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Das jüdische Echo · 1922-09-15 · 37 (15.9.1922) · p. Seite 464

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
37 (15.9.1922)
Date
1922-09-15
Page
Seite 464 (sequence 4)
Language
German
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464 Das Jüdische Echo Nr. 37 wohnlichen Sterblichen übertragen, etwa folgendes: Durch die Erreichung des Mandates, die von den Zionisten als eine so große Sache proklamiert werde, hätten sie nicht einmal das Aufhören des Antisemitismus, der Pogrome verhindern können. Das ist genau so richtig, wie wenn wir etwa behaupten, daß dem Zentralverein durch seine Tätigkeit nicht einmal die Hebung der deutschen Valuta gelungen sei. Selbstverständlich hat er recht. Wer von uns hat je behauptet, daß das Mandat ein Mittel der Pogromverhinderung sei, wer von uns hat, so sehr wir selbstverständlich für die Bekämpfung des Antisemitismus — und nicht nur mit Worten, Herr Segel — ein treten, je gesagt, daß durch das Mandat der Judenhaß aus der Welt geschafft werden würde? Das Mandat bedeutet für uns nicht mehr und nicht weniger als die offiziell bekundete und verbürgte Einverständniserklärung der im Völkerbund vertretenen Mächte, mit dem Aufbau Palästinas als Heimat des jüdischen Volkes. Diese Bestätigung der gesamten Kultur weit, durch die das jüdische Volk als Nation unter den Nationen zum ersten Male wieder anerkannt und ihm das Recht auf seine angestammte Heimat zugesichert wird, ist für uns allerdings Grund zur Freude genug und diese Freude lassen wir uns auch dadurch nicht nehmen, daß Herr Segel glaubt, darauf hinweisen zu müssen, daß es noch Haß und Unkultur, noch schlechte und mißgünstige Menschen in der Welt gibt. Das wußten wir auch ohne „Verax“, wenn uns auch seine Ausführungen ein neuer Beweis dafür waren. Den Vorwurf, daß wir uns auf andere, den Völkerbund, verlassen, wenn es sich darum handelt, uns der eigenen Haut zu erwehren, hätte er uns lieber nicht machen sollen. Wir glauben, daß niemand mehr als wir dafür eingetreten sind, daß Eingaben an Behörden und Herausgabe von Abwehrschriften, die doch nur von Juden gelesen werden, nicht die geigneten Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus sind und daß niemand uns hilft, wenn wir nicht selbst es tun. Daß wir diese Hilfe allerdings nicht mit Preisgabe des Jüdischen in uns bezahlen wollen, daß eine solche „Rettung“ uns zu teuer erkauft wäre, darf man uns nicht übel nehmen. Ganz abgesehen davon sind wir von den Erfolgen des Zentralvereins nicht so überzeugt, wie Herr Segel es zu sein scheint. Wie wir uns eine erfolgreiche Abwehr denken, ist an dieser Stelle schon so oft auseinandergesetzt worden, daß es wahrlich keiner Wiederholung bedarf. Wir sind gerne bereit, Herrn Segel privatim darüber zu belehren, wenn er es wünschen sollte. — Und noch ein anderes. Wir Zionisten vermessen uns nicht durch die Verwirklichung ungegenuber der alten Jtkcdemie serer Ziele wenigstens in absehbarer Zeit eine Lösung der Judenheitsfrage herbeizuführen, so sehr wir natürlich die Wichtigkeit dieses Problems anerkennen. Was wir erstreben, ist Erhaltung und Wiederbelebung des Judentums. Wir empfehlen Herrn Segel, sich durch die Lektüre Achad Haams, den man mit Recht den Theoretiker des Zionismus genannt hat, über die Richtigkeit dieser Behauptung zu informieren. Zusammenfassend sei kurz nach einmal gesagt: Wenn „Verax“ die Bedeutung der Mandatsbestätigung dadurch herabsetzen will, daß er auf den heute noch in aller Welt bestehenden Antisemitismus verweist, so sehen wir darin eine — bewußte oder unbewußte — Verdrehung von Tatsachen. Bekämpfung des Antisemitismus und Mandatsbestätigung sind Dinge, die primär nichts miteinander zu tun haben, Kreise, die sich nicht schneiden. In der Verquickung beider Probleme sehen wir ein politisches Manöver, das niedriger gehängt zu werden verdient. „Das Mandat ist da. Da wir endlich diese drückende Sorge losgeworden sind, wäre es vielleicht an der Zeit, an ernste Dinge zu denken. Der Überbau ist feTtig, die Fassade steht da, das Dach ist aufgebaut, nun könnte man endlich daran gehen, die Grundmauern zu legen, nämlich die Besiedelung Palästinas mit jüdischen Landwirten wieder aufzunehmen, die seit dem ersten Zionistenkongreß 1897 im großen Ganzen aufgehört hat und seither zwar in der Literatur, im Feuilleton und im Kino sehr ausgiebig, aber in der Praxis nur äußerst dürftig, spielerisch und intermittierend betrieben ward. Die Ansiedelung von jüdischen Ackerbauern in Palästina war seit jeher eine Angelegenheit aller Juden, ohne Unterschied der Parteirichtung. Der Plan, einen Judenstaat zu gründen, aus einem puren Mißverständnis mit der Kolonisationsfrage verquickt, ist das Monopol der Zionistischen Partei, die der hohen Politik und der Diplomatie all die oben beschriebenen Errungenschaften verdankt.“ Eine Verteidigung, auf die der zionistischen Organisation ohne Anführung irgendwelcher Beweise gemachten An würfe, würde Zeitverschwendung, nutzlos und entehrend für uns und besonders für die Tausende jüdischer Menschen in Palästina sein. Wir glauben, daß es genügt unseren Lesern zu zeigen, wie gegen uns gearbeitet wird. Aber, was wollen wir denn! Die Ansiedlung jüdischer Ackerbauer in Palästina ist eine Angelegenheit aller Juden, sagt Binjamin Segel. Wir begreifen zwar nicht, warum er gerade nur von Ackerbauern und nicht auch von Handwerkern, Lehrern, Kaufleuten usw. spricht, warum nur die Bauernsiedlungen das Privileg haben sollen, allgemein jüdische Angelegenheit zu sein, aber schön! Halten wir uns nicht an Einzelheiten! Wir wollen auch nicht so indiskret sein zu fragen, was Herr Segel getan hat, um die Ansiedlung von Landwirten in Palästina zu fördern, wobei es uns gar nicht so sehr auf etwaige materielle Opfer, sondern in erster Linie darauf ankäme, zu hören, wo und inwieweit „Verax“ sich mit seiner schriftgewandten Feder für dieses Ziel eingesetzt hätte, anstatt es wie gewöhnlich zu bekämpfen; wir fragen, was tut die Partei, als deren Exponent „Verax“ .sich durch seine Mitarbeit an dem Parteiorgane dokumentiert, was tut der Zentralverein für den Aufbau eines jüdischen Palästina? Wir wären glücklich, darauf die Antwort geben zu können — nichts. Möge der Zentralverein sein ureigenstes Gebiet, die Abwehr des Antisemitismus, weiterpflegen, eine Sache, die, wenn wir auch die von ihm gebrauchten Mittel für unzweckmäßig halten, sicher großer Opfer wert

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