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Das jüdische Echo · 1922-09-01 · 35 (1.9.1922) · p. Seite 442

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
35 (1.9.1922)
Date
1922-09-01
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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442 Das Jüdische Echo Nr. 35 sumpft, jedoch handelt es sich nirgendwo um eine tiefere Sumpfbildung. Man kennt — mindestens aus dem Buch von Holitscher — den G’dud Awodah, jene Arbeiterlegion, die ständig in Bereitschaft ist, wo man sie am nötigsten braucht, ihre Lagerzelte aufzuschlagen, und die unter Aufbietung höchster körperlicher und seelischer Kräfte gerade dort, wo die Bedingungen am ungünstigsten sind’, schon eine staunenswerte Tätigkeit entfaltet hat. Der G’dud umfaßt 600 Menschen, die in einer vorbildlichen Verbundenheit miteinander leben; die reine Form der „Gemeinschaft“, das menschliche Füreinanderdasein, ist hier zu einer Höhe entwickelt, wie sie in Europa undenkbar ist. Hier, wo aller Blick frei wird, wo alles von vorn beginnt, wo keine verfahrene Zivilisation alles zu sich herunter zwingt, jeden neuen argwöhnisch gewaltsam verrammelt, wo aber der Atem der historisch größten Natur ewige Forderungen ausruft: — wenn irgendwo, so scheint hier der richtige Platz zu sein, einen neuen, tatkräftig-edleren Menschentypus hervorzubringen. Solche Zusammenballung der Kräfte ermöglicht auch allein die ungeheure Leistungsfähigkeit dieser Menschen. Zwei Gruppen des G’dud haben sich nun seit einem halben Jahre an zwei festen Punkten auf dem außerordentlich fruchtbaren Boden von Nuris-West angesiedelt, und1 zwar 250 Menschen in Ain Charod und 150 Menschen in Tel Joseph. Ain Charod ist aus dem von den Arabern verlassenen alten Dorfe Ain Dschalud neu aufgebaut worden und liegt an der Stelle, wo Gideon in den Midianiter-Kämpfen die berühmte Auslese unter seinen Kriegern gehalten hat. Tel Joseph, 6 Kilometer davon entfernt, führt seinen Namen nach dem Begründer des G’dud Awodah, dem unvergeßlichen Joseph Trumpeldor. In dem halben Jahr, in dem die Leute dort arbeiten, ist es ihnen gelungen, sich alles, was sie zum Leben brauchen, selbst zu schaffen; Brotgetreide, Gemüse, Futter für das Vieh, Heu; es entstanden eine mechanische Tischlerei, Schlosserei, Klempnerei, Näherei, Sattlerei, Schusterei und die Magazine für ihre Bedarfsartikel. Sie haben aus eigener Initiative eine große Versuchsstation für Gemüse- und intensive Kulturen angelegt, sowie größere Baumschulen. Freilich sind alles noch zarte Anfänge. Sie arbeiten mit vier Motorpflügen. Die Grenzen haben sie mit Eukalyptus-Bäumen bepflanzt. Vor allem aber Habe meine Praxis nach Adalberftstr. 43 |Ecke Barersir.) verlegt. H.ULLMANN, München / Telefon 25904 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik schaffen sie Abzugsgräben für die Sümpfe. Die Malariagefahr ist hier an den Sümpfen besonders groß. Hiergegen anzukämpfen ist ihre freigewählte dringlichste Aufgabe, der sie sich mit einer Hingabe unterziehen, für die kein Dank groß genug sein kann. In zwei bis drei Jahren wird die Gegend von ihren Sümpfen und von der Malaria befreit sein. Außer diesen beiden Siedlungen gibt es in Nuris noch eine Kolonie, die auf dem Prinzip der Einzelwirtschaft mit starkem kooperativem Einschlag aufgebaut ist, Moschaw Owdim II. in Jecheskeljah (zirka 100 Familien), sowie die Kwuzah Giweah (zirka 30 Familien), die, wie schon die Bezeichnung Kwuzah sagt, als geschlossene Gruppe arbeitet. Nun hat die palästinensische Exekutive auf den Vorschlag der Landarbeiterschaft beschlossen, drei weitere Gruppen in Nuris-Ost anzusiedeln. Es sind dies die Kwuzah Chefzibah, der Kibuz Alef des Haschomer Haza'ir und die Kwuzah Zwi (Max Hirsch). Die erste heißt nach dem Ort, an dem sie sich vorher als geschlossene Gruppe von Lohnarbeitern betätigt hat, Chefziibah — an der Küste zwischen Jaffa und Haifa gelegen — neben den Trümmerfeldern des antiken Cäsarea, das einmal der wichtigste Hafen und die bedeutendste Stadt Palästinas, der Sitz der römischen Verwaltung des Landes gewesen ist. Die 55 Chaluzim (33 Männer und 22 Frauen) dieser Gruppe waren ursprünglich meist Kaufleute und Akademiker (mehrere Doktoren und auch ein Professor ist unter ihnen), sie stammen zum größten Teil aus den jungjüdischen Gruppen der Awodah-Prag und der Mahapecha-Berlin, haben bei Bauern zuvor zwei bis drei Jahre landwirtschaftlich gearbeitet, daneben haben manche einen handwerklichen Beruf erlernt; und in Palästina mußten sie sich in Orangen- und Zitronen-Plantagen verdingen und zwei Jahre in ständigem Kampfe gegen die tägliche Not ihr Leben fristen, bis sie nun endlich zur definitiven Arbeit und Ansiedlung in Nuris- Ost herangezogen werden können. Die zweite Gruppe, der Kibuz Alef des Haschomer Hazair (110 Personen), ist aus der galizischen Jugendbewegung hervorgegangen, deren gesamte Führerschaft — etwa 400 Burschen und Mädels — nach Palästina gezogen ist, sobald die Einwanderung möglich war, um sich zunächst zwei Jahre lang, ebenfalls imter schwersten Bedingungen, beim Straßenbau zu betätigen. Die dritte Gruppe, die Kwuzah Zwi (Max Hirsch), besteht aus nur 12 Personen, meist Studenten aus Deutschland, Mitglieder des Wanderbundes Blau-Weiß und des K. J. V., die bereits zwei! bis vier Jahre sich landwirtschaftlich und handwerklich ausgebildet und drüben zwei Jahre lang als Tagelöhner bei Kolonisten in PetachTikwah und in Chederah landwirtschaftlich gearbeitet hatten. In Palästina ist man der Ansicht, daß die Ansiedlung aller dieser Chaluzim infolge ihrer gründ- DAS GrA’-' HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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