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Das jüdische Echo · 1922-09-29 · 39 (29.9.1922) · p. Seite 492

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
39 (29.9.1922)
Date
1922-09-29
Page
Seite 492 (sequence 8)
Language
German
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492 Das Jüdische Echo Nr. 39 Plötzlich verstehe ich unheimlich deutlich, was der Rabbiner von uns verlangt. Er verlangt, daß Juden am Versöhnungstage nicht fasten, sondern essen sollen, wegen der Pest, wegen der Pest, wegen der Pest! Ich beginne laut zu schluchzen. Nicht ich allein schluchze, viele schluchzen mit mir, auch die drei dort auf dem Almemor. Am lautesten schluchzt der Höchste unter ihnen, er schluchzt wie ein kleines Kind. Wie ein kleines Kind, so fleht er. Seine Worte sind so weich und milde. Zuweilen kommen die Tränen und ersticken ihm die Worte in der Kehle: „Essen, gehet essen, es ist so eine Zeit: Es gibt Zeiten, wo es geradzu ein Gebot ist, die Thora zu verletzen. Leben soll man durch sie, durch die Gebote, nicht sterben soll man durch sie.“ Aber es rührt sich niemand von seiner Stelle. Und flehentlich fährt er fort, daß er über sich die große Sünde nehme, sie aber werden rein vor Gott sein, rein, ohne Sünde, ohne Fehl. Aber es rührt sich niemand von seiner Stelle. Und! plötzlich verändert sich seine Stimme, er bittet nicht mehr, er befiehlt: „Ich gestatte, ich, ich, ich!“ Wie die Pfeile fahren seine Worte einher, wie Blitze treffen sie. Niemand aber rührt sich von seiner Stelle. Und wieder wird seine Stimme weich und flehentlich: „Warum habt ihr euch alle gegen mich verbunden, warum wollt ihr mich zum Äußersten bringen? Ist es euch denn nicht genug, was ich heute vom frühen Morgen bis jetzt gelitten habe?“ Auch die Dajonim helfen ihm und reden auf die Gemeinde bittend ein — vergebens. Und das Gesicht des göttlichen Mannes wurde noch bleicher als früher. Ti'ef sinkt sein Kopf auf seine Brust hinab, und! ein Seufzer, ein tiefer, herzzerreißender Seufzer durchdringt die Synagoge von einem Ende bis zum anderen, und hierauf läßt sich ein Flüstern vernehmen: „Es ist Gottes Wille“, sagt er mit trockener Stimme, als ob er zu sich selbst reden würde. „Zweiundachtzig Jahre bin ich alt geworden, und noch nie habe ich bewußt ein göttliches Gebot verletzt. Aber das ist ja auch ein Gebot, eine Lehre, ein Gesetz. Es scheint Gottes Wille zu sein, daß ich nicht eher sterbe, bis ich nicht auch, dieses Gebot halten werde.“ Und Stille herrscht eine Minute lang, Stille wie in einem Totenhaus. Wieder ertönt die Stimme dies Rabbiners. Er ruft den Sohamies herbei. Der Schames steigt zu ihm hinauf und er flüstert ihm etwas ins Ohr. Dann spricht _gjr leise mit dem Dajonim. Diese nicken ihm zustimmend zu. Der Schames verläßt lautlos die Synagoge und bald kehrt er zurück, eine Flasche Wein, Gläschen und Kuchen in den Händen. ...Wäre mir ein noch so langes Leben beschieden, jene Szene werde ich nie vergessen. Noch jetzt, wenn ich meine Augen schließe, sehe ich sie vor mir, die drei, die am Versöhnungstage gegessen haben. Drei große, heilige Männer stehen auf dem Almemor in der Synagoge und essen am Jom- Kippur vor den Augen der ganzen Gemeinde. Es waren Helden! „Ihr habt es von mir gefordert, ich habe es getan“, sagte der Rabbiner. — Seine Stimme ist klar und1 bebt nicht mehr. — „Gottes Name sei gesegnet!“ Und die Gemeinde ißt mit und weint... Gemeindenu. Vereins-Echo Der Palästina-Film des Jüdischen Nationalfonds, der im Laufe des Sommers in den meisten größeren jüdischen Zentren Deutschlands gespielt wurde und überall das allergrößte Interesse erregte, wird am 8. Oktober nach München kommen. Wie anderswo so ist auch in München ein großer Andrang zu den Vorstellungen zu erwarten, sodaß es sich empfiehlt, die gewünschten Plätze möglichst frühzeitig sich reservieren zu lassen, zumal da schon jetzt eine beträchtliche Zahl von Vormerkungen vorliegt und die Zahl der Plätze beschränkt ist. Vorbestellungen nimmt das Büro der Zionistischen Ortsgruppe, Wagmüllerstraße, schon jetzt entgegen, die Plätze sind ab 1. Oktbr. in der Ewer-Buchhandlung, Wagmüller Straße, erhältlich. Zionist. Ortsgruppe München. Auf der Generalversammlung vom 21. September gaben unsere Delegierten, die Herren Dt. Straus, Dr. Katz und Basch einen ausführlichen Bericht über die Kasseler Verhandlungen. Es entspann sich darauf eine kurze Diskussion, von der besonders hervorzuiheben ist, daß entsprechend dem, Ergebnis der Jugendtagung der Blau-Weiß sich auch weiter der Organisation zur Verfügung stellen wird. Um den neuen, von dem Delegiertentag gestellten Aufgaben gerecht zu werden, wählte die Generalversammlung einen neuen Vorstand!, der sich zusammensetzt aus: Herrn Dr. Robert Katz als 1. Vorsitzenden, Herrn Dr.-Elias Straus als zweiten, Herrn Etienne Basch als Schriftführer, Herrn Jos. Schachno als Kassier und je einem Vertreter der verschiedenen Ressorts. Infolge der Geldentwertung wurden die Mitgliedsbeiträge neu festgesetzt. Sie belaufen sich auf Mk. 200.— pro Vierteljahr zuzüglich des Abonnements der Rundschau, das zur Zeit Mk. 125.— im Quartal beträgt. Jugendliche bezahlen Mk. 5.— im Monat exklusive die Beiträge an die Organisaiton. Nürnberg. Der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth ist es gelungen, das Mitglied dler Exekutive der Zionistischen Weltorganisation! Herrn Dr. Schmar ja Levin zu einem Vortrage über: Das Mandat, die Krönung fünfundzwanzigjähriger Arbeit zu gewin- J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK MÜNCHEN / THIATINERSTRASSE 8

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