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Das jüdische Echo · 1922-10-27 · 43 (27.10.1922) · p. Seite 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
43 (27.10.1922)
Date
1922-10-27
Page
Seite 541 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 541 Ach, wenn man seine allen Knochen dorthin schleppen könnte!... „Zion, unser Zion, von dem im Chumesch geschrieben ist..seufzt der Alte und schaut aufs Wasser. Da fließt der Strom in weite Ferne, es ist unser Strom, ... Kindheit. Ein Sommertag. Der Rebbe läßt die Kinder früher als sonst aus dem Cheder... Man geht am späten Nachmittag zum Wasser hinunter. Da steht ein Boot. Er springt hinein. Die Andern stoßen das Boot ab... Nun ist er schon ein junger Mann, ißt Köst3) beim Schwiegervater ... Er geht am Ufer spazieren. Es ist Herbst. Alles ist so traurig, die Blätter fallen von den Bäumen. Am Ufer ist es feucht... Das Wasser rennt zornig vorbei, es brummt wütend vor sich hin. Er geht hart am Wasser und denkt an die Zukunft, ans Geschäft... Das Wasser schlägt ans Ufer... Und dort steigt eine Welle auf und rollt in die Ferne... „Hart war die Erde,“ erzählt der Enkel. „Achtzehnhundert Jahre lag sie brach, achtzehnhundert Jahre wartete unsere Mutter auf ihre Kinder, die im Golus4) schmachteten... Andere Völker wollten sie nehmen:, wollten ihre Erde bearbeiten, aber sie wollte ihre Frucht und ihr Blut den Fremden nicht geben... Sie wollte brach liegen, bis ihre Kinder zu ihr zurückkehren würden... Und die Kinder kehrten zurück. Und sie begossen die Erde mit ihrem Herzenblut, und heute haben wir schon zwanzig Dörfer in Zion. Unsere Brüder bearbeiten unser Land...“ Und der Alte sitzt und lauscht. ... Zion, von dem im Chumesch die Rede ist. Da steht ein Mann mit einem Pfluge und bearbeitet die Erde... Und dort in Jerusalem steht der Tempel, unser Tempel steht noch da: eine Mauer ist erhalten, die westliche Mauer, die Klagemauer... Und Bäume... Und da ist Bethel, der Ort, wo unser Vater Jakob übernachtet hat und wo ihm der Herr erschienen war, wie es im Chumesch steht... Da standen Juden und brachten ihre Opfer dar... Sie kamen hierher gepilgert... So viele Juden aus weiter Ferne kamen hier zusammen und brachten allerlei Dinge mit, und eine Staubwolke erhob sich über den Gassen Jerusalems ... Und da steht eine Mauer, und noch eine 3) Das junge Paar verbringt die ersten Jahre nach der Hochzeit im Hause der Eltern der Frau oder des Mannes. Das nennt man „Köst essen“. 4) Golus — Verbannung, Diaspora. Mauer. Ich sehe sie mit eigenen Augen: da stehen Juden und weinen und beten zum Heiligen, gepriesen sei Er... ... Ach Gott, wenn ich wenigstens etwas Erez- Jßroel-Erde mit ins Grab bekomme... Und der Alte sitzt auf dem Balken und schaut auf das Wasser. Da fließt das Wasser, und da steht die hölzerne Brücke... Und da geht die Straße vorbei, die nach Lonkeschin zum Gut des alten Grafen führt, bei dem er jedes Jahr die Schafwolle kauft. Von dieser Straße aus kann man das ganze Städtchen überblicken: es liegt auf dem Hügel und schaut ins Wasser hinab... Und er hört, wie der Enkel mit leiser Stimme weiter erzählt: „Siehst du, Großvater, unsere heilige Erde blüht wieder auf, unsere Brüder bearbeiten sie mit ihrem Schweiß und ihrem Blut...“ Und der Alte schaut aufs Ufer; eine Welle rollt über den Kies. Das ist das Wasser des Städtchens... Seit Ewigkeiten fließt es so dahin... Dort vor dem Hause des Rows ist damals Lejbisch ertrunken, Lejbischs Körper hat sich im Wasser aufgelöst, da ist sein Grab, Lejbisch wurde zu einem Teil des Wassers, zu einer Welle... Und es scheint ihm, daß jede Welle, die über den Strand rollt, Lejbisch ist... Lejbisch und seine Spielgenossen schwimmen dort in der Ferne... In weiter Ferne... Manchmal glaubt er im Rauschen des Wassers Lejbischs klagende Stimme zu hören... Da kommt eine Welle heran, sie läuft über den Strand — Lejbisch grüßt und schwimmt wieder zurück... In weite Ferne ... Dort zieht er hin ... Der Alte wirft einen Blick auf den Enkel: ein Feuer leuchtet in seinen Augen, sein Herz pocht, seine Stimme zittert... Und er erzählt still wie ein junger Held, der soeben aus dem Kriege heimgekehrt ist: „Auf den Feldern Zions stehen schon unsere Brüder und schallen unsere Lieder...“ „Wie schauen dort die Felder aus? Ebenso wie die hiesigen?“ fragt der Alte. „Ist es dasselbe Getreide? ...“ „Ja, genau wie hier,“ antwortet der Enkel. „Unsere Felder sind es,“ sagte er mit Feuer, „dort bestellen unsere Brüder die Felder, die Ähren, die dort wachsen, die Gräser, die Bäume, alles haben unsere Brüder gepflanzt, es ist ihre Arbeit, ihr Getreide...“ „Ich glaube, es gibt dort auch einen Fluß ... Wie heißt er?“ "RauThallmaier München fößatinjorür.lö. (5lasQr’ C/jcnzoellarw. vmn& /4>

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