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Das jüdische Echo · 1922-07-21 · 29 (21.7.1922) · p. Seite 373

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
29 (21.7.1922)
Date
1922-07-21
Page
Seite 373 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 373 äußere Politik — hat ihn als „konservativ“, und das ist im allgemeinem „antisemitisch“, erscheinen lassen, undl man denkt meist nicht daran, daß diese Identifikation zwar im allgemeinen zutrifft, aber nicht bei Bismarck (vielleicht auch bei anderen nicht). Bismarck ist seit dem Versailler Frieden — oder schon seit Kriegsbeginn historisch gewordern Es wäre Zeit für uns deutsche Juden, das noch vorherrschende (begreifliche, aber unberechtigte) Ressentiment gegen Bismarcks Person aufzugeben. Dazu könnte das wohlinstruierende Buch von Jöhilinger als Brücke dienen. Wir müßten alle gewinnen, wenn wir uns in das Studium dieses reichen Lebens versenkten — allerdings nicht um hloß den Titel „Bismarck und die Juden“ nach gutem alten Vereinsbrauch festzustellen, wie er sich zu unseren Lebensverhältnissen gestellt hat, sondern um zu sehen, wie bei: einem der edelsten öVjyn rfiölX 'pHU Gemeinsinn und Individualität, Geschäft und Redlichkeit, parteiliche Überzeugung und Gerechtigkeit in einem langen Leben ehrlichen Kampfes sich gegenseitig verknüpften und schützten. Dieses Buch aber müßte heißen: „Die Juden und Bismarck“. Und man braucht es nicht zu schreiben); denn sein Inhalt steht zwischen den Zeilen der Werke von und über Bismarck. A. J. N. Roe. Die Stadt ohne Juden Wien 1921 Hugo Bettauer schildert das Wien unserer Tage, wie es nach der von einer chrilstlich-sozialen Regierung unter dem Jubel des Landes durchgesetzten Judenevakuierung aussieht. Die erhoffte Sanierung der wirtschaftlichen Verhältnisse bleibt aus, im Gegenteil Wien „verdorft“, und die Wiener rufen, geleitet durch einen verkappten jüdischen Intriganten, die Juden wieder zurück. Das Büchlein ist leidlich unterhaltsam; man ist vielleicht bereit, ihm um deswillen seine Hundeschnäuzigkeit nachzusehen! —s. Hus Herzls Tagebüchern (Fortsetzung) 23. Feber 1886. Landau meint, ich hätte den Ackerbau im Judenstaat vernachlässigt. Antwort einfach: wir werden landwirtschaftliche Produktiv-Genossenschaften und Klein industrielle des Ackerbaues, beide mit Maschinenkredit der Jewish Company, haben. Wir kamen dann auf die Sprache. Landau ist, wie viele Zionisten, für das Hebräische. Ich meine, die Hauptsprache müsse sich zwanglos durchsetzen. Machen wir einen neuhebräischen Staat, so wird es nur ein Neugriechenland. Schließen wir uns aber in kein Sprachghetto ab, so gehört uns die ganze Welt. In Wien machte man über mich Witze. Julius Bauer sagt: „Ich bin einverstanden, daß wir nach Palästina gehen. Aber ich will die Republik mit dem Großherzl an der Spitze.“ * Kozmian »kam in die Redaktion zu Bacher. Ich traf ihn im Vorzimmer. Landau war bei ihm. Aber schon vorher hatte er von meiner Schrift gehört — vielleicht durch Badeni. — Kozmian sagte: „II parait que c’est tres excentrique.“ Ich antwortete: „C’est un derivatif.“ 28. Feber. Die gestrigen Wiener GemeinderatswahJen geben mir wieder recht. Seit September sind die Stimmen der Antisemiten wieder enorm gewachsen. Überall große Majoritäten, auch in den „Hochburgen“ dler Liberalen: in der inneren Stadt und Leopoldstadt. Unser heutiger Leitartikel ist ganz resigniert * Von Nordau einen begeisterten Brief erhalten, der mich ganz stolz macht. Er findet, daß mein „Judenstaat“ eine „Großtat“, eine „Offenbarung“ ist. 1. März. Ludassy greift mich in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ an. „Der Zionismus ist ein verzweiflungsvoller Wahnsinn. Hinweg mit solchen Schimären!“ Einer seiner angestellten Humoristen verhöhnt in einem kleinen Scherz die „Makkabäer der Flucht“. * In der Zeit bekämpft Professor Gopmerz den Zionismus, von meinem Buch „ausgehend“ — das er erklärt, nicht gelesen zu haben. Die Zionisten Birnbaum, Jacob Kohn und Landau besuchten mich gleichzeitig und haderten miteinander. Kohn ist gegen Landau, Kaditmah gegen Gamalah. Birnbaum will nur die Agitation in wissenschaftlichen Wochenschriften. Landau will überall agitieren, Kohn nur in Wien. Es ist geradezu entmutigend, wie spinnefeind sie untereinander. 2. März. Hermann Bahr war bei mir. Die Juden der höheren Bildungskreise, die im älteren Wien den literarischen Salon, das Bauernfeld-Nest, die Grillparzer-Kapelle formten, sind über mich entsetzt, wie Bahr erzählt. * 3. März. Ein Modewarenhändler in Semlim S. Waizenkorn, schreibt mir, alle Semliner Juden seien bereit, mit Kind und Kegel auszuwandern, sobald die Jewish Company gegründet ist. 4. März. Mein wärmster Anhänger ist bisher — der Preßburger Antisemit Jvan v. Simony, der mich KRELL-UCKO DAS HAU S|%V*MTV*B%VTHEATINERSTR.16 TELEFON 27831 — 32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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