Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 44 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- Seite 548 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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548 Das Jüdische Echo Nr. 44 nur in großen Zügen hier zu schildern. Festgehalten werden muß. daß der den Reformen zu Grunde liegende Kern die Negierung nationaler jüdischer Eigentümlichkeiten verbunden mit dem Wunsche war, den jüdischen Gottesdienst dem der deutschen Staatskirchen so wesensähnlich als nur möglich zu machen. Daß in vieler Hinsicht Neuerungen durchaus berechtigt und notwendig waren, soll natürlich nicht bestritten werden. Zweifellos ist auch der demonstrative Charakter, der den Reformen gemeinsam war. Man wollte den Nichtjuden, mit dem man nunmehr wesentlich enger zusammenlebte, zeigen, wie sehr man sich bemühte, die den Juden gewährte Gleichberechtigung zu „verdienen“ und ihnen ermöglichen, sich selbst darüber zu orientieren, daß die antisemitischen Verleumdungen, die über unseren Gottesdienst im Gange waren — und übrigens trotz aller Reformen auch heute noch sind — unbegründet seien. Welch schwere Schädigung wir diesen Reformen verdanken, ist nicht zu ermessen. Vor allen Dingen ist zu bedenken, daß die konservenbüchsenartige Abgeschlossenheit und die dadurch bedingte Sterilität der heutigen Orthodoxie auf diese Zeit zurückzuführen ist, wo es ihr erst nach schweren Kämpfen gelang, sich von den sie majorisierenden „Liberalen“ loszulösen und eigene Gemeinden zu gründen. Den Liberalen wurden auf diese Weise alle hemmenden und konservativ gerichteten Elemente entzogen und so kam es zu Neuerungen im jüdischen Kultus, die von allem anderen als jüdischem Geist getragen waren. Man hatte versucht, zu reformieren, indem man wahllos Quadern aus der Mitte des Gebäudes herausriß und so die notwendigsten Fundamente und Pfeiler untergrub, anstatt mit Verständnis und nach sorgfältiger Wahl entbehrliche Steine an der Außenseite zu entfernen. So waren Emanzipation, Liberalismus, Austritt aus dem Judentum zu verschiedenen Etappen eines notwendigen Weges geworden und es schien, als ob sämtliche Juden diesen Weg gehen wollten. Ein bekanntes Beispiel ist, daß aus der Zeit Moses Mendelsohns die Nachkommen auch nicht einer einzigen der damals in Berlin lebenden jüdischen Familien dem Judentum treu geblieben sind. Da setzte im entscheidenden Momente eine gegenläufige Bewegung ein — der Z i o n i s m u s. War bisher die Losung: Anpassung bis zum Äußersten, absolute Assimilation, so betonte demgegenüber der Zionismus: Bejahung des eigenen Lebens, freudiges Anerkennen bestehender Verschiedenheiten als Basis gegenseitigen Verstehens und wechselseitiger Achtung. Beruhte die erste Methode auf einer niedrigen geistigen Einschätzung der Umgebung, so baute die andere sich auf, auf m der alten Jlkademie i'wr. rnnc icins/j! puß imuao-ws IßV UOJJß dem Glauben an das allmähliche Wachsen politischen Intellekts in der Welt. Es ist heute noch nicht so weit, daß wir aus den gegebenen Tatsachen ein abschließendes Urteil übier die politische Brauchbarkeit der beiden Methoden fällen könnte. Aber wir glauben deutlich sehen zu können, welche von ihnen sich in der Welt (denn das Nationalitätenproblem ist doch ein Weltproblem) und im jüdischen Volk in immer höheren Maße durchzusetzen begonnen hat. Als ein Anzeichen dafür, daß es auch in Deutschland gelungen ist, der assimilatorischen Richtung Einhalt zu tun, betrachten wir nun gerade den Umstand, daß in Zukunft die Ausgestaltung unseres Gottesdienstes ih den liberalen Gemeinden nicht mehr davon abhängig gemacht werden soll, was die anderen dazu sagen, wenn sie ein Machsor von uns in die Hände bekommen, sondern daß man in weiten Kreisen das starke Bedürfnis verspürt, das spezifische Jüdische unseres Kultus wieder in den Vordergrund zu rücken. Und etwas spezifisch Jüdisches sind doch die Zionsgebete, ganz gleich, ob man sie nun wörtlich oder im übertragenen Sinne verstehen will. Sie sind es, die für uns Wahrzeichen jüdischer Vergangenheit und Wegweiser jüdischer Zukunft bedeuten. Das Experiment der Reformer ist mißlungen. Es geht nicht an, die jüdische Lehre in einen nationalen und einen religiösen Teil zu zerlegen. den einen zu zertrümmern und den andern zu pflegen. Eine jüdische Religion ohne jüdisches Volk ist undenkbar und alle Versuche, die auf ein solches Ziel gerichtet sind, sind ihm von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Das Schönste aber an dieser Nachricht ist, daß der dringende Wunsch zur Wiedereinführung der Zionsgebete in den Gottesdienst nicht ein von oben in die Menge getragener, sondern im Gegenteil ein aus der Masse des Volkes den maßgebenden Stellen gegenüber geäußerter ist. Wir sehen in dieser Tatsache einen deutlichen Beweis dafür, daß der jüdische Funke auch bei den deutschen Juden wieder stärker zu glimmen begonnen hat, daß auch bei den deutschen Juden ein deutliches Gefühl dafür vorhanden ist. daß es so wie bisher nicht weiter gehen darf. Freilich — hüten wir uns vor Überschätzung! Es handelt sich nur um Anfänge einer möglichen Entwicklung. Aber eben der Umstand, daß sie möglich ist, gibt uns den Mut, auf unserem Wege weiterzugehen, auf dem Wege der Schaffung eines Liberalismus, der mit Fug und Recht jüdischer Liberalismus genannt werden kann. Li-r. Aus der Jüdischen Welt Palästina Die Eröffnung der historisch-philoSophiSchen Fakultät in Jerusalem Noch zu Beginn des Sommers wurde in Jerusalem ein Komitee bei der Zionistischen Exekutive gebildet, um die Vorbereitungen für die Eröffnung der Fakultät für Geisteswissenschaften (historisch-philosophische Abteilung) zu treffen. Das-Komitee wendete sich in letzter Zeit an elntgw bed&tftehde Professoren, weitbekannte jüdischeß(ue1ehrte§‘3iandnbrhielt von ihnen die Zusage, daJFfstöhfeefcbii) slndp^aLh Jerusalem zu kommen MkjhVörftä^e: äh diWSeruFäkultät zu halten. Laut dm JetZfbfiiMeldttrfge-tV§h\ 1 enr' die ‘für die Eröffnung rmmtä Ätt^Fibe^aitg>^i^hdrg€iSftemssein. so daß mirTJgeiimmJheftL dieuRafectodTdri?GÄeswissenscteätt enn H$c1?f om! i Uäiffe’ i di ©Sdfc 2 Wdltte i Wr öff n et wÄ(ai>fdÄb?2l Aiich' :ftllkr d-bi oflögiscite HnstituU&M’l IMhf mM3PätigfrkT^fn£htdenh