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Das jüdische Echo · 1922-08-25 · 34 (25.8.1922) · p. Seite 429

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
34 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
Seite 429 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 429 unersetzliche Arbeit, da sie aus Wüsten und unfruchtbaren Gegenden blühendes Land machen.“ Auf die Frage nach dem Eindruck der alten Städte und der neuen städtischen Entwicklung in Palästina antwortete Herr Justiizrat Marxheimer: „Von den alten Städten, in denen man überall den Einfluß des neuen jüdischen Lebens bemerkt, zu sprechen, würde zu weit führen. Jedermann weiß, daß diese Städte überall große historische Erinnerungen bergen. Mich hat aber auch in den Städten in erster Linie die Aufbauarbeit interessiert. Überall sind neue Bauquartiere in der Entstehung begriffen. Man sucht aus den alten engen Gassen innerhalb der Stadtmauern herauszukommen und baut auf freiem gesunden Gelände neue Wohnhäuser. Was in dieser Beziehung mit Zielbewußtsein und Enthusiasmus geschaffen werden kann, zeigt die Vorstadt Jaffas, Tel-Awiw. In wenigen Jahren ist hier auf Dünensand am Meere eine neue, moderne Stadt entstanden mit breiten Straßen, mit Gartenanlagen und schönen Häusern. Dem staunenden Auge des aus Europa ankommenden Juden repräsentiert sich hier — ich möchte sagen wie ein Märchen — eine rein jüdische Stadt. Der Gepäckträger, der ihn bei der Ankunft des Zuges in Empfang nimmt, ist ein Jude; Jude ist der Kutscher und Chauffeur, der ihn fährt, Jude der Polizist, der Handwerker, der Bauarbeiter auf der Straße und in den Werkstätten. Kurz und gut, vom Stadtoberhaupt, dem Bürgermeister, der mit großem Geschick und Tatkraft seines Amtes waltet, bis zum Esel- und Kameltreiber, alles sind Juden. Und noch ein Wunder hat sich im Lande vollzogen: das Wiedererwachen der hebräischen Sprache; nicht nur in Tel-Awiw, sondern in allen jüdischen Zentren, in den Städtern und auf dem Lande, die Jungen und die Alten, sie sprechen hebräisch. Dort sehen Sie die Geschäftsschilder und die Anschläge in hebräischer Sprache. Der Barbier, der Schuhmacher und der Schneider, der Arzt und der Apotheker, alle bieten ihre Dienste in hebräischer Sprache an. Der Hotelbesitzer, auch derjenige des großen internationalen Alenby- Hotels in Jerusalem, druckt seine Anschläge, seine Speise- und Weinkarte, seihe Rechnung und seinen Wäschezettel in hebräischer Sprache. Und es war mir eine nicht geringe Freude, als ich nach meinem Eintritt in Palästina die erste Eisenbahn- Fahrkarte und das erste Telegrammformular in hebräischem Aufdruck in der Hand hielt. Über die Araberfrage äußert sich Justizrat Marxheimer wie folgt: „Verlangen Sie von mir im Rahmen dieser Unterhaltung nicht eine Aufrollung dieses augenblicklich ja besonders akuten Problems. Kein Mensch kann die große Schwierigkeit verkennen, die aus der Tatsache erwächst daß das Land eine große arabische Mehrheit hat. Es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß extrem nationalistische Tendenzen auf beiden Seiten, sowohl auf seiten der Araber als auch auf seiten der Juden die Gegensätze verschärft haben. Ich weiß aber auch, daß einerseits das arabische Volk in seiner Gesamtheit, heute ebensowenig wie früher, der jüdischen Bevölkerung feindlich gegenübersteht und daß andererseits keine der maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten in Palästina — und gerade über diese Frage habe ich mit ihnen gesprochen — daran denkt, die Araber auch nur irgendwie in ihren Rechten zu beeinträchtigen. Vielmehr will man in friedlicher Zusammenarbeit mit den Arabern, sich gegenseitig unterstützend, die gemeinsame Heimat aufbauen. Wenn dann noch das Judentum in der Diaspora seine Pflicht tut und der Aufbauarbeit tatkräftige Unterstützung gewährt, so bin ich der felsenfesten Überzeugung, daß es keine Araberfrage geben wird. Auf die Frage nach seiner Ansicht über die unmittelbare Zukunft und die wirtschaftlichen Möglichkeiten äußerte sich Herr Justizrat Marxheimer folgendermaßen: „Der Fortschritt, der sich im Lande vollzieht, ist unverkennbar. Die sanitären Verhältnisse im Lande haben sich erheblich verbessert. Die Malaria verschwindet immer mehr unter dem Einfluß außerordentlich umfangreicher vorbeugender Maßnahmen. Die Reinlichkeit, auch in den Straßen der Altquartiere, hat große Fortschritte gemacht. Der Straßenbettel ist verschwunden. Überall sieht man Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs und auch industrieller Entwicklung. Es entstehen Fabriken, Getreide- und Ölmühlen. Werkstätten und Handelsgesellschaften, wenn auch vorläufig in bescheidenem Umfang. Ein Unternehmen in ganz großem Stil ist das Projekt des Ingenieurs Ruthenberg, das ganze Land durch die Wasserkräfte des Jordans zu bewässern und mit elektrischer Kraft zu versehen. Leicht ist natürlich der Aufbau nicht, hart und dornenreich der Weg, den unsere Brüder in Palästina gehen müssen. Sie sind sich dessen auch voll bewußt. Aber was das Erfreuliche ist, ich habe niemand im Land getroffen, der kleinmütig wäre. Allerdings wird viel geschimpft wie überall, wo nicht alles nach Wunsch geht. Man kritisiert die Langsamkeit der zionistischen Organisation, den Bürokratismus usw. und wünscht ein schnelleres Tempo. Man beklagt sich sehr über die geringe Anteilnahme der Juden in der Diaspora. Aber an die Zukunft des Landes glaubt jedermann. Dies gilt für alle Berufsstände.

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