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Das jüdische Echo · 1922-07-14 · 28 (14.7.1922) · p. Seite 359

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
28 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
Seite 359 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 359 von Jzsak und Orgovany nicht bestraft werden. Dieses Bewußtsein ist auch iim Ton des Briefes des Hejjas unverkennbar, der seine Befehle zu entschuldigen überhaupt nicht für nötig hält. Dieses merkwürdige Schriftstück, ein geschichtliches Dokument des neuesten Ungarns, lautet wörtlich folgendermaßen: ,,Es dünkt mir, daß ich einmal von Zbona eine Meldung rhalten habe, derzufolge die Juden mit den Rumänen verhandelt haben. Mein patriotisches Gefühl entrüstete sich dagegen. Ich befahl also Zbona und Dantes, die Juden zu verhaften und hinzurichten. Zum Raub habe ich keinen Befehl erteilt, im Gegenteil, meine Offiziere können es bezeugen, daß ich immer dagegen war, ungeschützten Bürgern ihr Vermögen gewaltsam wegzunehmen. Von rechtswidrigen Handlungen weiß ich gar nichts, von Einlieferung gewisser Corpora delicti auch nichts. Jvan Hejjas.“ Der letzte Satz des Berichtes widerspricht zwar den Aussagen der Angeklagten, trotzdem haben sie bei der Verlesung des Hejjas-Briefes keine Bemerkung, kein Wort fallen lassen, denn der Brief wirkte für sie als die Erlösung vom; Todesurteil. Die Komödie der drei tägigen Verhandlung ist damit im wesentlichen beendigt. Das Urteil kann lauten, wie der Gerichtshof es zu verfassen wünscht, den Mördern wird kein Haar gekrümmt werden. Dafür sorgt Hejjas, dler die Verantwortung stolz auf sich nimmt, und wenn Hejjas dafür sorgt, wird auch sein Freund Horthy entsprechend handeln. Sturm im ungarischen Parlament Der Brief des Oberleutnants Hejjas hat bei der Opposition ungeheure Entrüstung hervorgerufen. — Die Regierung hat strenges Eingreifen versprochen und der Staatsanwaltschaft befohlen, gegen Hejjas vorzugehen. — Wers glaubt.... Litauen Die jüdische Autonomie anscheinend gesichert (J.P.Z.) Der Kownoer B.-Korrespondent der J.P.Z. berichtet: Am 13. Juni fand beim Staatspräsidenten eine gemeinsame Beratung des jüdischen Sejm-Delegierten mit den Vorstehern fast aller Sejmgruppen und in Anwesenheit des Premierministers Galvanovski statt. In zweistündiger Beratung wurde die Frage des jüdischen Ministeriums behandelt. Der Premierminister sprach sich ausdrücklich für die Notwendigkeit des jüdischen Ministeriums aus. Er stellte den konkreten Antrag, daß das jüdische Ministerium durch ein Gesetz gesichert werde. Die jüdischen Vertreter akzeptierten den Vorschlag mit der Bedingung, daß dieses Gesetz noch vor der dritten Lesung der Konstitution erlassen werden soll. Wie der B.-Korrespondent der J.P.Z. aus sicherer Quelle erfährt, wird ein solches Gesetz bereits vorbereitet. Ein Gerichtsurteil (J.C.B.) Im Staochen Lasdei fand vor kurzem eine interessante Gerichtsverhandlung statt. Ein von den Kownoer Behörden nach Lasdei entsendeter Funktionär zur Durchführung einer Desinfektion quartierte sich dort bei! einem jüdischen Schneider ein. Eines Tages stürmte dieser Funktionär auf die Straße hinaus und schrile, daß die Juden ihn ermorden wollten, um sein Blut für rituelle Zwecke zu verwenden. Die jüdische Gemeinde brachte hierauf gegen ihn die Klage bei Gericht ein, über die die Verhandlung vor einigen Tagen zu Ende geführt wurde. Der Angeklagte wurde vom Gericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Polen Die neue Pogromwelle Ritualmordmärchen im Posener Gebiet Danzig. (J.C.B.) Die polnische „Liga zur Verteidigung von Vaterland1 und Religion“ übt einen ständigen Terror gegen die im Posener Gebiet ansässigen Juden aus, um sie zu zwingen, für Deutschland zu optieren und Polen zu verlassen. Fast die gesamte Posener Presse schlägt über das angebliche Ritualverbrechen des 70jährigen Juden Engel Alarm und fordert die polnische Bevölkerung auf, an den Juden Rache zu nehmen. Engel wird weiter in Haft behalten, obwohl außer der verworrenen Aussage des angeblichen Opfers, der 20jährigen schwachsinnigen Magd Katharina Metzei nichts Gravierendes gegen ihn vorliegt. Die schwer terrorisierten Juden befürchten, daß die Katharina Metzei plötzlich verschwinden könnte, wodurch die Angelegenheit kompliziert werden würde. In Wengrowicz, wo der „Ritualmord!“ passiert sein soll, wohnen jetzt nur noch 40 Juden. Vor kurzer Zeit lebten dort 700 Juden. W arschau. (J.C.B.) Einer amtlichen Mitteilung zufolge hat die Staatsanwaltschaft in Posen im Zusammenhang mit dem Ritualmordmärchen in Wengrowicz eine Erklärung veröffentlicht, daß der rituelle Charakter dieses Mordes ausgeschlossen sei. Die Erklärung wurde von der jüdischen Öffentlichkeit mit großer Befriedigung aufgenommen. Überfälle ln Warschau Warschau. (J.C.B.) In den letzten Tagen machten es sich polnische Studenten zur Gewohnheit, Überfälle auf die jüdischen Spaziergänger im Warschauer Lazienki-Park zu veranstalten. Sie treiben die jüdischen Parkbesucher von den Bänken fort und schlagen auf sie mit Knüppeln ein, wobei sie weder Frauen noch Kinder verschonen. Die Überfallenen finden bei! den Parkwächtern: und Polizisten keinen Schutz; diie Wächter selbst beteiligen sich oft an den Überfällen. Überfälle in Lodz Lodz. (J.C.B.) Nach dem Warschauer Beispiel veranstalteten in der letzten Zeit auch die Rozwoj- Banden in Lodz planmäßig organisierte Überfälle KREU-UCKO DAS HAU Sl%MBhh~l#%l%WTHEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGM&DCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN

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