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Das jüdische Echo · 1922-07-21 · 29 (21.7.1922) · p. Seite 371

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
29 (21.7.1922)
Date
1922-07-21
Page
Seite 371 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 371 Der Miesbacher Anzeiger zur Ermordung Rathenaus Im Leitartikel des „M. A.“ vom 13. Juli heißt es wörtlich: Die Linken (Loge und1 Sozialdemokratie und Judentum) haben Rathenau ermordet, weil er a) eines der größten Geheimnisse dier Weltfreimaurerei Profanen preisgegeben hat; b) sich geweigert hat, einen strikten Befehl betreff Eintritts Deutschlands in den Völkerbund auszuführen. Kommentar erübrigt sich! Die „Frankfurter Zeitung“ über den Palästina- Film des Jüdischen Nationalfonds. In der „Frankfurter Zeitung“ vom 10. Juni wird der fiinfaktige Palästina-Film des Jüdischen Nationalfonds ausfürlich besprochen. Als Motto ist der Kritik ein Wort Theodor Herzls vorangeschiickt: „An dem Tage, wo wieder der Pflug in der erstarkten Hand des jüdischen Bauern ruht, ist die Judenfrage gelöst.“ Der Berichterstatter meint, daß der Film Gelegenheit gegeben habe, einen Blick zu tun auf „das große Orgamsatüonswerk, das der Jüdische Nationalfonds zum Aufbau des Heiligen Landes geschaffen hat.“ Nach eingehender Betrachtung der einzelnen Akte des Films heißt es: „Man muß das Werk bewundern, das der Nationalfonds in der verhältnismäßig kurzen zeitlichen Folge geschaffen hat. Vor allem aber darf man über dem Erfolg nicht vergessen,, welches Riesenmaß von unermüdlichem, härtestem Ringen nötig war, um aus der Steinöde des Landes solche Pflanzungen erstehen zu lassen, und wie schwerer Arbeit es bedarf, um weiter zu schreiten.“ Jugoslavien Jüdische Staatsschulen in Jugoslavien Belgrad. (Korr, des J. C. B.) Die jüdische Kultusgemeinde Novisad hat mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit zur Erlangung einer konfessionellen Schule beschlossen, die Errichtung einer jüdischen Staatsschule mit serbischer und hebräischer Unterrichtssprache zu fordern. Man hofft in jüdischen Kreisen auf sicheres Entgegenkommen seitens der jugoslavisehen Regierung. Polen Die Exzesse in Wilna Warschau. (J. C. B.) Der Sejm beschloß eine aus sieben Personen bestehende Kommission nach Wilna zu entsenden, um die genauen Einzelheiten und1 die Ursachen der von einer Rozwoj- Bande am vorletzten Sonntag veranstalteten blutigen Ausschreitungen gegen die Juden Wilnas zu untersuchen. In der Debatte erklärte der jüdische Abgeordnete Grünbaum, er habe Beweise erhalten, daß die reaktionären Rozwoj-Bündler die Exzesse in Wilna mit dem Ziele veranstaltet haben, das neue Kabinett Sliwinski zu kompromittieren und zu seinem Sturze beizutragen. Abg. Grünbaum sprach der Wilnaer Behörde für ihr mustergültiges Verhalten während der Unruhen die Anerkennung aus. Er stellte die Forderung auf, daß der nach Wilna zu entsendenden Kommission mindestens ein Jude angehören solle. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, wogegen der konservative Führer Dmovski, den' die Rozwoj-Bündler zu den ihren zählen, in die Kommission gewählt wurde. Wilna. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung“.) Die vom Warschauer Sejm eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Judenexzesse in Wilna ist hier eingetroffen. Sie hat bereits den Delegierten der polnischen Regierung, Roman, und den Staatsanwalt Holownia einvernommen. Nach Beendigung des Studiums des Aktenmaterials beginnt die Zeugeneinvernahme. Oberrabbiner Rubinstein intervenierte beim Universitätsrektor in Angelegenheit der Teilnahme von Studenten an den letzten Exzessen und wies auf die demoralisierende Wirkung hin, die die Teilnahme der Hoch Schuljugend, die zur geistigen Führung der Bevölkerung berufen ist, auf die übrigen Volksschichten ausüben muß. Der Rektor versprach, die Angelegenheit dem Senate vorzulegen und entsprechende Maßnahmen für die Zukunft zu treffen. Die zionistische Landeskonferenz in Lemberg Am 9. Juli begann in Lemberg die diesjährige Landeskonferenz der ostgalizischen Zionistem Die Agudas Jisroel und der Betzer Rebbe Wie der „Jsraelit“ vom 13. Juli mitteilt, begab sich eine Delegation der polnischen Landesorganisation. „um den aus der Diaspora dorthin heimgekehrten Rabbi zu begrüßen und über die wichtigsten aktuellen, religiösen und politischen Fragen mit ihm Aussprache zu führen.“ Es erfolgte nicht eine offizielle Erklärung des Betzer Rebben zur Agudas, die auch für die nächste Zeit nicht zu erwarten ist, A.-C.-Sitzung — Jahreskonferenz London. (Telegramm der Exekutive.) Das Aktions-Komitee wird auf den 22. Juli nach London einberufen. Als Termin für den Beginn der Jahreskonferenz ist der 25. August, der 25. Jahrestag der Eröffnung des I. Zionistenkongresses, festgesetzt worden. Die Jahreskonferenz findet in Wien statt. Italien Rom. Dem „Jsr. Wochenblatt für die Schweiz“ entnehmen wir folgendes Bild vom jüdischen Leben in Italien: Es scheint, daß das jüdische Leben Italiens in Rom sein altes Zentrum wiederfindet, nachdem es aus dem früheren Jeruscholayim haketanah bis »hinauf nach Modena und wieder hinunter nach Florenz eine Stätte gesucht hat. Denn in der Tat steht die jüdicshe Gemeinde Roms jetzt, nachdem Florenz wegen des Todes von Oberrabbiner Dr. S. Z. Margulies an Bedeutung viel verliert, schon wegen der Zahl der Mitglieder — zirka 8000 — an der Spitze aller anderen jüdischen Gemeinden des Landes. Herr Oberrabbiner Dr. Sacerdoti gibt sich große Mühe, dem jüdischen Leben eine gesunde Basis zu schaffen durch Errichtung neuer und Verbesserung der bereits bestehenden jüdischen Einrichtungen und durch Begünstigung und Förderung ostjüdischer gesetzestreuer Elemente. Ini diesen Bestrebungen unterstützt ihn aufs kräftigste Herr Siegmund Hirsch, ein Hamburger Jude, der schon seit vielen Jahren in Italien lebt. Nachdem die Gründung einer „Jüdischen Volkspartei“ gelungen ist, die sich zur Aufgabe stellt, das jüdische Gesetz unter den jüdischen Massen wieder heimisch zu machen und die in ihr Programm auch die Sorge um die jüdische Schule aufgenommen hat, nachdem auch die Chewrah J. A. HENCKELS ZWILUNGSWERK MÜNCHEN / THEATINERSTRASSE 8

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