Neue Palästina Nummer 11 der vom Keren Hajessod (Palästina- Grundfonds), Abteilung für Zentraleuropa, herausgegebenen illustrierten Zeitschrift „Das Neue Palästina“ ist erschienen. Sie enthält außer einem Beitrag von Alcalay, Belgrad, „Vor 25 Jahren“ und einer Schilderung des Siedlungswerkes der jüdischen Pioniere in Palästina zahlreiche gut informierende Notizen über die neue Wirtschaft und die Privatinitiative in Palästina, wie auch die „Hilfe von Draußen“. Die zahlreichen schönen Illustrationen nach photographischen Orignialaufnahmen — so diesmal 5 Bilder: „Wie eine jüdische Stadt entsteht“, Chinas Loyalitätserklärung für Palästina und 3 Bilder aus dem Leben der Siedler — haben dieser in mehreren 10 000 Exemplaren weitverbreiteten, in deutscher Sprache einzigen, illustrierten jüdischen Zeitschrift viele Freunde erworben. Wir bitten Interessenten, die die kostenlose Zusendung dieser Zeitschrift wünschen, sich an das Nürnberger Keren Hajessod-Büro, Fürtherstr. 87, wenden zu wollen. Berufung Dr. Baecks nach Darmstadt Der Berliner Rabbiner und Vorsitzende des Rabbinerverbandes in Deutschland, Dr. Baeck, hat einen Ruf nach Darmstadt erhalten, um an der von dem Grafen Hermann Keyserling gegründeten und geleiteten „Schule der Weisheit“ Vorlesungen zu halten. Die Veröffentlichungen Dr. Baecks über das Wesen des Judentums haben die Aufmerksamkeit philosophisch interessierter Kreise auf seine Persönlichkeit gelenkt, und so ist der Wunsch ent- J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK MÜNCHEN / THEATINERSTRASSE 8

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