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Das jüdische Echo · 1922-10-20 · 42 (20.10.1922) · p. Seite 524

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
42 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
Seite 524 (sequence 4)
Language
German
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524 Das Jüdische Echo Nr. 42 erreicht. In deutsch-völkischen Blättern kann man ja oft das: „Kauft nicht bei Juden, sondern nur in echt deutschen Läden“, lesen. Daß aber eine von Juden, die das Judentum noch dazu allein gepachtet zu haben glauben, gegründete Institution eine derartig antisemitische Propaganda zu treiben müssen glauben, hätten wir doch nie geglaubt. Wir wollen nicht hier mit den Leuten, die einen derartigen Aufruf unterstützen zu können vermeinen, über Zweck und Art der Verwendung, der dem Keren Hajessod zugeführten Gelder rechten, die Wahrheit setzt sich ja, Gott sei Dank, trotz aller Aufrufe immer mehr und mehr durch, wir fragen nur: ist es jüdisch, ja, entspricht es auch nur den primitivsten Regeln politischer Anständigkeit, sich die von einemanderen im schweren Kampfe errungenen Vorteile zu eigen zu machen und gleichzeitig ihm jede Fähigkeit und jede Existenzberechtigung abzusprechen? Wenn die Agudas Jisroel glaubt, daß zum Aufbau Palästinas nur orthodoxe Juden qualifiziert seien, daß niemand außer ihnen das Recht haben soll, in Palästina und für Palästina zu leben, dann mag sie einen Keren Hajischuw gründen. Aber selbst dann hat sie noch nicht das Recht mit objektiv unrichtigen und für jeden Eingeweihten auch als falsch sofort ersichtlichen Behauptungen zu operieren und dadurch Vorteile zu erlangen. Hätte Agudas Jisroel bis jetzt auch nur das geringste Stück positiver Arbeit in Erez Israel geleistet, könnte man davon berichten, daß in Palästina neues jüdisches Leben durch die Aguda gefördert worden wäre, kurz, hätte sie Tatsachen und nicht Worte auf ihrer Seite, wir Würden schweigen.- Denn für uns ist alles begrüßenswert, was Palästina fördert. Aber jeder weiß ja, daß die Tätigkeit des thoratreuen in der Aguda organisierten „Volkes“ bis jetzt eine rein negative war. Man wende nicht ein, das könne ja in Zukunft besser werden. Denn einmal haben wir Ursache genug, begründete Zweifel darein zu legen und dann: wer arbeiten will, fängt nicht damit an, die Arbeit anderer schlecht zu machen, bevor er weiß, wie weit seine Kräfte reichen. Und noch etwas anderes. Der wahrhaft gläubige Christ wird in dem Juden immer das Volk achten, das ihm den Heiland geschenkt hat. Die Aguda möge in dem Zionisten die Leute verehren, die das Mandat errungen haben, wenn sie sich auch sonst noch so viel besser und überlegener dünken. Bezeichnend für die politische „Vornehmheit“ der Aguda ist auch noch eine andere Sache, die ebenfalls unter den Begriff des unlauteren Wettbewerbs fällt. Es ist der Name, den sie ihrem „Konkurrenzunternehmen“ gegeben hat. Keren Hajessod — Keren Hajischuw, wie soll es dem in Mg uhdus ers/r. 15, gegenüber der alten Jlkademie jüdischen Dingen Unerfahrenen, in der hebräischen Sprache Unkundigen möglich sein, die beiden Namen auseinander zu halten? Wie leicht kann es Vorkommen, nein, wie oft ist es schon vorgekommen, daß jemand, der für den Keren Hajessod geben wollte, für den Keren Hajischuw gab, weil er glaubte, für die gleiche Sache zu geben. Und das ist kein Einzelfall. Von der Werbebroschüre bis zur Organisation ihrer Jugendverbände gibt es nichts, was die Aguda der Zionistischen Organisation nicht abgesehen, mit den geringen naturnotwendigen Änderungen, ihr nachgemacht hätte. An einer Stelle des oben erwähnten Aufrufes heißt es: „Lernt von den Gegnern“. Sollte solches Gebahren lernen sein? Wir wissen es nicht. Was wir aber mit Bestimmtheit fordern müssen, ist, daß eine auf solchen Grundsätzen basierende und mit derartigen Mitteln begonnene Arbeit nicht nach Palästina übergreifen darf. Hände weg, muß es hier heißen. Wir wollen einen gesunden Wettstreit aller Kräfte, wir wollen Kritik auch in Palästina und erst recht in Palästina. Aber wir protestieren feierlich gegen unlauteren Wettbewerb, in welcher Maske, und von welcher Seite er auch immer er sich in das Land unserer Väter einzuschleichen versucht! Liebstätter. Maulwürfe Unter der Überschrift „Maulwürfe“ brachte ein im September 1921 an Stelle des damals verbotenen Völkischen Beobachters erscheinendes Blatt „Bayern heraus“ einen Artikel, in dem der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der Beachtung des Staatsanwalts empfohlen wurde, weil seine angeblich noch fortdauernden Beziehungen zur Alliance Jsraelite Universelle bei deren deutschfeindlicher Tätigkeit während des Krieges sich als landesverräterische Machenschaft darstelle. Auf Klage des Vorsitzenden des Zentralvereins hin nahm der Angeklagte, Redakteur Hans Sommerer, in einem vor dem Schöffengericht München geschlossenen Vergleich diese Vorwürfe als unbegründet zurück. Dem Abdruck des Vergleiches im Völkischen Beobachter fügte er jedoch Bemerkungen bei, wonach er nur die Behauptung zurückgenommen habe,, daß „jetzt noch“ solche Beziehungen zwischen dem Zentralverein und der Alliance bestünden, daß es aber früher der Fall gewesen sei; somit beruhe der Artikel „Maulwürfe“ auf Wahrheit und bedeute der Vergleich für ihn eine Freisprechung. Da hierin und in einer späteren Notiz des Völkischen Beobachters also die früheren Vorwürfe aufrechterhalten waren, erhoben die Vorsitzenden des Zentralvereins, Geheimrat Fuchs und Justizrat Brodnitz in Berlin, neuerliche Klage gegen Sommerer, sowie gegen den verantwortlichen Redakteur Dietrich Eckart. In der schöffengerichtlichen Verhandlung versuchten die Angeklagten durch ihren Parteifreund Alfred Rosenberg als Zeugen den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Trotz mehrstündiger Vorlesungen, die dieser Zeuge aus mühsam zusammengebrachten Zeitschriften und Buchstellen hielt, erachtete jedoch das Schöffengericht den Wahrheitsbeweis für mißlungen und verurteilte die beiden Angeklagten zur Geldstrafe von je 1000 Mark. Aus der jüdischen Welt Palästina Ein arabisches Blatt gegen den arabischen Boykott Die arabische Zeitung „Lissan Arab“ widmet dem Beschlüsse des arabischen Kongresses, einen

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