Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 37 (15.9.1922)
- Date
- 1922-09-15
- Page
- Seite 467 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 467 sollst nicht lügen. Die Herren der Presse scheinen in Genua etwas verwöhnt worden zu sein. Vielleicht habe man dort frisierte Berichte gebraucht. Hier in München würden wir nur Wahrheit brauchen, hundertprozentige Wahrheit. Es gebe eine Figur des Moses in einer Kirche in Böhmen, die mit dem Zeigefinger auf das siebente Gebot seiner Gesetzestafeln deute. Er möchte diese Figur so umändern, daß er auf das achte Gebot zeige. Und da es ein Moses gewesen sei, der uns die Gesetze brachte, so gilt das auch von der jüdksehen Presse. (Tosender Beifall.) Ja, sogar für die jüdische Presse in Berlin und ihre Münchener Berichterstatter.“ (Stürmische Zustimmung.) Polen Die Nationaldemoki*aten gegen Aschkenase Warschau. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) In einer Versammlung der Nationaldemokraten wurde eine Resolution angenommen, die unter anderem besagt: „Wir warnen den Herrn Premierminister Nowak, sich mit den Juden Aschkenase und Prilucki in der Frage der jüdischen Staatsbürgerschaft einzulassen. Denn die aus Rußland heimgekehrten Juden kamen, nachdem sie das russische Reich verwüstet hatten, mit denselben Absichten nach Polen. Wir fordern von der Regierung die Beseitigung Aschkenases, der sein Gift in den polnischen Staat streuen will und im Völkerbundisrat gegen die polnischen Interessen wirkt.“ Die palästinensische Arbeiterbank Auf Initiative des bekannten poal-zionistischen Führers Salomon Rubaschoff, der sich seit einiger Zeit in Warschau auf hält, wurde dort eine sehr lebhafte Propaganda zugunsten der jüdischen kooperativen Arbeiterbank in Palästina eingeleitet. In allernächster Zeit wird ein Zentralbureau eröffnet werden, welches sich mit dem Verkauf der Bankaktien in Polen und in den ehemals russischen Randstaaten befassen wird. In seiner Tätigkeit wird Rubaschoff nicht allein von den rechten Poals-Zion, sondern auch von der Zeire-Zion, der Hitachduth und der Hechaluz-Organisation unterstützt. (J. C. B.) Die jüdischen Mandatsaussichten Warschau. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Bei den Beratungen der Vertreter der im Wahlblock der Minoritäten eingeschlossenen jüdischen Gruppierungen über die Aufteilung der Mandate erhielten die Zionisten 10, die Orthodoxen und Kaufleute 6 und die Volkspartei 2 Mandate. Die übrigen Mandate sind für die jüdischen sozialistischen Gruppierungen für den Fall ihres Anschlusses an den Wahlblock reserviert. Ungarn Das Treiben der Erwachenden Budapest. (J. C. B.) Das Blatt der ungarischen Sozialdemokraten „Nepszava“ berichtet über eine zunehmende Tätigkeit der „Erwachenden“. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag durchwanderten ihre Trupps die Hauptstadt, und forderten die Leute zum Nachweis ihrer Religion auf. Die Juden wurden verprügelt. Der Wachmann Georg Orban wollte den Angegriffenen zu Hilfe eilen, die „Erwachenden“ zogen jedoch ihre Revolver und schossen den Wachmann nieder. Eine andere „Erwachenden“-Gruppe, aus zwölf Hochschülern bestehend, wütete in den Straßen der Leopoldstadt. Mehrere Leute sind blutig durchgeprügelt worden. Dasselbe spielte sich in den übrigen Stadtvierteln ab, mit dem Unterschied, daß es in den Arbeitervierteln gegen die Arbeiter ging. Die Arbeiter Franz Remillong. David Nagy und Paul Toth haben schwere Verletzungen erlitten. In Kecskemet sind die Hejjas-Leute in der Wohnung des Mitgliedes der Vormundschaftsbehörde, Dr. Franz Pataky, erschienen und haben ihn derart durchgeprügelt, daß der Unglückliche lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Gleichzeitig zogen die „Erwachenden“ zum Hotel Royal in Kecskemet, schlugen sämtliche Fenster ein und prügelten die jüdischen Gäste. Im Gebiet der berüchtigten „Erwachenden“ von Miskolcz ist eine ganze Familie verschwunden. Isak Stern, ein Kaufmann, fuhr mit seiner Mutter, mit seinem Bruder und mit seinem Gesellschafter zum Markt nach Ozd und hatte einen größeren Geldbetrag bei sich. Unterwegs wurde er angegriffen und in den Wald von Vadua gebracht. Seither fehlt jede Spur von der ganzen Gesellschaft. Das Urteil im Landau-Prozeß Budapest. (U. T. K. B.) Der Budapester Strafgerichtshof verkündete heute mittags das Urteil im Landau-Prozeß. Dr. Ruzics wurde wegen Erpressung zu zweieinhalb Jahren, Bobe wegen Erpressung zu drei Jahren, Doktor Sipos wegen Erpressung und Verletzung der persönlichen Freiheit zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bäcker erhielt wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt eine dreimonatige, Dr. Tot wegen desselben Deliktes eine zehnmonatige Gefängnisstrafe, die durch die Untersuchungshaft verbüßt erscheint, Frankreich Abmachung der jüdischen Welt hilf skonierenz mit dem französischen Roten Kreuz Paris. (J. C. B.) Dieser Tage ist zwischen dem französischen Roten Kreuz und der jüdischen Welthilfskonferenz ein Vertrag unterzeichnet worden, laut welchem das Rote Kreuz der Welthilfskonferenz Lebensmittel und Medikamente im Werte von zwei Millionen Francs zur Verteilung in der Ukraine zur Verfügung stellt. Die Verteilung wird durch die Organe der jüdischen Welthilfskonferenz vorgenommen werden, und zwar zur Hälfte unter der allgemeinen und zur Hälfte unter der jüdischen Bevölkerung. Die jüdische Welthilfskonferenz zahlte an das Rote Kreuz 200 000 Francs in bar und übernahm sämtliche Transportspesen. Der Vertrag wurde seitens der Welthilfskonferenz durch den Generalsekretär Effroikin unterzeichnet. Hilfe für Chaluzim und Flüchtlinge in Konstantinopel Paris. (J. C. B.) Die jüdische Welthilfskonferenz sandte 200 Pfund Sterling nach Konstantinopel, die dazu verwendet werden sollen, den dort weilenden Chaluzim aus Rußland die Weiterreise nach Palästina zu ermöglichen. Ferner spendete die Welthilfskonferenz 5000 Francs dem Speisehause des Verbandes für Selbsthilfe der russischen Juden, welches vor der Schließung stand, da ihm das internationale Rote Kreuz die Stütze entzogen hatte. J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK MÜNCHEN / THEATINEKSTRASSE S