Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 43 (27.10.1922)
- Date
- 1922-10-27
- Page
- Seite 536 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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536 Das Jüdische Echo Nr. 43 und Rabbiner Dr. Bärwald, München, behandelt. Hier ist ein seit langem empfundener Mangel in dem verfassungsrechtlichen Aufbau der Gemeinden des Landes. Es ist zu erwarten, daß die Referate und die Aussprache die Grundlage schaffen werden, für eine neue verfassungsmäßige Ausgestaltung und damit bessere Konsolidierung der Distrikte. An die Spitze der Tagung, die am Montag, den 30. Oktober vormittags 8.30 Uhr im alten Rathaussaal ihre Verhandlungen beginnt, ist ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, über das Thema: „Judentum und Staat“ gesetzt, an den sich eine Aussprache anschließen soll. Dieses heute angesichts der uns umbrandenden Wogen des Hasses und der Verunglimpfung mehr denn je aktuelle Thema darf des allgemeinen Interesses gewiß sein, und es ist der Verbandsleilung zu danken, daß sie die Tagung auf diese Weise einzuleiten beschlossen hat. Besteht doch in weiten jüdischen Kreisen angesichts der gerade in Bayern, wie in keinem anderen der deutschen Länder, emporgeblühten antisemitischen Hetze das Gefühl, daß die staatlichen Organe den Schutz, auf den die Juden in Bayern den verfassungsmäßigen Anspruch haben, nicht selten versagten. Es wird nicht ohne Eindruck bleiben, wenn die Empfindungen, die uns angesichts dieser Zeitströmung beherrschen, bei dem offiziellen Zusammentritt der berufenen Vertreter der bayerischen Judenheit einen offenen und mannhaften Ausdruck findet. Wir wünschen der Tagung des Verbandes und seinen weiteren Arbeiten den besten Erfolg. Tagesordnung für die Tagung des Verbandes Montag, den 30. Oktober, Vormittags 8.30 Uhr: 1. Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden. Ansprachen. 2. WaJhl des stellvertretenden Vorsitzenden der Tagung. 3. Bericht des Präsidenten des Verbandes über die Tätigkeit des Verbandes und über die allgemeine Lage. 4. „Judentum und Staat“. Berichterstatter: Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg, stellvertretender Präsident des Verbandes und 1. Vorsitzender der freien Konferenz bayerischer Rabbiner. Aussprache zu 3 und 4. Me u h aus ers/r. 15, gegenüber der alten J/kademie Nachmittags 3 Uhr: 5. „Die sozialen Aufgaben des Verbandes“. Berichterstatter: Rechtsanwalt Dr. Elias Straus-München. 6. „Die Ausbildung unserer Lehrer“. Berichterstatter: l. Oberlehrer Stoll-Würzburg, 2. Distriktsrabbiner Dr. Stein-Schweinfurt. Aussprache zu 5 und 6. Dienstag, den 31. Oktober, Vormittags 8.15 Uhr: 7. „Die Finanzen des Verbandes. Voranschlag für 1923. Festsetzung des Umlagensatzes für 1922.“ Berichterstatter: l. Ludwig Rosenzweig- Nürnberg, 2. Julius Wassermann-Bamberg. 8. „Die Besoldung der Rabbiner und Gemeindebeamten. Leitsätze des Verbandes. Bewilligung des Personalbedarfs.“ Berichterstatter: l. Oberstlandesgerichtsrat, Univ.-Prof. Dr. Silberschmidt-München, 2. Rabbiner Dr. Brader-Ansbach, 3. Lehrer Dingfelder-München. „Sachbedarf.“ Berichterstatter: R. Seeberger-Gunzenhausen. „Gemeindeverband und Versorgungsverband.“ Berichterstatter: Verbandssyndikus Rechtsanwalt Flaschner. Aussprache zu 7 und 8. 9. Genehmigung der Beschlüsse des Ständigen Ausschusses. Berichterstatter: Justizrat Dr. Epstein-Augsburg. Nachmittags 3 Uhr: 10. „Das Rechtsverhältnis und die Ausgestaltung der Rabbinatsdistrikte.“ Berichterstatter: l. Justizrat Dr. Hommel- Schweinfurt, 2. Rabb. Dr. Baerwald-München, 11. Anträge. Die Tagung findet statt im alten RathaussaaL Eintrittskarten zu den Verhandlungen stehen in der Kanzlei der Isr. Kultusgemeinde, Herzog Maxstraße 7/i. zur Verfügung. Saxo-Bavaria „Herr Peter Gilgus war ein im mittleren Deutschland weggelaufener Schullehrer und Apostel des Atheismus, der im wörtlichen Sinne ausgezogen war, die Welt zu sehen und zu genießen, nachdem der liebe Gott aus derselben weggeschickt worden. Dies Ereignis hielt er für einen unberechenbaren Glücksfall und er rief unaufhörlich, wo er hinkam: Es ist eine Freude zu leben! als ob in der Tat die Welt von ihrem größten Feinde und Bedrücker soeben befreit worden wäre, seit er die Werke des Philosophen gelesen. Er betrug siclh demgemäß, wie wenn es fortwährend Sonntag und der Braten am Spieße wäre, oder wie die Bevölkerung eines kleinen Herzogtums, deren Tyrann entflohen, oder wie ein Nest voller Mäuse, wenn die Katze aus dem Sack ist.“ (G. Keller, „Der grüne Heinrich“, 4. Band.) Peter Gilgus ist jetzt offenbar in der sozialistischen Regierung des Landes Sachsen Kultusminister geworden und glaubt nach dem sächsischen König auch den lieben Gott endgültig absetzen zu müssen. So hat er bei schwerer Strafe den Schülern verboten, eines religiösen Feiertages wegen der Schule fernzubleiben, und die