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Das jüdische Echo · 1922-10-20 · 42 (20.10.1922) · p. Seite 526

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
42 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
Seite 526 (sequence 6)
Language
German
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526 Das Jüdische Echo Nr. 42 Personaüa Prof. Strack 7T-K$i&$irk Vor einigen Wochen starb in Berlin der Geheime Konsistorialrat Herr Professor D. Dr. Herrmann L. Strack. Der Verblichene gehörte zu den hervorragendsten Kennern der hebräischen Sprache und der alten hebräischen Literatur und ist als Herausgeber einer hebräischen Grammatik und einer Reihe von Talmudtraktaten bekannt. Strack hat sich nicht nur mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und unermüdlichem Eifer in das hebräische Literaturgut der Vergangenheit versenkt, sondern er hat bei dieser Arbeit auch den Geist des Judentums, wie er sieh in den alten Schriften darstellt, verstehen gelernt. Strack hat sich bemüht, diesen Gedankengehalt auch einer weiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Seine Einleitung in den Talmud und Midrasch gehört nicht nur zu dem besten, was von christlicher Seite über diese jüdischen Literaturwerke geschrieben worden ist, sondern gibt auch dem gebildeten Westjuden eine gute Einführung in diese ihm fremd gewordenen Werke. Strack war aber auch ein leidenschaftlicher Wahrheitskämpfer. Er empfand es als eine brennende Schande, daß eine ganze Reihe deutscher Schriftsteller die niederträchtigsten Lügen über den Inhalt des Talmud verbreiten, und zwar gerade solche Personen, die wissenschaftlich gänzlich ungebildet sind und vom Talmud keine Ahnung haben. Strack hat eine ganze Reihe von Streitschriften gegen diese antisemitische Schmutzliteratur veröffentlicht. Er ist auch in vielen Fällen als gerichtlicher Sachverständiger für den Inhalt des Talmud vernommen worden, wobei er insbesondere gegen die Blutlüge Zeugnis abgelegt hat. Während des Krieges bemühte sich Professor Strack um eine Annäherung an die Ostjuden im besetzten östlichen Kriegsgebiet und verfaßte ein jidisches Wörterbuch und Lesebuch, um den deutschen Militärs und Beamten den Verkehr mit den Ostjuden zu erleichtern. Mit Prof. Strack ist nicht nur eine der markantesten Gestalten der deutschen Wissenschaft, sondern auch ein aufrichtiger Freund des Judentums dahingegangen. Seine vorurteilslose Stellung gegenüber dem Judentum änderte natürlich nichts an seiner christlichen Überzeugung. Er hat bis zu seinem Tode im Rahmen der theologischen Fakultät in Berlin das Institutum Judaicum geleitet, das es sich zur Aufgabe macht, christliche Theologen so weit in jüdische Wissenschaft einzuführen, daß sie imstande sind, Judenmission zu treiben. In diesem Institut beschäftigte man sich z. B. im letzten Semester mit dem bekannten Werk Max Brods „Heidentum, Judentum, Christentum“. Feuilleton Das Biedermeierzimmer Von Martha Nothmann Es war schauderhaft, wirklich schauderhaft! Die Hausfrau hatte in das Biedermeierzimmer, in das echte, alte Biedermeierzimmer einen Empirestuhl gestellt. „Er fällt total aus dem Rahmen“, sagten die Kupferstiche an den Wänden, und das ist bekanntlich das schlimmste, was es für ein Bild geben kann. Das Fenster zog sogleich den Vorhang zu. „Ich kann so etwas jedenfalls nicht mit ansehen“, meinte es indigniert. Es bildete sich ein, Ästhet zu sein, seitdem es Mullgardinen bekommen hatte, mit lila Schleifen daran, und auch der Flügel war ganz verstimmt. »Können wir uns das bieten lassen“, schrien die Stühle wild durcheinander, „daß ein Stuhl aus vollkommen fremdem Holz mit einem Stil, der dem unseren durchaus entgegengesetzt ist, sich in unsere Mitte drängt!“ Sie fühlten sich am meisten in ihrer Stellung beeinflußt, denn sie waren alle umgestellt worden. Der Empirestuhl wagte einzuwenden, daß er aus Mahagoni sei. Aber die anderen Stühle überschrien ihn: „Mahagoni oder nicht — wir sind nun mal aus Kirschholz und können beanspruchen, daß jeder, der sich zu uns gesellt, aus demselben Holz geschnitzt ist wie wir.“ Am aufgebrachtesten war das Sofakissen, trotzdem es eigentlich gar nicht zur Einrichtung gehörte, und überhaupt erst seit kurzem angeschafft worden war. „Ich drücke Ihnen meine Sympathie voll und ganz aus — voll und ganz“ — sagte es aufgeregt zu den Möbeln, und seine Ansicht deckte sich durchaus mit der ihren. Das Sofakissen sprach sehr gern von seiner Ansicht. Den Abdruck derjenigen Person* die zuletzt auf ihm gesessen hatte, pflegte es nämlich seine Ansicht zu nennen. Sogar das Sofa, das eigentlich das bequemste von allen Möbeln war, und sich noch nie hatte aus der Fasson bringen lassen, wollte beinahe vor Empörung platzen, aber es fiel ihm noch im letzten Moment ein, daß es nur mit Seegras gefüttert war. So beschränkte es sich darauf, eine Rede zu halten. „Beantragen wir den Ausschluß aller fremdholzigen Elemente,“ schloß es feurig, „beschließen wir eine Resolution zur Wahrung der Interessen aller Kirschenmöbel, schützen wir uns so vor dem Eindringen alles fremden Holzes in unserer Mitte.“ Der Beifall war ungeheuer. Die Meißener Figuren klatschten so sehr in die Händchen, daß man in Todesangst war, sie könn- ELEGANTE PELZE PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 23

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