Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 44 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- Seite 549 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 549 Griechenland Die Katastrophe in Kleinasien Athen. Eine Korrespondenz aus Athen im „Doar Hajaum“ schildert die Lage der Juden in den vom Krieg heimgesuchten Gemeinden Kleinasiens in den schwärzesten Farben. Ströme von Blut sind geflossen und fließen noch und auch sehr viel jüdisches Blut dabei. In Jsmir wurde vom Gemetzel keiner verschont, und die gewaltige Feuersbrunst äscherte ganze Viertel ein. Die jüdische Gemeinde von Jsmir, die 50 000 Seelen zählte, ist restlos zerstört. Sämtliche Synagogen, Schulen und jüdischen Anstalten, sowie unzählige jüdische Häuser und Fabriken wurden Opfer der Flammen. Die griechischen Behörden haben, soweit es in ihrer Macht stand, sich auch um die unglücklichen Juden bemüht. — Es muß freilich dazu bemerkt werden, daß der Bericht etwas griechenfreundlich gefärbt ist. Leider hat man aber keine Ursache, an der Wahrheit der Angaben über die jüdische Katastrophe zu zweifeln. Die Keren Hajessod-Kampagne in Mesopotamien Der Vertreter des Keren Hajessod Dt. Bension, der nach seinem Eintreffen in Bagdad den größten Schwierigkeiten begegnet ist — selbst vor Denunziationen bei den Behörden, er wäre ein Bolschewik, schreckte man nicht zurück —■ hat durch seine zielbewußte Tätigkeit dem Keren Hajessod in Mesopotamien viele Freunde gewonnen. Besonderen Eindruck auf die Gegner machte sein Empfang durch König Faisul, den englischen High Comniissioner, Percy Cox, wie auch seine Besprechungen mit zahlreichen englischen und arabischen Beamten in Jrak. Ein Schreiben König Faisuls ordnet an, daß ihm bei seiner Tätigkeit keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Ein Keren Hajessod-Komitee wurde gegründet, dem die angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde angehören und an dessen Spitze der Chak am Baschi steht. Bisher wurden bereits Verpflichtungen über 12 000 Pfund erzielt. Die Entgegennahme von Zeichnungen wird eifrig fortgesetzt. Die mohammedanisch-christliche Vereinigung in Geldnöten Jerusalem. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Wie der „Doar Hajom“ berichtet, sind die Geldmittel der mohammedanisch-christlichen Vereinigung Palästinas derart erschöpft, daß sie die Agitation nicht fortführen können und das auf dem Kongreß in Nablus veranschlagte große Budget nur auf dem Papier geblieben ist. Ihr Organ „Al Sabach“ hat infolge Geldmangels sein Erscheinen eingestellt. Das arabische Volk, das durch falsche Versicherungen irregeführt wurde, will keine Geldbeträge mehr hergeben, so daß die Vereinigung nicht einmal mehr imstande ist, den Mietzins für die in Jerusalem gemietete Wohnung zu bezahlen. Polen Die jüdische Palästinawanderung aus Polen über Rumänien Nach längeren Bemühungen ist es gelungen, von den rumänischen Behörden für jüdische Palästina-Wanderer aus Polen die Erlaubnis der Transit Wanderung über Rumänien zu erlangen. In den letzten Tagen hat ein Transport, bestehend aus zehn Personen, die vom Palästina-Amte in Lemberg abgefertigt wurden, Czernowitz passiert; am 11. Oktober ist der erste größere Transport von Palästina-Emigranten aus Warschau, bestehend aus 37 Familien, zusammen 58 Personen, in Grigore Ghi'ca Voda eingetroffen und wurde hier vom Czernowitzer Palästina-Amt übernommen und nach Galatz weitergeschickt. Es handelt sich bei diesen Transporten durchwegs um qualifizierte Handwerker, die mit ihrem ganzen Werkzeug nach Palästina reisen. Die Emigranten waren sehr gut ausgerüstet und machten einen vorzüglichen Eindruck. Die erste jüdische Wählerversammlung in Lemberg Lemberg. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“.) Gestern fand hier im Saale des „Jad Chamrim“ eine vom Block der jüdischnationalen Parteien einberufene Wählerversammlung statt, die einen imposanten Verlauf nahm. Tausende Männer und Frauen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung füllten den Saal und das Stiegenhaus. Ins Präsidium wurden die Herren Dr. Wurzel, Bilbel, Großkopf, Pillitzer und Sonnenschein gewählt. Als erster Referent sprach Redakteur Frostig, der zunächst auf die Leitmotive verwies, welche die zionistische und die mit ihr alliierten Organisationen zur Beteiligung an diesen Wahlen veranlaßte. Es würden dadurch die Richtlinien der bisherigen Politik keineswegs geändert. Eine intensive Beteiligung an der Wahl sei im Hinblick auf die politische und ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung dringend erwünscht und jede Zersplitterung der Stimmen als Verbrechen an der Gesamtheit zu betrachten. Die Rede wurde ebenso wie die nachfolgenden Ansprachen der Herren Dr. Schmorak, Weiß (Orthodoxie), Pillitzer und Dr. Leser mit großem Beifall aufgenommen. Die Versammlung nahm auch eine Resolution an, welche die Kandidaturen der Liste Nr. 17 mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt und es als Pflicht aller Anwesenden hinstellt, mit aller Energie für die Liste einzutreten. aiasu?eren-Jteden u./anfleJ/curJcfirteideMi,