Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 36 (8.9.1922)
- Date
- 1922-09-08
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Das Jüdische Echo Nr. '6 gemeinsame Sache sein. Die Möglichkeiten, die man uns bietet, müssen sofort genutzt werden, wenn das Erreichte nicht bloß auf diem Papier stehen soll. Was jetzt not tut und was wir in den nächsten Monaten und Wochen beschaffen müssen, ist Geld, viel Geld, wenn nicht unsere Hoffnung auf das Land unserer Väter auf unabsehbare Zeit zurückgeworfen werden soll. Jedes Pfund, jeder Dollar, ■und, trotz allen schlechten Valutastandes, jede Mark bedeutet ein Stückchen Palästina, gibt unseren Menschen eine Möglichkeit, mehr Fuß zu fassen auf dem Boden, dem sie bereit sind, alles zu geben. Es ist ein glückliches Zusammentreffen, daß gerade um diese Zeit wir deutschen Juden vor eine ganz fest umrissene Aufgabe in Palästina gestellt wurden, daß ,uns ein bestimmter Frontabschnitt zugeteilt wurde, dessen Versorgung mit den lebensnotwendigen Mitteln uns zum größten Teil obliegt. Wir wissen, daß das 270D ha umfassende Gebiet von Nuris von dem zionistischen Kolonisations-Departement (haeuzim), von denen ein großer Teil aus Deutschland stammt, zur Verfügung gestellt wurde unter der Bedingung, daß das gesamte Material an Maschinen, Geräten, totem und lebendigem Inventar von anderer Seite aufgebracht wird. Die Beschaffung all dieser Dinge hat für den bedeutenden auf Deutschland entfallenden Teil der Keren Hajessod für Deutschland übernommen. Das bedeutet: Bringen die deutschen Juden die zur Beschaffung dieser Materialien erforderlichen Mittel auf, sind sie imstande, die Chaluzim in Nuris entsprechend zu versorgen, dann wird dadurch die Möglichkeit einer neuen Kolonie in Palästina geschaffen und damit unsere Position im- Lande in hohem Maße gefestigt. Eine solche Kolonie gewährt ja nicht nur dem Bauern selbst Lebensmöglichkeit, _ sie beschäftigt eine Anzahl von Handwerkern, Ärzten, Lehrern, Beamten usw., bildet also einen Kristallisationspunkt jüdischen Lebens, dessen Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Aber noch eine ganz andere hervorragende Bedeutung wird Nuris für den Aufbau Palästinas zukommen. Es wird ein sichtbares Wahrzeichen dafür sein, daß wir hier in Deutschland mit unserer Mark, deren Geldwert vom Nullpunkt nicht mehr weit entfernt ist, die wir unter einem enormen Drucke steuerlicher und allgemeinwirtschaftlicher Belastung stehen, wir die wahrhaft Schwachen durch die Kraft der Idee stark geworden sind, ebenso stark mindestens, wie die anderen, die mit uns für Palästina arbeiten. Nach gegenüber der alten Akademie innen wird diese Erkenntnis unsere Kraft vervielfachen und nach außen wird sie als Ansporn wirken. Von Nuris aus kann eine neue Kolonisationsepoobe ihren Anfang nehmen. Aber, so werden die Zweifler fragen, sind wir denn imstande, das zu tun, was von uns verlangt wird, werden wir Geld in solchen Mengen aufbringen können, wie es diese große Aufgabe erheischt? Aber, so fragten die Zweifler, werden wir jemals Leute bekommen, die bereit sind nach Palästina zu gehen; aber, so bangten sie, wird es uns jemals erlaubt werden, uns in Palästina niederzulassen, aber werden wir je das Mandat bekommen — und wir haben das Land und wir haben die Menschen und wir werden die Mittet haben, wenn wir wollen, genau wie wir alles andere bekamen, weil wir wollten. Jeder Einzelne, ob reich oder arm, gleich welcher Partei, wenn in ihm nur die Verbindung mit dem Jüdischen nicht gestorben ist, muß seine Schuldigkeit tun, Opfer müssen gebracht werden und dürfen nicht als Opfer empfunden werden, viel muß gefordert, mehr gegeben werden. Und nicht nur das; ein fester Kontakt zwischen Front und Etappe, zwischen unseren Brüdern in Erez Israel und uns ist zu schaffen, ihre Sorgen müssen unsere Sorgen und ihre Feste unsere Feste sein. Dann werden wir das vollbringen, was von uns verlangt wird und noch weit darüber hihaus fruchtbare Arbeit leisten. Wir wissen, daß Palästina keinen Endpunkt bedeuten kann, daß auch bei Erfüllung unserer kühnsten Träume die Arbeit an uns, am Volke kein Ende nehmen wird und wir halten das für alles andere als einen Nachteil. Aber wir glauben, daß, wenn wir uns jetzt mit aller Kraft und mrt all unserem geistigen und wirtschaftlichen Vermögen für den Aufbau des Landes einsetzen, der Tag kommen muß, den alle Juden gemeinsam als Festtag begehen werden. Lbr. Zur jüdischen Einheitsfront Unter diesem Titel veröffentlicht Rabbiner Harry Levy, Berlin, im Hamburger israelitischen Familiienblatt einen Aufsatz, der eine völlige Übereinstimmung mit den von uns schon, immer vertretenen Anschauungen auf weist. Rabbiner Levy fordert eine Einheitsfront der Abwehr und des Aufbaus, eine Einheit, die, wie er erkennt, nicht auf dem Wege gegenseitigen Nachgebens in Weltanschauungsfragen, auf dem Wege der Kompromisse also, gelöst werden kann. Es gibt eben Ideen, die einen Kompromiß nicht vertragen können, ohne an ihrem innersten Bestände (Schaden zu nehmen. Die Möglichkeit einheitlichen Zusammengehens sieht Levy in einer ehrlichen Neutralisierung aller der Fragen, die für uns, die wir Juden sein und bleiben wollen, in gleicher Weise wichtig sein müssen, in der „Schaffung einer Plattform, die alle betreten können, ohne ihrer Überzeugung Opfer zu bringen.“ Wenn wir in einem Leitartikel vom 11. August dieses Jahres betonten, daß eine „Voraussetzung erfolgreicher Abwehr die Neutralisierung des Abwehrkampfes“ sei, da „alle jüdischen Gruppen das gleiche Recht, die gleiche Pflicht und das gleiche Bestreben haben, daran teilzunehmen“, wenn wir stets forderten, daß der Keren Hajessod ein völlig neutrales Aufbauinstrument für Palästina bleiben müsse — und alle Behauptungen, daß er es heute nicht sei, sind falsch —, dann waren wir uns bewußt, den Weg gezeigt zu haben, auf dem der gesamten Judenheit, welcher Richtung auch immer, soweit sie nur eine in