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Das jüdische Echo · 1922-09-15 · 37 (15.9.1922) · p. Seite 468

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
37 (15.9.1922)
Date
1922-09-15
Page
Seite 468 (sequence 8)
Language
German
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468 Das Jüdische Echo Nr. 37 Amerika Überhandnehmen der Mischehen New York. (J. C. B.) Das hiesige „Tageblatt“ weist an der Hand von Ziffern nach, daß die Zahl der Mischehen unter der jüdischen Jugend in Amerika, besonders in New York, immer mehr zunehme. Viele jüdische Mädchen gehen Ehen mit Italienern ein, jüdische Jünglinge lassen sich in der Kirche mit Amerikanerinnen, Irländerinnen und Polinnen trauen. Allein in New York hat die Zahl solcher Mischehen im letzten Jahre um 30 Prozent zugenommen. Die Einwanderung nach Amerika Nach den soeben veröffentlichten Daten des amerikanischen Staatsdepartements für Arbeit bleibt die Einwanderung aus Polen undBeßarabien in der letzten Zeit weit hinter der zulässigen Quote zurück. Im Juli sind aus Polen statt der zulässigen Zahl von 5299 Einwanderern nur 1292 nach Amerika eingewandert. Aus Beßarabien sind im selben Monat statt 558 bloß 56 Immigranten in die Vereinigten Staaten gekommen. (J. C. B.) Argentinien Die Juden in Argentinien Die jüdische Einwanderung nach Argentinien hat während dieses Jahres ungeheuer zugenommen. In den lezten sechs Monaten sind 50 000 Einwanderer im Lande eingetroffen, von denen der größte Teil Juden waren. Die Juden Argentiniens haben ein Komitee zum Schutz der Immigranten eingesetzt, dessen Aufgabe es ist. die neu Angekommenen in den ersten Wochen mit dem Nötigsten zu versorgen und Arbeitsmöglichkeit für sie zu beschaffen. Die „Jiddische Zeitung“ von Buenos Ayres erklärt im Anschluß an die Veröffentlichung der obigen Statsitik, die Aufnahmefähigkeit des Landes sei noch immer unbeschränkt. Das Blatt gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es weder gewissen Elementen im argentinischen Judentum selbst noch den reaktionären nichtjüdischen Parteien in Argentinien gelingen wird, die jüdische Immigration zu beschränken. (J. C. B.) Persien Die Not unter den jüdischen Flüchtlingen in Persien New York. (J. C. B.) Vor einigen Tagen erhielt das Joint Distribution Committee durch das Staatsdepartement in Washington die Mitteilung des amerikanischen Ambassadors in Persien, Rabbiner Kornfeld, zugestellt, daß die in Persien sich aufhaltenden über 1000 jüdischen Flüchtlinge aus Rußland vom Hungertode bedroht sind. Daraufhin wandte sich das Joint an das Staatsdepartement mit der Bitte, bei Rabbiner Kornfeld nähere Informationen einzuziehen. Als Antwort darauf wurde dem Joint durch den amerikanischen Ambassador folgendes Telegramm dies jüdischen Hilfskomitees in Teheran zugestellt: „Über 1000 Juden, die vor Überfällen kurdischer Banden auf persischen Boden geflüchtet sind, kampieren, von allem entblößt, in der Wüste und im Gebirge. Viele der Flüchtlinge sind bereits dem Hungertode und dem heißen Klima erlegen. Zur Rettung der Übriggebliebenen benötigt man. sofort Lebensmittel, Medizinartikel sowie Verkehrsmittel.“ Das Joint Distribution Committee sandte sofort telegraphisch 3000 Dollar an Rabbiner Kornfeld und versprach, nach Bedarf mehr zu senden. literarisches Echo Übersetzung der Werke Charles Gides ins Hebräische Dr. Hilm an, der Lehrer der Nationalökonomie in Jerusalem, suchte beim bekannten französischen Nationalökonomen Gide um die Erlaubnis an, sein berühmtes Werk über die Grundlagen der Nationalökonomie ins Hebräische übersetzen zu dürfen. Die Antwort Prof. Gides lautete: „Ich werde glücklich sein, mein Buch in eine Sprache übersetzt zu sehen, die ich stets als heilige Sprache zu würdigen gewöhnt war, da ich als Protestant stets die Bibel zu lesen pflegte. Wenn ich auch nicht das Glück hatte, Palästina besuchen zu können, so empfinde ich doch große Sympathie für die zionistische Bewegung und werde mich sehr glücklich schätzen, wenn mir in meinen alten Tagen noch vergönnt sein wird, vom Katheder der Jerusalemer Universität aus gehört zu werden.“ Hedwig Caspari gestorben Wie wir aus Berlin erfahren, ist die Lyrikerin Hedwig Caspari, die eine große hoffnungsvolle Begabung war, von ihren körperlichen Leiden durch den Tod erlöst worden. Die Dichterin hat nicht nur durch ihr wertvolles Lyrikbuch „Elohim“, das von orientalischer Glut durchweht ist und dessen ursprüngliche Kraft der Sprache auffiel (erschienen im Verlag „Ewer“, Berlin), die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Auch Teile eines abgeschlossenen Dramas „Salomons Abfall“, die sie in Berlin vorlas und die auch veröffentlicht wurden, ließen die ungewöhnliche dichterische Begabung dieser Frau erkennen. Hedwig Caspari hat eine Reihe unveröffentlichter Manuskripte hinterlassen. Auf ihre letztwillige Verfügung wurde ihre Leiche eingeäschert. Ein Denkmal für einen jüdischen Dichter Aus Wilna wird uns geschrieben: In den nächsten Tagen findet auf dem hiesigen jüdischen Friedhof die Enthüllung eines Denkmals für den im 38. Lebensjahre auf tragische Weise ums Leben gekommenen jüdischen Schriftsteller und Dramaturgen A. W e i t e r (Eisik Meier Deviniski) statt. Weiter fiel in den Pogrom tagen des Jahres 1919 nach der Besetzung Wilnas durch die pol- ELEGANTE PELZE PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 23

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