Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 42 (20.10.1922)
- Date
- 1922-10-20
- Page
- Seite 525 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 525 Boykott gegen die jüdischen Kaufleute zu proklamieren — dessen Ausführung, wie gemeldet, zwecks entsprechender Vorbereitung auf geschoben wurde — einen überaus kennzeichnenden Artikel, in dem es heißt: Die Vorkämpfer dieser Bewegung dachten nicht daran, ob die Bevölkerung Palästinas in ihrer heutigen Situation in der Lage ist, die schwere Last zu ertragen, die ihr gewisse Leute auferlegen wollen. Als der arabische Kongreß in Nablus über den Boykott diskutierte, wurde dieser von Leuten gefordert, die sieh auf Handel nicht verstanden. Hingegen hat ein bekannter arabischer Kaufmann,, Reschid Chap Jbrahim, auf den dadurch drohenden Schaden hingewiesen. Es ist zu bemerken, daß dieselben Leute, die als erste die Proklamierung des Boykotts jüdischer Waren auf dem Kongresse forderten, einen Monat vorher den Juden Böden für bedeutende Summen verkauft haben. Dieser Umstand beweist zweierlei: die Unmöglichkeit, den Boykott zu proklamieren, und den Irrtum, in dem sich gewisse Leute befinden. Außerdem wissen wir, daß, kaum daß der arabische Kongreß geschlossen worden war, einer seiner Delegierten nach Jerusalem kam und in einer nichtarabischen Bank um eine Anleihe von 400 ägyptischen Pfund ansuchte. Dem Direktor der Bank, der ihn an den Plan des antijüdischen Boykotts erinnerte, antwortete er lächelnd: „Nein, ihr seid nicht die Leute, gegen die man einen Boykott proklamieren kann.“ Vor zwei Tagen — so fährt der Artikelsehreiber fort — war ich mit einem muselmanischen Kaufmann in Jerusalem zusammen, der als einer der bedeutendsten gilt, einer Notabeinfamilie angehört und auch in Haifa und Jaffa Niederlassungen besitzt. Dieser drückte mir gegenüber seine Zweifel und seine Mißbilligung mit den Worten aus: „Ich verberge nicht, daß die Mehrzahl meiner Klienten Juden sind. Der Handel stockt und wir wissen nicht, was die Wirkungen dieses Boykotts sein werden.“ Das Blatt wendet sich an die Kaufleute und weist darauf hin, daß die schädlichen Folgen des Boykotts nur auf sie zurückfallen, und empfiehlt ihnen, ernsthaft über die Frage nachzudenken, bevor sie eine Maßregel ausführen, welche den nationalen Interessen schädlich ist. Araber für eine jüdisch-arabische Verständigung Jerusalem. (J. C. B.) Im Gegensatz zu der Parole des arabischen Kongresses in Nablus, die Wahlen zum gesetzgebenden Rat zu sabotieren, sind in den letzten Tagen beim Oberkommissär Sir H. Samuel von arabischen Stämmen Telegramme eingetroffen, in welchen eine schnelle. Durchführung der Wahlen in den gesetzgebenden Rat Palästinas gefordert wird. In dem Telegramm des bekannten Araberstammes Al-Grad heißt es unter anderem: Die Zukunft unseres Landes erfordert es, endlich zu einer Verständigung mit den Juden zu gelangen. Die Regierung Palästinas muß die strengsten Maßnahmen gegen diejenigen ergreifen, welche die Einwohner des Lahdes gegeneinander zum Kriege hetzen. Ein polnisches Konsulat in Palästina Wie der Warschauer „Kuryer Poranny“ zu berichten weiß, soll in allernächster Zeit in Palästina ein polnisches Konsulat errichtet werden, das der jetzige polnische Gesandtschaftsrat in Belgrad, Smogorzepsky, übernehmen soll. Die öffentlichen Arbeiten Jerusalem. (Bericht der „Wr. Morgenztg.“) Das Amt für öffentliche Arbeiten und Bautätigkeit der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina teilt mit: Gegenwärtig sind bei Bau-, Tischler- und Metallarbeiten in Stadt und Land 1485 Arbeiter beschäftigt. Bei Straßenbauarbeiten, bei Applanierung des Bodens, Austrocknung von Sümpfen u. dgl. sind 2170 Arbeiter untergebracht. In der letzten Bausaison hat das Amt für öffentliche Arbeiten von der allgemeinen Arbeiterorganisation den Bau von 325 Objekten um den Preis von 160 000 englischen Pfund übernommen. Das Amt hat zwei große Spezialwerkstätten errichtet: 1. Eine große Tischlerei in Tel-Awiw mit den besten Maschinen. In dieser Werkstätte arbeiten die besten Fachleute Jaffas, die alle Tischlerarbeiten für die vom Amt zur Durchführung übernommenen Baulichkeiten sowie bei Privatpersonen verrichten. 2. Eine Werkstätte zum Mahlen von Steinen, zur Erzeugung von Blökken, Stufen, Pflastern u. dgl. Das Amt hat mit Erfolg seine besondere Aufmerksamkeit der Einführung der jüdischen Arbeiter in das Baufach gewidmet. In den Genossenschaften der Organisation befinden sich zur Zeit ungefähr 55 Steinhauer, die das Fach im Laufe des letzten Jahres erlernt haben, 75 Steinmaurer, von denen ein Teil die Arbeit auf eigene Verantwortung, ohne Aufsicht eines Spezialisten, auszuführen in der Lage ist, 100 Arbeiter, die Steine hauen können. Hunderte von Arbeitern haben das Bauen, Pflastern und Tünchen gelernt. Besonderes Gewicht legte das Amt darauf, Arbeiter für Steinbrüche, Steinbehauung und Steinbau auszubilden. Die Eroberung dieser Arbeitsgebiete, die im Lande Tausende nichtjüdische Arbeiter beschäftigen, ist eine unumgängliche Bedingung für die Erweiterung der jüdischen Bauarbeit. Bei den in der nächsten Zeit in Aussicht genommenen Regierungsarbeiten wird der Steinbau zweifelsohne einen großen Raum einnehmen, die Ausrüstung und Heranbildung geeigneter Arbeiter ist eine selbstverständliche Voraussetzung für die Übernahme solcher Arbeiten. Tfcn-Jtodm t/./eifixtej//afyJcfvieidetei'. r_;a-£' .C