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Das jüdische Echo · 1922-07-14 · 28 (14.7.1922) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
28 (14.7.1922)
Date
1922-07-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo 14. Juli 1922 9. Jahrgang Nummer 28 Der große Erfolg Das englische Unterhaus mit überwältigender Mehrheit für judenfreundliche Mandatspolitik — Authentische Interpretation der Balfourdeklaration — Auch das amerikanische Repräsentantenhaus für das Palästinamandat — England weist die Einwände des Vatikans zurück Noch eben betrachteten alle antizlonistischen Wetterpropheten dien politischen Himmel mit jenem Gemisch von innerer Zufriedenheit und äußerlichem Bedauern, das gerade den Herren von der Agudas Jisroel so gut zu Gesicht steht. Die mandatsfeindliche Resolution des Oberhauses schien im Verein mit der antisemitischen Politik des Vatikans und seiner Vasallen im Völkerbund zu den schönsten Befürchtungen Anlaß zu geben. Schon konnte man annehmen, daß zu den erwarteten Abänderungen des Friedensvertrages von Sevres auch die des Beschlusses von San Remo gehören, daß damit das Gespenst des werdenden Erez Israel beseitigt und für Gruppen, wie die Agudas Jisroel, die Möglichkeit gegeben sein würde, sich mit lautem Getöse auf den Boden der Balfourdeklaration zu steilen, deren Verwirklichung auf über 120 Jahre verschoben werde. Die Ansätze zu einer derartigen Politik sind bereits erkennbar und gewiß haben die fleißigen Mäckler in Frankfurt a. M. und anderswo bereits die Erklärungen vorbereitet, in denen dem Zionismus die Schuld am Scheitern der jüdischen Hoffnungen zugeschoben und zugleich gegen das Versagen der englischen Regierung und des englischen Volkes feierlich Protest erhoben werden sollte. Sicherlich wäre es auf diese Weise geglückt, in manchen Kreisen vergessen zu machen, daß es die Agudas Jisroel war, die durch das Verhalten ihrer Presse, vor allem aber ihrer jerusalemitischem Vertreter den antisemitischen Lords das Argument zugeschanzt hat. die Mehrheit des Jischuw wünsche nicht die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Jetzt ist dieser und mancher andere Spuk verflogen und die Wetterpropheten und Wettennacher jeglicher Observanz richten mit rasch versteckter Enttäuschung ihre Blicke auf den entwölkten Horizont. Der maßgebende Faktor im politischen Leben Englands, das Unterhaus, hat, wie w ir bereits meldeten, mit überwältigender Majorität, mit 292 zu 35 Stimmen sich der Palästinapolitik der Regierung an geschlossen, die nach diesem Ergebnis damit rechnen kann, alle großen Parteien des Landes hinter sich zu haben. Die Niederlage des Oberhauses und der arabischen Delegation ist eklatant und schon verlautet aus Palästina, der arabische Kongreß habe die Zurückberufung seiner europäischen Vertretung beschlossen, „da die arabische Delegation in London keinen Erfolg zu erzielen vermochte, wodurch ihr weiterer Aufenthalt in England keinem Zweck mehr hat.“ Der von der gleichen Instanz gefaßte, wahrscheinlich höchst problematische Beschluß eines arabischen Generalstreiks am 13. und 14. Juli zeigt, wie sehr man auch in diesen Kreisen auf eine Bestätigung des Mandates auf der nächsten Sitzung des Völkerbunds rechnet und daß man in seiner Ratlosigkeit auch vor dem verzweifelten Mittel eines leicht zu durchschauenden Bluffs nicht zurückschreckt — denn was soll ein Generalstreik in einem industriell und landwirtschaftlich unentwickelten Lande, dessen nichtjüdische Bevölkerung sich sowieso weder durch Arbeitsintensität auszeiehnet, noch die gewerkschaftliche Schulung, die durch politische Bildung bedingte Einheitlichkeit der Anschauungen, weder die Disziplin noch selbst das Interesse besitzt, die allein eine derartige Aktion zu einer imponierenden Kundgebung stempeln können. Das Mandat wird also bestätigt werden und bestätigt werden in dem Geist der Versöhnlichkeit und der Gerechtigkeit auch; den Arabern gegenüber, der stets den Wünschen der zionistischen Organisation entsprach und der allein das friedliche Nebeneinander der Bevölkerungen in nationalgemischten Staaten sichern kann. Kurz vor der Palästinadebatte im Unterhaus hat die englische Regierung im Einvernehmen mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation eine Erklärung über ihre palästinensische Politik herausgegeben, deren amtlichem Teil die Antwort der Exekutive beigeschlossen war. Diese Erklärung stellt ’n ihrem Hauptteiil fest, daß „nicht Palästina als Ganzes in ein jüdisches nationales Heim verwandelt werde*', — daß aber solch ein Heim „in Palästina gegründet“ werden soll. — „Wenn die Frage gestellt wird“, so fährt die Erklärung weiter unten fort, „was unter der Entwicklung des jüdischen nationalen Heims in Palästina verstanden wird, so kann geantwortet werden, daß nicht gemeint ist, die jüdische Nationalität den Einwohnern Palästinas im Ganzen aufzuzwingen, sondern die Weiterentwicklung der bestehenden jüdischen Gemeinschaft mit Hilfe der Juden in anderen Teilen der Welt, damit es ein Zentrum werde, an welchem das jüdische Volk im Ganzen aus religiösen wie stammesmäßigen Gründen mit Stolz und Interesse teilnehmen kann. Aber damit diese Gemeinschaft die beste Aussicht auf freie Entwicklung habe und dem jüdischen Volk volle Möglichkeit geben könne, seine Fähigkeiten zu entfalten, ist es wesentlich, daß es wissen soll, daß es in P a 1 ä s t i n a v o n Rechtswegen und nicht geduldet* s t. Darum ist es notwendig, daß die Existenz eines jüdischen nationalen Heims international garantiert und daß anerkannt wird, daß es auf alten historischen Verknüpfungen beruht. Zur Erfüllung dieser Politik ist es notwendig, daß die jüdische Gemeinschaft in Palästina in der Lage ist, ihre Zahl durch Einwanderung zu vergrößern).....“ Der Zusatz, daß diese Einwanderung sich den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes anzupassen habe, ist selbstverständlich und entspricht auch jüdischen Wünschen. Dies also ist die Politik, für die sich England und die große Mehrheit seiner Volksvertretung einsetzt. Dies auch ist die Politik der zionistischen Exekutive. Es ist erwähnenswert, daß soeben das amerikanische Repräsentantenhaus, dem Beispiel des Senats folgend, einen Beschluß für die Unterstützung dieser Politik gefaßt hat, der geeignet ist, vorhandene Widerstände gegen diie Mandatsbestätigung zu beseitigen. Ebenso wichtig aber ist es, daß die englische Regierung sich in einem Brief an das Sekretariat des Völkerbundes gegen die Kritik des Vatikans ge-

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