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Das jüdische Echo · 1922-08-18 · 33 (18.8.1922) · p. Seite 421

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
33 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
Seite 421 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 421 Ein Macholl-München-Preis für Riem. Die nicht auf Rosen gebetteten deutschen Rennvereine finden in den letzten Jahren erfreulicherweise eine tatkräftige Unterstützung durch private Kreise. Auch in München zeigt die Industrie begrüßenswertes Interesse an der Förderung des Sportes. Die Firma Weinbrennerei vorm. Gebr. Macholl A.-G. hat dem Münchener Rennverein für seinen Renntag am 30. Juli einen Ehrenpreis, sowie eine erhebliche Summe gestiftet, welche vom Rennverein auf Mk. 75 000.— ergänzt wurde und als Macholl-München-Preis in Höhe von Mk. 75 000.— zum Austrag kommt. Der Ehrenpreis fällt dem Besitzer des Siegers zu. Trainer und Reiter des Siegers erhalten außerdem ein Andenken der Firma Maeholl. II III Jli 111 11 1111 Feuilleton 11 ||1! «1 il 11 iiinn Der Messias Aus dem Hebräischen des David Frischmann Nachdichtung von Max Brod.*) Mir kam in die Nacht eine Stimme des Klirrens, Wie klirren von Ketten und scharfes Gerassel Von Ringen, hart aneinander gewetzt. Der Himmel brach auf, der Himmel brach auf, Und großes Geleuchte, Fülle von Strahlen, Wie Wasser hervorbricht, kam es hervor Über alles: Himmel, Purpur und Bläue. — Da falle ich nieder, da knie ich hin. Und sieh’, Elohim, der Heerscharen, Gott! Zwischen Scharlach und Jaspis und roten Wolken, Wolken, die auf- und niederzieh’n, Auf Feuerlicht, das Saphiren brennt. Erhebt sich der Thron. Und der Mond ist der Schemel seiner Füße, Die Sonne das Kissen zu seinen Häupten, Die sieben Himmel sein Schleppgewand, So thront Elohim, aller Ehren Gott, Doch an die ehernen Füße des Thrones Geschmiedet mit Ketten, nie zu zerreißen. Mit goldenen Ketten Ist unser Herr, der König Messias . . . An deinen Zeichen habe ich dich erkannt, An dem heiligen Liicht, Das dein. Auge durchzündet Wie Augen von Dichtem, Von Sehern, Rettern und allen Propheten, Am Geiste, der deine Stirn umwittert, An den Zügen des Mitleids auf deinen Wangen, Den Funken des Brandmals auf deinen Lippen, Und mehr noch, mehr noch an deinen Ketten (Prometheus-Ketten) Die deine Armhöhlen elend umschließen. An all dem habe ich dich erkannt. Ja, du bist es, Herr, der König Messias! Und mit goldenen Ketten, nie zu zerreißen, Hängist du seit vielen tausend Jahren Am Throne des Gottes Zebaoth. Und kannst dich nicht rühren Und siehst herab *) Aus Brods Gedichtsammlung „Das gelobte Land“ (Verlag Kurt Wolff, München) geben wir diese Nachdichtung eines Werkes des verewigten Friischimann wieder. Auf alle Schrecken und Zwang des Lebens, Der deinen Brüdern beschieden ist — Und die Hand ilst zu kurz, sie kann nicht helfen. Und täglich und stündlich das neue Leid, Und stündlich das Kreischen neuen Blutes, Das von der Erde aufschreit zu dir. Dann wird deine teure Seele jäh.. Dein Zorn erbrennt, und die Adern schwellen, Du keuchst und atmest, Schon klirren die Ketten, du gürtest dich Mit deiner Kraft undl willst sie zerreißen. Zur Erde entwallen, Erlösen, erretten Den Armen aus des Starken Gewahrsam, Den Dürftigen aus der Gewalt des Drängers, Und man hört deine Stimme: „Es ist genug, Jetzt steige ich nieder! Jetzt werde ich kommen! Jetzt will ich befreien! O wartet ein Weniges, ich bin da!“ — Doch du bist gefesselt und kannst nicht los. Du fällst zurück, Und alles wird wieder, wie es war. —- So hört man seit vielen tausend Jahren Die Stimme tönen und deinen Kampf.— So hörte auch ich dich in dieser Nacht. Mir drang in die Stille: Wie lange noch, Gott! Gib mir mein Geheimnis, gib mir mein Geheimnis! Was bliesest du diese Seele mir ein, Zu tragen, zu zucken mit jedem Gedrückten, Und bandest die helfenden Arme mir zu? Was nanntest du selber Heiland mich Und lassest mich nun nicht helfen noch heilen? Es kam in die Nacht eine Stimme des Klirrens, Wie klirren von Ketten und scharfes Gerassel Von Ringen, hart aneinander gewetzt. So reißt der Messias an seinen Banden Und will mit der Kraft der nervigen Arme Den Thron der Herrlichkeit und die Säulen Mitsamt dem Himmel Und mit dem Himmel den Himmel erschüttern. Und man hört in der Stille dler Nacht ein Echo: Wie oben goldene Ketten erklirren, Antworten klirrend von einem Ende Der Erde zum andern eiserne Ketten. Doch aus roten Wolken und aus Saphir Und Jaspis und Scharlach erklingt die Antwort: „Bis ein neues Geschlecht auf der Erde aufsteht. Ein Geschlecht, das wahrhaft Erlösung will Und die Seele bereit hält, das Herz bereit, Dann erfüllt sich dein Schicksal, — du wirst erlöst. Dein Schicksal erfüllt sich, — du wirst erlösen.“ J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK jW MÜNCHEN / THEATINERSTRASSE 8 ITA 4548991

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