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Das jüdische Echo · 1922-09-29 · 39 (29.9.1922) · p. Seite 491

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
39 (29.9.1922)
Date
1922-09-29
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 491 BERNHARD BAUCH Briennerstr. 8 Telephon 21541 Schäfflerstr. 3/5 Telephon 21540 ELEGANTE PELZE mehr auf. Gehüllt in den Betmänteln und in den Kitteln, trug man sie hinaus. So fehlte ihnen nichts mehr zur Überfahrt vom Leben in den Tod... Aus der Judengasse drangen weitere Schreckensnachrichten in die Synagoge. Aber es achtete niemand darauf, niemand fragte und niemand wollte hören. Jeder hatte Angst, zu erfahren, wie es bei ihm zu Hause aussieht. Am Nachmittage des Versöhnungstages. Auf dem Almemor in der Synagoge steht der Rabbiner hochaufgerichteten Hauptes. ... Im Winkel steht ein Kind — ich bin es ja selbst — und seine Augen können sich von diesem Anblick nicht losreißen. Der Rabbi ist alt, ein Greis, wohl achtzig Jahre und darüber. Und doch ist seine Gestalt kerzengrade und hoch, daß er alle überragt. Weiß ist sein Bart, weißer noch sein lichtes Kopfhaar, weiß wie frischer Schnee, auch; seih Antlitz ist weiß, so daß man es kaum'vom weißen Mantel unterscheiden kann. Weiß waren damals auch seine Lippen. Nur die Augen, die großen, brennenden Augen, sind schwarz, samtschwarz, und sie leuchten in einem ungebrochenen jugendlichen Glanze. Von meiner Kindheit an war ich daran gewöhnt, diesen Mann zu verehren. Schon als Kind wußte ich, daß er ein göttlicher Mann sei, auf dessen Wort alles horcht. Ich wußte auch, daß er von jeher geneigt war, den strengen Gesetzesvorschriften einen leichteren Sinn abzuringen, und daß alle Rabbiner sich seinem Urteil beugten, wie dem Urteil der Thora. ... Schweigend steht die Gemeinde da und harrt darauf, was der göttliche Mann reden wird. Niemand wagt auch nur hörbar zu atmen. Und der Rabbi spricht. Seine schwache, leise Stimme wird von Augenblick zu Augenblick stärker, so laut, daß sie den ganzen Saal beherrscht. Er spricht vom Leben und Sterben, von den Lebenden und den Toten.. Er spricht von der Pest, die wie ein reißender Strom hereingebrochen ist, plötzlich, schrecklich, tückisch, die alles dahinrafft, frißt und nicht satt wird, trinkt und ihren Durst nicht stillt. Wie lange, wie lange noch? Seine bleichen Wangen und seine Lippen färben sich allmählich rot, und plötzlich höre ich ihn laut sagen»: „Und sieht der Mensch, daß Leiden über ihn kommen, so ist es seine Pflicht, sich und seine Taten zu untersuchen. Nicht nur die Handlungen zwischen ihm und Gott, zwischen ihm und seiner eigenen Seele, sondern auch die Handlungen zwischen ihm und seinem eigenen Fleische, zwischen ihm und seinem täglichen Leben...“ Noch immer steht er da und spricht: Von der Reinlichkeit, die das Leben erhält, und vom Schmutz, der das Leben dahinrafft. Er spricht von Hunger und Durst und davon, daß Hunger und Durst böse Engel sind, die dem Menschen das Leben rauben, sobald eine Pest kommt, zu töten und zu vernichten, zu vernichten und zu töten... Und dann: „Es steht geschrieben: W’chaj boheim, w’lo schejomus bohem. Das bedeutet, leben soll man, durch sie, durch die Gebote, aber nicht sterben durch sie. Und weiter sagen die heiligen Weisen: Eß laassoß TAdonoi hevihero torussechu: Zuweilen gibt es eine Zeit, wo es angebracht ist, ein Gebot der Lehre zu übertreten. Zuweilen ist es geboten, daß man die Gesetze verletzen soll, um dadurch Welt und Leben zu erhalten...!“ Plötzlich höre ich ihn aufschluchzen, und mir wird es warim und weich in der Seele. Und wie ich im Winkel dastehie, betend und zitternd, beginne ich mitzuweinen und Träne um Träne fließt aus meinen Augen. Noch heute sehe ich ihn oben stehen, wie er die Hand ausstreckt, die Dajonim herbeiwinkt, und sehe, wie die beiden zu ihm auf den Almemor hinaufsteigen. Alle drei stehen auf dem Almemor, der Rabbi, der Höchste, in der Mitte, die beiden Dajonim niedriger als er, der eine zur Rechten, der andere zur Linken. Was flüstert ihnen der Rabbi ins Ohr? Warum ist er kreidebleich geworden? Darauf höre ich ihn und die beiden Dajonim gar sonderbare Worte sagen. Klar und deutlich ist ihre Rede und doch kann ich den Sinn nicht erfassen. Wie aus einem Munde kommen die rätselhaften Worte hervor: „Im Namen Gottes und im Namen der Gemeinde gestatten wir, heute zu essen und zu trinken.“ Eine schreckliche Stille, eine Todesstille herrscht in der ganzen Synagoge. KRill-UCKO DAS HAU SWlkWftföiVkm THEATINERSTR, 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN HB

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