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Das jüdische Echo · 1922-09-08 · 36 (8.9.1922) · p. Seite 453

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
36 (8.9.1922)
Date
1922-09-08
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 453 Irgend einer Hirn sieht positiv jüdische ist, am meisten gedient sein wird. . Im folgenden sei der Teil des Levyschen Artikels, der die konkreten Forderungen enthält, die ihm die brennendsten zu sein scheinen und es auch unserer Überzeugung nach sind, im Wortlaute wiedergegeben. 1. Abwehr des Antisemitismus. Die Abwehr des Antisemitismus liegt heute wesentlich in den Händen des Zentralvereins, hinter dem eine bedeutende Zahl, aber nicht die Gesamtheit der Judenheit steht. Der Zentralverein hat dem Zionismus offene Gegnerschaft erklärt, und auch führende orthodoxe Kreise stehen ihm noch immer fremd oder ablehnend gegenüber. Das ist tief bedauerlich, nicht nur weil diese Kräfte, jüdisch wertvolle Kräfte, dem Abwehrwerk verloren gehen, sondern weil der Kampf mit ganz anderem Eindruck und Nachdruck geführt werden kann, wenn eine sichtlich geschlossene Front, ein einheitlicher Wille deutlich erkennbar, hinter den Streitern steht. Und das wäre möglich. Kein noch so radikaler Zionist, kein noch so eifervoller Separatist verkennt oder unterschätzt die Notwendigkeit des Kampfes, und kein Zentralvereinler wird mit geringerer Wärme für das Recht eines Juden eintreten, der seine politischen und religiösen Überzeugungen nicht teilt. Über die Methode des Kampfes allerdings gehen die Meinungen erheblich auseinander. Aber es gibt genug, worüber man sich einigen kann, und da soll man es schleunigst tun. Die Zeichen der Zeit sollten uns schrecken und wecken. Wir haben nicht einmal zur Debatte Zeit. Wir müssen ade Mittel nutzen, alle Kräfte spannen, alle Kreise sammeln. Dies Abwehrwerk darf keine Parteisache sein, es darf nicht mit alten .Fehlern belastet werden. Es wird nicht leicht sein, die Vertreter der verschiedenen Richtungen überhaupt an einen gemeinsamen Beratungstisch zu bekommen, aber ist dies gelungen, dann werden wir sicherlich die überraschende Erfahrung machen, daß über 50 Prozent aller Fragen gar nicht verschiedene Ansichten herrschen. Ünd diese 50 Prozent gemeinsamer Arbeit sind mehr w*ert als 200 Prozent im getrennten Lager der Parteien. Der Antisemitismus bekämpft nicht eine, bestimmte politische Richtung oder religiöse Überzeugung, er meint nicht den liberalen, den orthodoxen, den zionistischen Juden; er meint dien Juden schlechthin. Wir sind eine Einheit als Objekt des Hasses; warum nicht eine Einheit zur Abwehr? Noch dringlicher erscheint uns die Einheitsfront für das soziale Hilfswerk. Ich denke einmal so sehr an die Not deT kleinen Gemeinden, die ja so eklatant, so oft schon behandelt und bejammert worden ist, daß es beinahe überflüssig erscheint, darüber noch Worte zu verlieren. Ich denke nicht nur an die Not des Augenblicks, sondern überhaupt an die Möglichkeit, unsere sozialen Institutionen weiter zu erhalten. Die moderne deutsche Gemeinde hat nicht mehr die Geschlossenheit der altjüdischen Kehilloh (abgesehen vielleicht von einzelnen Austrittsgemeinden, die aber eben deshalb zu den leistungsschwachen gehören). Mit zersplitterten Kräften ist aber heute nichts zu machen. Hier hat dfiie Not der Zeit von selbst eine halbwegs ausreichende Lösung geschaffen. Sie kann hier nur angedeutet werden: Gemeinsamkeit in allen sozialen Institutionen, Betätigungsfreiheit auf kulturellem Gebiete. Es: ist das keine ideale Lösung, aber sie ist die einzig denkbare. Sie gibt die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit, wo nur der Zusammenschluß aller Kräfte helfen kaum Wir können hier nicht auf die komplizierte und heikle Frage des Austrittes eingehen. Nur soll man von vornherein wissen, die Einheitsfront kann nur wirksam und fruchtbar sein als Einheitsfront aller deutschen Juden. Der Ausschluß einer noch so unbedeutenden Minderheit ist gefährlich, nicht um der Zahl willen, sondern um des Prinzips. Das dritte Gebiet, auf dem die Einheitsfront sich betätigen, durch das sie ihre Erfüllung erlangen soll, ist die gemeinsame Arbeit für Palästina. Angesichts der bedrohlichen Lage unserer Brüder im Osten, angesichts der Krisis unseres Judentums und angesichts der Möglichkeiten, die die allgemeine politische Konstellation in Palästina uns gegeben hat, muß auch die Frage des Aufbaus eines jüdischen Heims im Land unserer Väter aus dem Parteikreis des Zionismus heraustreten und zu einer Angelegenheit der jüdischen Gesamtheit werden. Wenn wir die Möglichkeit haben, schon jetzt einen nicht unerheblichen Prozentsatz östlicher Immigration in ein Land zu leiten, wo den Vertriebenen politischer Schutz und Sicherheit gewährleistet ist, wo ihnen gesunde Lebensbedingungen in Aussicht stehen, wenn wiT dadurch auch mitwirken können, die religiösen und kulturellen Werte unseres Judentums vor den destruktiven Einflüssen der umgebenden Kultur zu retten und dadurch vielleicht auch fähig zu machen, der Welt wieder einmal wegweisend voranzugehen, so sollte kein aufrechter, kein wahrhafter Jude sich diesem ent- \&ufmani3L> emn-Jtoden u./efr/ftcj/affjchneidefe^ Cfierurceftrcifre

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