Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1922-07-14 · 28 (14.7.1922) · p. Seite 358

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
28 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
Seite 358 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9103027-9145560--05090-9077758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

358 Das Jüdische Echo Nr. 2g manche in kurzer Zeit bringen. Auch Kurse in diesen Fächern werden abgehalten. Oft wird gesungen, schöne und lustige Volkslieder, wißbegierige Blau-Weiße halten reiche Ernte in neuen Texten. Auch Schachspielen ist beliebt; dagegen wird nie Karten gespielt, es kannte kaum einer den unter Deutschen in dieser Lage „unvermeidlichen Skat“. Für die Werbungsversuche der verschiedenen jüdischem Parteien hatten die Volksheimler im Anfang wenig Interesse. Es waren ja auch meist ganz junge Leute, die sich zu Hause kaum noch mit Politik beschäftigt haben. Zu Proletariern wurden die meisten erst nach ihrer Flucht aus Polen. Aber nach und nach wurden auch soziale Interessen rege. Merkwürdig war das Mißtrauen vieler gegen die „Taitschen“, die Westjuden. Es war kein Haß und kein Neid; Geringschätzung eher, aber eine Kluft, die nur durch vollkommene Hingabe des einen zum Dienste um den anderen zu beseitigen war. Es mußte von beiden Seiten erst gelernt werden, das Helfen und Hilfe nehmen ganz selbstverständlich aufzufassen. Einer der schönsten Züge bei allen diesen jungen Männern ist ihre ganz reine und unbefangene Einstellung Mädchen gegenüber. Es kamen doch manche aus dem tiefsen Elend, wo die häßlichsten Bilder ihnen entgegengetreten sein müssen. Ich habe immer bewundert wie selbstverständlich diesen jungen Menschen der Ton vertrauter, aber immer achtungsvoller Kameradschaftlichkeit war, es kam in keinem Wort und keinem Blick Unehrerbietiges zum Ausdrucke. Erfreulich war auch immer zu beobachten, wieviel Lebensmut und Lebensfreude allen zu eigen war. Erst wenn man sie zum Erzählen ihrer Flucht und ihrer Leiden brachte, war es den meisten bewußt, wie bedauernswert und wie „interessant“ sie sind. Viel später, oft nach langem vergeblichen Bemühen, sich Existenzen zu schaffen, kamen manche darauf, aus ihren traurigen Erlebnissen Kapital zu schlagen. Im Grunde sind es gerade und aufrechte Menschen: Hoffnungen des jüdischen Volkes. Es waren oft stimmungsvolle Stunden im Volksheim, reich an Eindrücken, die viel zum Verständnis verwandter und1 doch so fremder Menschen beigetragen haben. Und wenn diese guten Eindrücke auf beiden Seiten zur Einigung beigetragen haben, hat das Volksheim außer denn charitativen auch einen wertvollen jüdischen Zweck erfüllt. Judiith Lypstadt. Aus der indischen Welt Deutschland Noch einmal der „Fränkische Kurier“ Aus Kreisen der Nürnberger Gemeinde wird uns geschrieben: „Die Beschwichtigungsräte sind wieder an der Arbeit Der „Kurier“ habe doch alles zurückgenommen. Man solle abwarten, wie er sich weiter verhalten! werde. — Ich mache darauf aufmerksam, daß sich der Kurier in letzter Zeit mit Vorliebe deutschvölkische Mitarbeiter suchte. Nicht nur Herr Gorsleben lieh ihm seine Feder, sondern auch Frau Maria Gröner, die während der Landwittschaftswoche „die germanischen Bauern“ begrüßte. Frau Gröner ist eine bekannte Antisemitin.“ Die Zuschrift hat Recht. Wir sollen uns nicht irre machen lassen. Wir warten, daß auch die „Offiziellen“ nicht wieder zurückweiCben. — Fort mit dem Kurier! Österreich Vorbildliche Arbeit der Wiener Kultusgemeinde Am 3. ds. fand im 20. Bezirk, Othimargasse 46, die Schlußprüfung der über Anregung deis Herrn Oberrabbiners Dr. Chajes im Herbst v. Js. von der israelitischen Kultusgemeinde versuchsweise eröffneten hebräischen Sprachkurse für Kinder der ersten bis dritten Klasse der Volksschule unter zahlreicher Beteiligung der Eltern statt. Nach einer Unterriichtsdauer von nicht mehr als siebenundeinhalb Monaten waren die Kinder imstande, nicht nur die Erzählungen aus dem Lesebuch verständnisvoll zu lesen und wiederzugeben, sondern auch auf die an sie gestellten Fragen in hebräischer Sprache korrekte Antwort zu geben sowie kurze Sätze an die Tafel zu schreiben. Herr Inspektor Wiesner hatte für die Leistungen des Kursleiters Herrn Herzberg Worte der Anerkennung und hob hervor, daß die Kinder bei einem derartigen lebendigen Unterricht das' Hebäische mit Lust und Liebe lernen. Auch Prof. Dr. Rosenfeld, der in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Oberrabbiners der Prüfung beiwohnte, äußerte seine volle Befriedigung über den empfangenen Eindruck. Stolz auf die erhaltenen hebräischen Zeugnisse, verließen die Kinder nach dem Absingen einiger hebräischer Lieder die Schule. Ungarn Massenmörder Hejjas entlarvt Jvan Hejjas ist der Führer der Erwachenden Ungarn, die etwa den deutschvölkischen Vereinen in Gesinnung und Betätigung entsprechen. Er hat zahlreiche Morde an Juden auf dem Gewissen. Dazu wird uns aus Budapest berichtet: Im Laufe der vorgestrigen Verhandlung gegen die Orgovanyer Mörder erklärte der Verhandlungsleiter, Majorauditor Gr. Györffy, daß der Gerichtshof insgesamt 23 Zeugen vorgeladen habe, außerdem werden die schriftlichen Aussagen des Massenmörders Francia-Kis (der rechten Hand des Jvan Hejjas) und die des Jvan Hejjas verlesen werden. „Den lezteren“, sagte der Vorsitzende, „brauchen wir nicht weiter mit einer persönlichen Vorladung zu belästigen, da er genügende Aufklärungen in seinem schriftlichen Bericht erteilt hat.“ Trotzdem sich jeder Angeklagte auf die Mordbefehle des Jvan Hejjas berief, hielt es weder der Staatsanwalt noch der Vertreter der Familien der Ermordeten, Rechtsanwalt Dr. Dombovary, für notwendig, die persönliche Vorladung des Räuberhauptmannes zu beantragen. Es war nämlich schon zu Beginn der Verhandlung bekannt, daß die Angeklagten, das Gericht und Jvan Hejjas vereinbart haben, Jvan Hejjas habe dile Verantwortung für die Morde als Befehlshaber auf sich zu nehmen, sodaß die Angeklagten von der Anklage des Mordes freigesprochen und’ nur wegen „Übertretung eines erhaltenen Befehls“ verurteilt werden können. Die persönliche Verantwortung des Jvan Hejjas bedeutet, daß die Massenmorde J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK München / theatinerstrasse 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.