Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1922-07-14 · 28 (14.7.1922) · p. Seite 352

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
28 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103027-9145560--05084-9077752
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

352 Das Jüdische Echo Nr. 28 wendet hat, indem einmal die Funktionen der „Jewiish Agency“ als eines jüdischen Organs ohne behördliche Zuständigkeit festgelegt werden, „das bei der Ökonomisohien, kulturellen und sozialen Organisation des nationalen Heims mithelfen soll“, und andererseits betont wird, daß „die Kolonisation von Juden auf dein Lande, einschließlich der Regierungsländereien und unbekannten Flächen“ und ferner die Erzielung von Abkommen mit der Jewish Agency wegen Übernahme öffentlicher Arbeiten inld anderer Unternehmungen ein integrierender Faktor ihrer Palästinapolitik sek Die Dinge sind klar. Die Balfourdeklaration bleibt mit all ihren Auswirkungen bestehen. Die Schlecht-W etterpropheten haben ausorakelt. — Wir selbst haben die Nerven zu bewahren und das — „himmelhoch jauchzend — zu Tode betrübt“ den zartbesaiteten Seelen zu überlassen, die großen Dingen mit jener kostenlosen Sympathie gegenüberstehen, die sie im Fall des Scheiterns vor erheblicheren Aufregungen bewahrt. Wir haben — das wird weiter nach den schweren politischen Bedrohungen und1 den großen politischen Erfolgen der letzten Zeit deutlich — ferner die Pflicht, die Organisation nach Möglichkeit zu stärken, die allein im Stande ist, das Schlifflein der jüdischen Kolonisation durch alle die Riffe und Klippen zu steuern, die — das zeigen die neuesten Ereignisse — es immer noch bedrohen. Das ist allein die zionistische Organisation. — Wir haben viel von unpolitischer Kolonisation, viel auch von Kolonisation durch, die Agudas Jisroel gehört. — Werden die humanitären Vereine und Vereinchen. deren Mittel, Geld und Menschen für Palästina zu gewinnen, überdies beschränkt und deren bisherige Kolonisationserfolge mindestens Qualitativ zweifelhaft sind — auf die Dauer das von der Zionistischen Organisation errungene Recht des jüdischen Volkes auf ein Heim in Palästina bewahren können oder würde die von ihnen geleitete Siedlung nicht vielmehr nur geduldet und damit dauernd bedroht sein? Auch die Agudas Jisroel würde — den Willen zu ernsthafter Palästinaarbeit vorausgesetzt — nichts weiter schaffen können als ein nach Erez Jisroel verpflanztes Galuth, dessen Kämpfe und Erfolge sich im wesentlichen auf die Erhaltung etwa des von behördlicher Willkür bedrohten Vorbeterstuhles an der Klagemauer oder ähnlich entscheidende Angelegenheiten beschränken mußten. Die Kolonisation in Palästina braucht eine von Geräusch und P r e s t i g e 1 ä r m freie politische Vorbereitung und Unterstützung. — Sie ist nicht denkbar ohne die nationale Beeinflus- * ß 9 gegenüber der alten Akademie sung der Menschen, deren Arbeit schließlich das neue Palästina seinen Aufbau zu verdanken haben wird. Man verstehe den Begriff der natiiona- 1 e n Siedlung endlich richtig. Er hat keine aggressive Bedeutung. Nationale Gesinnung bedeutet eine Forderung lediglich an sich selbst und keinen sonst: die Forderung! ganzer Hingabe an die Volksgemeinschaft, ohne die ein Leben unter den erschwerten Bedingungen Palästinas vorläufig nicht denkbar wäre. Schließlich brauchen wir für den Erfolg des Aufbauwerkes eine weitere Steigerung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Faktoren des P,alästinaaufbaus. Politische Erfolge werden nur mit realen Mitteln errungen und erhalten. Das Finanzinstrument der Kolonisation ist der Keren Hajessod. Daß er bisher schon früher unerhörte Erfolge erringen konnte, ist bekannt Daß er noch nicht über alle nötigen Mittel verfügt, hat dem Palästiinawerk bereits erheblichen Schaden zugefügt. Es war ein Hauptargument der antisemitischen Lords gegen das Palästmamandat Wer sich daher gegen den Keren Hajessod wendet, ist ein Gegner des Aufbaus. Kein Argument, keine gegenteilige Versicherung kann darüber täuschen. Ob dies der Verband Nationaldeutscher Juden, ob es eine bestimmte Richtung im Zentralverein ist, ob es sich um die Agudas Jisroel handelt, deren Keren Hajischuw durch Annahme geringfügigster Beträge den auf großzügige Zuwendungen angewieseneni Keren Hajessod zu unterbieten sucht und bereits häufig die Hergabe wirklich bedeutender Summen für Palästina zu Gunsten unwesentlicher Spenden verhindert hat, bleibt sich gleich. — Und wenn es zionistische Parteigruppen gibt, die den Keren Hajessod ablehnen und wenn gar die nationaljüdisohe Jugendbewegung einzelne „Führer“ besitzen sollte, die sich gegen den Keren Hajessod wenden — sie handeln schädlich und ohne Verantwortlichkeiitsgefühl. Wer es bisher nicht sah, dem sollten es die letzten Vorkommnisse gezeigt haben. Die Anspannung aller Kräfte ist vonnöten, um den großen Erfolg, den wir errangen, zu verteidigen und zu realisieren. Wir werden uns das große Werk nicht sabotieren lassen, gleichgültig von wem oder auf welche Weise. Niemand soll in seiner Gesinnung gekränkt werden; an Zionisten und Nichtzionisten ergeht gleicherweise der Ruf zur Mitarbeit. Jeder soll zu seinem Recht und zu dem ihm zukommenden Einfluß gelangen. — Die Entjudeten, die Eigensüchtigen, die Eigenbrödler und die Furchtsamen mögen beiseite stehen. Kampf gegen die wahren Bedürfnisse desPalästmaaufbaus aber bedeutet Kampf! Disoite moniti! G—. Das jüdische Palästina Das Unterhaus für das Mandat London. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Im englischen Unterhause fand heute die große Debatte über die britische Palästina-Politik im Sinne der Errichtung eines jüdischnationalen Heimes in Palästina statt Gleich wie im Oberhause, versuchten die von der vatikanischen und arabischen Gegenagitation erfaßten Mitglieder des Unterhauses einen Vorstoß gegen das zionistische Projekt. Ihr Sprecher, Sir Johnson-Hieks, brachte eine Resolution ein, in welcher die zionistische Politik der Regierung verurteilt wird. Ihr Inhalt deckt sich ungefähr mit der antizionistischen Resolution Lord Jslimgtons im Oberhause.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.