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Das jüdische Echo · 1922-10-13 · 41 (13.10.1922) · p. Seite 512

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
41 (13.10.1922)
Date
1922-10-13
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 Das Jüdische Echo Nr. 41 Zeichnung in der Gegenüberstellung von Türken und Arabern. Vielleicht ist es gerade möglich, den Arabern mehr Sympathiegefühle entgegenzubringen, eben im Bewußtsein ihrer großen Kulturvergangenheit, deren Zeugnis uns noch vieles in ihrem Auftreten, in ihrer Sprache, in ihrer Denkweise gibt. Sie selbst verachten die Türken, sie rechnen sie zu ihren Todfeinden und wenn sie heute über den türkischen Sieg jubeln, richtet sich das nur gegen die Engländer, die sie in noch höherem Maße hassen. Die dritte nationale Bewegung im nahen Orient ist die ägyptische. Scharf gliedert sich das Volk in Städter und Fellachen. Die letzteren waren wie in Syrien aufs ärgste bedrückt worden, bis die Engländer ihre wirtschaftliche und rechtliche Lage erleichterten, zum Schaden jener Oberschicht, die daraus Gewinn zog. Charakteristisch für Ägypten, das auch vom Islam beherrscht wird, aber doch weniger durch ihn seine Prägung erhält, wie die Türkei und Syrien, ist eine starke intellektuelle, modern gebildete Schicht, die hier Träger der nationalen Bewegung ist. Sie ist vielleicht zäher und zielbewußter als in den anderen Ländern. Das breite Volk leidet nicht unter der Fremdherrschaft und ist auch nicht an ihrer Beseitigung aus ökonomischen Gründen interessiert; denn es hat eigentlich doch viel Gutes von ihr gehabt. Dennoch gehorcht es der Losung von Kairo und hat durch) Aufstände dem Engländer viel zu schaffen gemacht. Die jetzige Autonomie Ägyptens ist nur eine scheinbare und die Zukunft kann auch hier neue Stürme bringen. Der wirtschafts- und machtpolitische Imperialismus der Engländer und Franzosen ist der Feind dieser Völker und mit ihm im Bunde sehen sie die jüdische nationale Bewegung. Auch unserer jüdischen Bewegung liegt das Erwachen nationalen Selbsterhaltungstriebes zu Grunde, ein Rest nationalen Instinktes, angefacht und geläutert durch eine scharfe Bewußtheit unserer Besonderheit und durch ein starkes Verantwortungsgefühl für unsere Kulturvergangenheit und für die Menschheit. Und auch dieser Nationalismus sucht Lebensraum auf dem kulturgedüngten, heiß umstrittenen Boden Vorderasiens, auch dieser Nationalismus gesellt sich zu den Bewegungen des um neues nationales Sein ringenden Orients (der noch ein anderes Feuer fern in Indien entzündet hat). Warum gibt man ihm dort nicht sein historisches Recht? Warum verwehrt man ihm den Raum zum Leben und zur Entwicklung, der leer ist und durch ihn fruchtbar gemacht werden kann. Aber freilich, wir dürfen nicht verkennen, daß in ihm tatsächlich ein Stück jenes europäischen Expansionstriebes gegenüber der alten Akademie steckt, gegen den der Orient heute kämpft. Wir kommen nicht nur als Orientalen in unsere Urheimat zurück, sondern auch als Europäer, wir haben in Europa den Geist der Technik und! der Wissenschaft in uns aufgenommen und verpflanzen ihn auf orientalischen Boden, also auf den Boden unserer Väter. Freilich, dies ist nicht jener europäische Expansionstrieb, der Vorteile und Macht für das „Mutterland“ erstrebt, sondern wir wollen dies Land selbst zu unserem „Mutterland“ machen, ihm Segen bringen für uns und alle seine anderen Bewohner. Es ist leider allzu natürlich, daß der Orientale in diesen vom Westen kommenden „Eroberungs“wellen nicht die Eigenart der jüdischen Expansion, und „Invasion“ unterscheiden kann von den imperialistischen Bestrebungen der großen Mächte, unter deren Schutz wir noch dazu stehen. Dieses Mißtrauen zu beseitigen, ist die große Aufgabe unserer Brüder drunten undl unserer führenden Männer und dies wird nur möglich sein, wenn sie Verständnis zeigen für die seelische Eigenart des Orients, für die irrationalen und für die greifbaren Motive jener nationalen Strömungen und für das Recht jedes Menschen zur Selbstbehauptung, das wir ja für uns fordern. Es ist eine sehr komplizierte Aufgabe; denn wir wollen einen in der Weltgeschichte zum ersten Male begangenen Weg gehen: erobern, ohne zu vergewaltigen; neues Leben schaffen neben altem, sterbenden, ohne es zu vernichten, ja mit dem Willen ihm selbst neue Impulse zum eigenen Dasein zu geben. Der Aufbau Palästinas und die jüdische Jugend in Deutschland Der Gesamtvorstand des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands hat in seiner Sitzung vom 17. September dieses Jahres einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands errichtet ein Palästina-Dezernat. Das Dezernat soll der praktischen Verwirklichung der Beschlüsse der beiden letzten Delegierten-Tagungen und der Kasseler Führertagung dienen, in denen die Mitarbeit an dem Aufbau des jüdischen Palästina als Pflicht des Verbandes erklärt worden ist. Dieses Dezernat bearbeitet im Namen des Verbandes und im Sinne der erwähnten Verbandsbeschlüsse alle den Aufbau des jüdischen Palästina betreffenden Fragen. Ihm liegt insbesondere ob: 1. Die. Verbandsmitglieder und die breitere jüdische Öffentlichkeit über die im Interesse aller Juden liegende Notwendigkeit zu unterrichten das Werden der nunmehr völkerrechtlich anerkannten jüdischen Heimstätte in Palästina durch tätige Mithilfe zu fördern. 2. Unterstützung aller Bestrebungen, die Palästinafrage zu einer gesamtjüdischen zu machen, insbesondere der Kongreßbewegung. 3. Aufklärung über die Bedeutung der Mandatsbestätigung und die durch diese geschaffenen Verhältnisse und Möglichkeiten zu verbreiten. 4. Veranstaltung von Kursen und Vorträgen über alle den Gesamtkomplex Palästina berührende Fragen, unter anderem über die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Palästina. 5. Unterstützung von Geld- und Materialsammlungen für solche Zwecke, die das allgemeine gesamtjüdische Aufbauwerk in Palästina fördern helfen.

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