Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 34 (25.8.1922)
- Date
- 1922-08-25
- Page
- Seite 433 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das jüdische Echo 433 Ludendorff und die kommende deutschvölkische Partei Berlin. (J. C. B.) Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, geht der Riß innerhalb der deutschnationalen Partei immer weiter, so daß die Abspaltung des gesamten deutschvölkischen Flügels und dessen Umbildung in eine selbständige Antisemitenpartei nur noch eine Frage der Zeit scheint. Bemerkenswert ist der Kampf, der sich in der Presse der beiden Flügel der deutschnationalen Partei um die Person des Generals Ludendorff abspielt. Während die Presse der deutschvölkischen in Ludendorff ihren Heros erblickt, wagt sich ein Teil der deutschnationalen Presse zum erstenmal mit Angriffen gegen die Person Ludendorffs hervor, dessen enge Beziehungen zu den deutschvölkischen strengster Observanz aus der jüngst von dem sozialdemokratischen „Vorwärts“ veröffentlichten Korrespondenz des Generals mit dem Direktor des antisemitischen „Deutschen Abendblattes“, Herrn Sonntag, unzweifelhaft hervorgehen. In dieser Korrespondenz läßt sich Ludendorff über die Pläne zur Gründung der neuen Partei im einzelnen unterrichten) und fordert Sonntag u. a. zu einem systematischen Anriffsfeldzug auf General Hoffmann auf, der nach Ludendorff ganz unter dem Einfluß seiner jüdischen Frau steht, „in echt jüdischer Weise vaterländische Werke zerstört“. Ludendorff bittet aber Sonntag, hierbei nicht zu erwähnen, von wem die Anregung zu den Angriffen auf Hoffmann ausging. Der deutschnationale Tag wirft Ludendorff seine Kampfesweise im allgemeinen vor und rügt besonders, daß Ludendorff im dritten Bande seiner Erinnerungen in seinen Angriffen auf die Juden immer wieder Bezug auf die „Weisen von ZiOn“ nimmt. „Das Büro der Arbeitsgemein" schalt der Wanderfürsorge und Arbeiter fürsorgeamt warnt vor einem Joseph Wildenberg aus Polen. W. ist ein Schwindler und Erpresser, der die jüdische Öffentlichkeit dauernd brandschatzt.“ I 11 11111 ■11 in null i 11 1! 11! Feuilleton ■ 1 111 in i um i « Arnold Zweig über Rathenau und das Judentum Wir lesen in der „Weltbühne“ einen Artikel von Arnold Zweig: „Rathenau“, dem wir folgende Stellen entnehmen: Er hatte nicht Mahlers fanatische Sachdienerschaft noch gar die erschütternde menschliche Schlichtheit (und Genialität) Einsteins; weder Entdecker acheronischer Gründe war er wie Freud noch hatte Husserls einsamst-geniale Fundamentierung der menschlichn Erkenntnis — und auch die gradlinige und wasserhelle Genialität Adolf Reinachs nicht, der sich erst taufen ließ, bevor er das geniale, das einzig bedeutende Denkerhaupt dieser Generation zwischen Dreißig und Vierzig der unvermeidlichen Granate hinhielt, und dessen eine Abhandlung vom „Apriori des bürgerlichen Rechts“ alle Schriften Walther Rathenaus unvergleichlich überleben wird, Dieser Rathenau, schöpferischer Staatsmann ebensowenig wie konsequenter Mensch, ein westlicher Jude mit geschwächten jüdischen Impulsen — geschwächt, nämlich Theorie bleibend —, der die Lebensführung des Adels anbetete und dessen Wesen, ohne Kontakt mit irgendeinem Judentum und doch gelähmt, gereizt, beunruhigt von diesem Judentume bis in feinste Fibern — dieser malende und musizierende Denkdilettant, dieser ästhetische Politiker und kaufmännische Ingenieur, dieser geborene Diplomat, stark, weil klug und in sein Gegenüber hineinsehend, hineinfühlend: dieser Jude war sehr wenig Jude mehr. Und gar nicht genial. Aber er überragte alles, was er in seiner politischen Sphäre im heutigen Deutschland wie im vorigen antraf, um Haupteslänge. Und viel zu schade war er, viel zu schade, sich für diese Nation zerlöchern und zerkrachen zu lassen. Ein Jude mittleren Wuchses — aber viel zu schade. Armer Walther Rathenau. Ihm hat sie nie Lust erweckt, die Feindschaft, die er traf. Er hat ihr nie in die Zähne gespuckt, und kein „Jetzt erst recht“ konnte funkend aus ihm sprühen. Nichts Vulgäres, rabiat Urwüchsiges sprang mehr aus ihm — nichts vom starken lachenden Ostjuden ging in seinem Blute mit Taten schwanger. Eine Art modernen Seigneurs, Freund von Künstlern, Staatsmann aus Liebe zum Lande und zu sich selbst, ein Mann von wirklicher Kultur im Sinne geschlossen geschmackvollen Lebens — das etwa stellte er dar. Aber, dreimal aber: tapfer wie ein Jude war er, zivil tapfer, unbewaffnet tapfer, aus gelassenem Unglauben an die Gefahr und aus erblassender und doch gelassener, ganz standhafter Überwindung des Glaubens an die Gefahr. Er wußte, er, nach Erzberger, sei der Nächste in dieser Nation von Mitschuldigen des politischen Meuchelmords. Aber er blieb im Amte und arbeitete für dies Land. Sie konnten ihn erschießen: zum Rücktritt bringen, zur rettenden Flucht zwingen nicht. Ihn nicht wie weder die Luxemburg noch Eisner noch Landauer noch Schottlaender noch irgendeinen KRELI-UCKO DAS HAU SnilEH W%1%WTHEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGM&DCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN