Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 35 (1.9.1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- Seite 441 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 441 ■ein. Führer und Volk erkannten die Notwendigkeit: ein Volk muß stark sein, stark an Körper und stark an Geist. So entstand der erste jüdische Turnverein, dem bald weitere folgten. Heute haben wir im Makkabiverbande eine große Zahl jüdischer Turnvereine vereinigt, deren Aufgabe es ist, körperlich und geistig ihre Mitglieder zu ganzen Juden zu erziehen; zu Männern, die für ihr Volk eintreten. In diesem Sinne arbeiten die jüdischen Turnvereine in allen Ländern. Den Juden Münchens sind wohl noch die turnerischen und sportlichen Veranstaltungen in Erinnerung, die der Jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba München in den letzten Jahren veranstaltet hat. Nach jeder größeren Veranstaltung glaubten wir, daß die Juden, die in der Gesinnung mit unseren Zielen übereinstimmen, uns bei unserer Arbeit helfen werden; nach jeder größeren Veranstaltung sahen wir uns jedoch hierin enttäuscht. Wir wissen, daß fast jeder von uns so weit mit Arbeit in Anspruch genommen ist, daß keine Zeit frei bleibt. Aber wir glauben auch zu wissen, daß man die Arbeit im Turnverein unverdient hintanstellt und daß auch die finanzielle Förderung nicht genügt. Dennoch ist in den letzten Jahren mit besonderem Eifer in den jüdischen Turnvereinen gearbeitet worden. Schon die äußeren Leistungen (auf sportlichem Gebiete), das Steigen der Mitgliederzahl sprechen dafür. Der Jüdische Turnverein Bar Kochba München hat für den 3. September die gesamten Vereine der jüdischen Turnerschaft eingeladen. Im Wettkampfe auf grünem Rasen wird sich jüdische Jugend zusammenfinden und um den Sieg im Lauf, Sprung und Wurf streiten. Froh werden wir zusammen sein mit unseren gleichgesinnten Kameraden; noch mehr freuen würden wir uns, sollte es uns gelingen, die jetzt noch abseits stehenden von unserem Wert zu überzeugen und sie für die jüdische Turnerschaft zu begeistern. Wir erwarten eine viel regere Anteilnahme, als es bisher der Fall war, durch Rat, Tat und Geld. Die zionistische Bewegung ist heute in einer Lage, die die energischste Mitarbeit aller bedingt. Die Balfourerklärung, San Remo, das Mandat, jede Anerkennung der anderen Völker muß uns mahnen und zur Arbeit anspornen. Wir brauchen nicht Leute, die nur in der Theorie für uns sind. Das Münchener Sportfest am; 3. September soll zeigen, was wir bis jetzt gelernt haben. Es wird aber auch zeigen, daß wir noch weit mehr leisten müssen. Und arbeiten wir daran, daß nicht nur in Wien, München oder Berlin Sportfeste der jüdischen Turnerschaft stattfinden, sondern vielmehr in Jerusalem, Tel-Awiw oder Haifa, denn das ist unsere Aufgabe und unser Wille. Ansiedlung deutscher Chaluzim ln Palästina Das neue Siedlungswerk in Nuris Die Aufmerksamkeit des deutschen Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. richtet sich augenblicklich in besonderer Weise auf das vom Jüdischen Nationalfonds im vorigen Jahre erworbene Gebiet von Nuris, das jetzt in ausgedehntem Maße kolonisatorisch in Angriff genommen wird. Die Fläche, etwa 2700 Hektar, aussichtsreichsten ‘ palästinensischen Bodens, 12—13 Kilometer lang und 2—3 Kilometer breit, erstreckt sich dreiviertel Stunden von der Grenze Merchawjahs bis drei Kilometer von der Stadt Besam dem alten Beth Schean, späteren Skytokolis. Die hindurchlaufende Eisenbahn hat zwei Stationen, Schatta im Osten und Jecheskeljah im Westen. Das Gelände dehnt sich bis dicht an das Jordantal hin. Die Südgrenze bildet das Gilboah-Gebirge, die Nordgrenze der kleine Hermoni und anschließend eine Hügelkette. Die Landschaft stellt mehr ein Tal dar als eine Ebene, sogar mehr einen Kessel als ein Tal, und doch reicht der Blick weit genug, um die Umschlossenheit nicht drückend wirken zu lassen. Im Süden steigen die Berge Gilboahs 500 Meter, vielfach in Felswänden, fast senkrecht aus der Ebene auf; das Gebirge ist mächtig und wenig gegliedert; die Wasser haben keine tiefen Schluchten eingraben können, nur Treppen in die Wände gesägt. Gegenüber der kleine Hermon, der sich auf drei Seiten hoch aus der Ebene auf reckt und auf der vierten in sanfter Linie als eine Kette von Bergen und Hügeln ins Jordantal hinuntersteigt. Der Westen ist offen und nur verschlossen durch die Bodenwelle, auf der Kolonie und Kwuzah Merchawjah liegen, überragt von den Höhen der galliläischen Berge, auf deren Ausläufer Nazareth weiß herausleuchtet. Im Osten, jenseits deT Jordansenke, die irgendwo im Ungewissen zu verlaufen scheint, erhebt sich die Riesenmauer des Ostjordanlandes; im Morgengrauen mächtige Wände, die wie Kulissen sich übereinander, hintereinander schieben, in der Dämmerung vor Sonnenuntergang aber liegt sie da, jede Spitze, jeder Einschnitt, jede Schlucht klar und plastisch erkennbar (nach einem Worte des palästinensischen Ben Gorion) „ein Meer im Sturm zu Stein erstarrt“. In der Südwestecke des Geländes entspringen in einer großen Höhle fünf Quellen, die sich zuin Nähr Dschalud (Goliathfluß) vereinigen. In der Mitte des Gebirges entspringt der Wadi-Ruchani. Durch diese beiden Flüsse ist der Boden ver-