Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 38 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- Seite 479 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 479 zu ermöglichen. In dem Hause sollen 30 Ghialuzoth in Hühnerzucht, Gemüsegärtnerei. Bienenzucht, im Haushalt usw. ausgebildet werden. Außerdem wird die Arbeiterorganisation Kurse in Hauswirtschaftslehre unter der Leitung von Frau Manna Maizel-Schochat einrichten. Die Herstellung des Gebäudes wird von der jüdischen Arbeitergenossenschaft unternommen. Deutschland Jiddisch an der Hamburger Universität Die Hamburger Hochschulbehörde hat den Dr. Salomon Birnbaum (Sohn des Dr. Nathan Birnbaum) für nächstes Wintersemester mit der Abhaltung von jiddischen Übungen im allgemeinen Vorlesungswesen der Universität beauftragt. Dr. Salomon Birnbaum hat sich bereits auf dem Gebiete der jiddischen Philologie betätigt. Von ihm ist u. a. die erste allgemeine Grammatik der jiddischen Sprache in der „Bibliothek der Sprachenkunde“ und soeben bei G. Engel-Leipzig eine Abhandlung „Das hebräische und aramäische Element in der jiddischen Sprache“ erschienen. Ein Vorstoß gegen die jüdischen Feiertage Das sächsische Kultusministerium hat eine Verordnung herausgegeben, laut welcher Lehrern wie Schülern an staatlich nicht anerkannten Feiertagen in keinem Fall mehr Unterrichtsbefreiung zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Feiertagshandlungen erteilt werden darf. In der Verordnung heißt es u. a.: Auch die den Israeliten durch Verordnung vom 7. März 1878, 29. November 1884 und 2. April 1913 bisher zugestandenen Vergünstigungen erledigen sich hiemit. In Dresden ist bereits bei allen jüdischen Eltern die Mitteilung eingegangen, daß ihre Kinder an den Feiertagen erscheinen müssen und sich am Schreiben und den Handarbeiten zu beteiligen haben. Neben den Juden sind vor allem die Katholiken betroffen worden, aber auch religiöse protestantische Kreise sind in Mitleidenschaft gezogen. Diese Verordnung der sächsischen Regierung widerspricht dem in der deutschen Reichsverfassung verankerten Grundsatz der religiösen Gewissensfreiheit und dürfte daher auf dem Beschwerdewege leicht anzufechten sein. Auf jeden Fall ist sie aber ein deutlicher Beweis dafür, wie sehr in unserer Zeit das Lebens- und Kulturelement der Religion mißachtet und unterdrückt wird. Von den Vertretern gerade der Parteien, die überall und immer so eifrig die Freiheit des Geistes predigen, hätte man diesen Akt des Gewissenszwanges keinesfalls erwarten sollen. Angesichts der bevorstehenden Feiertage kommen dadurch ungezählte jüdische Familien, deren Kinder öffentliche Schulen besuchen, in schwerste Bedrängnis. Was allein kann uns in dieser Not helfen, die so echt das Golus widerspiegelt, in dem wir leben? Nur einzig und allein die jüdische Schule! Für jüdische Eltern sollte diese Warnung genügen! Polen Die Anerkennung der jüdischen Schulen ln Polen Warschau. (J.C.B.) Der polnische Unterrichtsminister gibt offiziell hekannt, daß alle jüdischen Schulen und Chedarim, die beim Kreisschulinspektorat registriert sind, von nun ab als ordentliche öffentliche Schulen anerkannt sind. Die diese Schulen und Chedarim besuchenden Kinder werden zum Besuch der staatlichen Schulen nicht verhalten werden. In diese Kategorie der staatlich anerkannten jüdischen Schulen fallen die yiddischistischen und die modernen hebräischen Tarbuth-Schulen, sowie eine Anzahl von Talmud-Thoras und Jeschiboth. Nebst den jüdischen Lehrfächern muß der Lehrplan dieser Schulen auch den Unterricht der polnischen Sprache, Geschichte, Geographie und der anderen übrigen Schulgegenstände umfassen. Rußland Der Hungertod unter der jüdischen Bevölkerung Odessas Laut den Nachrichten, die die jüdische Welthiifskonferenz von ihrem Vertreter in der Ukraine, Dr. Adler, erhalten hat, haben in Odessa während des Januar 1922 auf dem jüdischen Friedhof II 484 Begräbnisse stattgefunden; im Februar d. J. waren es schon 2093, im März 2059, im April 2438, im Mai 2525, im Juni 2273. Außerdem wurden im Laufe der sechs Monate 5680 unbekannte Personen beerdigt. Allein auf diesem Friedhof haben während der ersten Hälfte des Jahres 1922 17 552 Begräbnisse stattgefunden. Auf dem Friedhof III kommen täglich 10—15 Begräbnise vor. In diese Zahlen sind die Choleratoten nicht inbegriffen, da man wegen der Menge der Begräbnisse dazu übergegangen war, jüdische und nichtjüdische Choleratote zusammen auf dem christlichen Friedhofe zu begraben. Erst seit Juli werden die jüdischen Choleratoten auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Die Gesamtzahl der während des ersten Halbjahres 1922 in Odessa verstorbenen Juden beläuft sich auf 20 000, das sind 10 Prozent der gesamten Odessaer jüdischen Bevölkerung, die man zu Beginn 1922 auf ungefähr 200 000 geschätzt hat. Ungefähr 40 Prozent der Verstorbenen erlagen direkt dem Hunger, während 50 Prozent an den direkten Folgen der Hungersnot, den Epidemien, zugrunde gegangen sind. POBmLAN-NlEDEBMfiB MÜNCHEN THEATINERSTRASSE »3 gegenüber der FeldhermknHe «BflSlTB AUSWAHL, IM «EBBAUCHSrORZELLAM TÄGLICHE LACtEREBGÄMZUM«