Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 38 (22.9.1922)
- Date
- 1922-09-22
- Page
- Seite 480 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Das Jüdische Echo Nr. 38 111 11 bi iiiiiiin 11 | Feuilleton ||| [Hl ■I III! 111111 Die Wahl**Esel von Heinrich Hein-e (Drittes Buch der Zeitgedichte. Vor 1830.) Diie Freiheilt hat man satt am End’, Und die Republik der Tiere Begehrte, daß ein einz’ger Regent Sie absolut regiere. Jedwede Tiergattung versammelte sich. Wahlzettel wurden geschrieben.; Parteisucht wütete fürchterlich. Intriguen wurden getrieben. Das Komitee der Esel ward Von Alt-Langohren regieret; Sie hatten die Köpfe mit einer Kokard’. Die schwarz-rot-gold, verzieret. Es gab eine kleine Pfertdepartei, Doch wagte sie nicht zu stimmen; Sie hatte Angst vor dem Geschrei Der Alt-Langohren, der grimmen. Als einer jedoch die Kandidatur Des Rosses empfahl, mit Zeter Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr. Und schrie: Du bist ein Verräter! Du bist ein Verräter, es fließt in dir Kein Tropfen vom Eselsblute; Du bist kein Esel, ich glaube schier. Dich warf eine welsche Stute. Du stammst vom Zebra vielleicht, die Haut Sie ist gestreift zebräisch; Auch deiner Stimme näselnder Laut Klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch. Und wärst du kein Fremdling, so bist du doch nur Verstandesesel, ein kalter; Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur, Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter. Ich aber versenkte die Seele ganz In jenes süße Gedößel; Ich bin ein Esel, in meinem Schwanz Ist jedes Haar ein Esel. Ich bin kein Römling, ich bin kein Sklav’; Ein deutscher Esel bin ich, Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav. So pflanzenwüchsig, so sinnig. Sie spielten nicht mit Galanterei Frivole Lasterspiele; Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlichr-frei, Mit ihren Säcken zur Mühle. Die Väter sind nicht tot! ”Im Grab Nur ihre Häute liegen, Die sterblichen Hüllen. Vom Hümmel herab Schaun sie auf uns mit Vergnügen Verklärte Esel im Glorialicht! Wir wollen euch immer gleichen Und niemals von dem Pfad der Pflicht Nur einen Fingerbreit weichen. O welche Wonne, ein Esel zu sein! Ein Enkel von solchen Langohren! Iah möcht’ es von allen Dächern sehr ein: Ich bin als ein Esel geboren. Der große Esel, der mich erzeugt. Er war von deutschem Stamme; Mit deutscher Eselsmilch gesäugt Hat mich die Mutter, die Mamme. Ich bin ein Esel, und will getreu. Wie meine Väter, die Alten, An der alten, lieben Eselei, Am Eseltume halten. Und weil ich ein Esel, so rat ich euch. Den, Esel zum König zu wählen; Wir stiften das große Eselreich, Wo nur die Esel befehlen. Wir alle sind Esel! J—A! J—A! Wir sind keine Pferdeknechte. Fort mit den Rossen! Es lebe, Hurrah! Der König vom Eselsgeschlechte! So sprach der Patriot. Im Saal Die Esel Beifall rufen. Sie waren alle national. Und stampften mit den Hufen. Sie haben des Redners Haupt geschmückt Mit einem Eichenkranze. Er dankte stumm, und hochbeglückt Wedelt’ er mit dem Schwänze. Sarah Bernhards Bekenntnis zum Judentum Vor kurzem hieß es, Sarah Bernhard plane eine Tournee in Amerika. Man konnte es nicht glauben, daß sie mit ihren 80 Jahren, mit ihrem amputierten Fuße derlei Pläne fasse. Alles drängte sich, sie zu interviewen, sie aber empfing nur Miß Elise Roow und tat zu ihr folgende Äußerungen: „Ich habe der französischen Kunst meine Seele gegeben. Es war mein Bestreben, den französischen Gedanken mit ausgebreiteten Flügeln in der Kunst emporzutragen. Ich war stolz und ELEGANTE PELZE PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 23