Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 43 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- Seite 539 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 539 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Weizenpreis von 175 Piaster auf 127 Piaster per 100 kg gesunken. Der Wuchs des Sommergetreides vollzog sich unter sehr günstigen klimatischen Bedingungen. Von der sehr guten Melonenernte wurden große Mengen auf dem Seewege nach Beirut und Port Said und per Eisenbahn nach Damas transportiert. Weinlese und Mandelernte haben begonnen; große Mengen von Tafeltrauben wurden bereits nach Ägypten verschickt. Auch Gemüse und Früchte gibt es zahlreich und billig. Trotz des trocknen-en Wetters während der Monate März und April verspricht auch die Tabakernte großen Erfolg. Die meisten der vom Landwirtschafts-Departement verteilten Samenarten versprechen guten Ertrag. Im nächsten Jahre dürften infolgedessen noch viel größere Flächen mit Tabakpflanzungen bebaut werden. Die Erweiterung von Kirjath-Anawim Überführung jüdischer Siedler aus Osteuropa In einem Bericht des „Hapoel Hazair“ über die Siedlung Kirjath-Anawim wird über die Art und Weise berichtet, wie die Angesiedelten für ihre in Osteuropa zurückgebliebenen Angehörigen sorgen. Es heißt darin: „Die Frage, wie wir unseren Verwandten Hilfe leisten sollen, wurde bei uns noch vor zwei Jahren gestellt. Die Interessierten beschlossen, einen Spezialdelegierten nach den Galuthländern zu schicken, um ihre Verwandten nach Palästina herüberzubringen. Sie verschafften sich eine Privatanleihe, und sie verpflichteten sich, sie von ihrem Monatslohn zurückzubezahlen. Der Delegierte, der nach Europa reiste, überführte gegen zwanzig Personen. Infolge der Maiunruhen jedoch kamen sie erst nach acht Monaten an. Inzwischen wurde das Bedürfnis nach Überführung von Verwandten in der Siedlung immer allgemeiner empfunden. Die Siedler sahen sich daher genötigt, eine allgemeine Form zur Lösung dieser Frage zu finden. Vor allem wurde klar, daß die Hilfe nicht bloß in der Überführung in das Land bestehen könne, sondern man müsse die Angekommenen auch im Lande selbst unterzubringen trachten. Ferner sah man ein, daß diese Arbeit im großen Maßstab geleistet werden müsse, ohne jedoch den Zustand der Kwuzah zu berühren. Man beschloß, eine Kasse für konstruktive Hilfe für die Familien der Kwuzah-Mitglieder, die nach Palästina einwandern wollen, zu schaffen. Das Grundkapital der Kasse wird durch die monatlichen Einlagen eines jeden Mitgliedes in der Höhe von 20 Piastern (ein Fünftel Pfund) gebildet. Auf Grund dieses eigenen Vermögens erhält die Kasse Darlehen bei verschiedenen Kreditinstituten. Diese Hilfe umfaßt zwei Tätigkeitsgebiete: 1. Darlehen für die Mitglieder der Kwuzah, um ihre Verwandten zu überführen; diese werden für eine längere Zeit gewährt und allmählich aus den Verdiensten zurückbezahlt, wobei ein Teil von der Familie des Betreffenden geleistet wird, nachdem sie im Lande untergebracht wurde. 2. Direkte Darlehen an die Familien auf Grund entsprechender Bürgschaften, nachdem sie ins Land gekommen waren. Im Laufe des letzten Jahres erreichte das Vermögen der Hilfskasse 120 Pfund, deren Kredit 450 Pfund. Es gelang in diesem Jahre, auf solche Weise gegen 40 Personen ins Land zu bringen. Alle ohne Ausnahme wurden mit Hilfe der Kwuzah in der Arbeit untergebracht. Ein Teil von ihnen war bereits in der Lage, ihre Schulden an die Kasse zu bezahlen. Auf diese Weise erhielten wir die Möglichkeit, weiteren Familien zu helfen, die an die Tore des Landes pochten.“ Schließung der Hochschulen in Ungarn Bewegung zur Aussperrung der gesamten jüdischen Studentenschaft Budapest. (J. C. B.) Die Dekanate sämtlicher Universitäten und Hochschulen in Ungarn verfügten die Schließung dieser Anstalten für eine unbestimmte Zeitdauer. Veranlaßt wurde diese Maßnahme durch eine sich rasch ausbreitende Bewegung unter der ungarischen Studentenschaft, die darauf hinzielte, den jüdischen Studierenden den Zutritt zu den Universitäten überhaupt zu versperren und dabei vor keiner Gewalt zurückzuschrecken. Die Bewegung ging von der Budapester Studentenschaft auf Grund des Gerüchtes, daß ein jüdischer Fabrikant geäußert hatte, er werde keinen Ingenieur anstellen, der an der Budapester Technischen Hochschule sein Diplom erworben hat, den Beschluß gefaßt, den jüdischen Hörern den Zutritt zu den Hochschulen zu versperren. Nachdem diese Studenten zur Ausführung ihres Beschlusses geschritten sind, verfügte das Dekanat die Schließung der Hochschule zunächst auf drei Tage. Um sich mit ihren Kollegen solidarisch zu erklären, schritten die Hörer der übrigen Budapester Hochschulen dazu, ihre jüdischen Kollegen mit Gewalt von dem Besuch der Hochschule fernzuhalten. Diese Bewegung dehnte sich in wenigen Tagen auf sämtliche Universitäten und Hochschulen Ungarns aus, so daß sämtliche Dekanate zur Schließung ihrer Anstalten auf unbestimmte Zeit geschritten sind. Das Unterrichtsministerium hat eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet. — Der Schließung der DAS HAUS KRELL-UCKO THEAT1NERSTR. 16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG MÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN