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Das jüdische Echo · 1922-07-07 · 27 (7.7.1922) · p. Seite 345

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
27 (7.7.1922)
Date
1922-07-07
Page
Seite 345 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 345 Ich war von alledem so ecoeuriert, daß ich den Brief an Badeni nicht weiterschreiben konnte und überhaupt nichts mehr tun wollte. Abends hörte ich aber in der Redaktion, daß die Deutsche Zeitung (antisemitisch) morgen einen Leitartikel darüber bringt. Vermutlich Schmähungen. Jedenfalls wichtig wegen der Antwortsteliung, welche die übrigen Blätter dazu einnehmen werden. Nun habe ich wieder Lust, an Badeni zu schreiben. * (Badenibrief-F ortsetzung.) Jeder Staat hat Rechte auf seine Juden — was soll damit geschehen? Es ist einer der vielen politisch delikaten Punkte, die ich in meiner Schrift kaum berührte. Eurer Exzellenz bin ich bereit, hierüber wile über alles andere sehr eingehende und vielleicht befriedigende Aufklärungen zu geben. Ich glaube, der Judenstaat iist ein Weltbedürfnis, und darum wird er entstehen. Wer einen solchen Ruf ausstößt, dem laufen vor allem die Schusterbuben belustigt nach — es gibt auch höhere Schusterbuben. Die Menge aber schaut auf, lacht vielleicht auch, jedenfalls versteht sie nicht gleich. Und zur Menge gehört auch eine gewisse Presse, hüben wie drüben, die nach den verworrenen Stimmen des Publikums ihiinaushoreht, und sich von Krethii und Plethi führen läßt, statt zu führen. Dieses Ihr Wort, Exzellenz, veranlaßte mich damals, auf jenen Antrag einzugehen, den ich dann mit solchem Bedauern zurücklegen mußte, als der Appell an meine Dankbarkeit erging. Ich hätte gewünscht, daß Sie mich im näheren Umgang zuerst als verläßlichen Menschen kennen lernen, und daß ich eines Tages auf diesen Ausweg aus der Judenkalamität hinweisem könne. Der heutige Leitartikel der Deutschen, Zeitung ist recht naiv und widerspruchsvoll; der Schreiber hat meine Broschüre einfach nicht verstanden, weil er die Bedingungen des modernen Lebens nicht versteht. Was ich vorschlage, ist tatsächlich nur die Regulierung der Judenfrage, keineswegs die Auswanderung aller Juden. Am allerwenigsten kann und wird daraus die wirtschaftliche Schwächung der jetzt antisemitischen Länder sich ergeben. Durch die Türe aber, die ich für die armen Juden aufzustoßen versuche, wird ein den Gedanken recht erfassender christlicher Staatsmann in die Weltgeschichte eintreten. Daß damit auch augenblickliche unmittelbare politische Vorteile verbunden sind, will ich gar nicht betonen. Wünscht Ew. Exzellenz alle diese in meiner Schrift verschwiegenen Gedankengänge kennen zu lernen, so bitte ich, mich zu einer geheimen Audienz zu befehlen — vielleicht ürgendeinmal in den Abendstunden. Durch mich würde niemand etwas von der Unterredung erfahren. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Exzellenz ganz ergebener Dr. Th. Herzl. (Am 19. Feber abend's abgeschickt.) * 19. Feber. Der alte Heit, ein Wirkwarenhändler und Hausbesitzer vom Franz-Josefskai, war da, lud mich zu einem Vortrag in der bisher antizionistischen „Union“ ein. Er selbst hätte eine halbe Stunde, bevor er meine Broschüre gelesen, für ganz unmöglich gehalten, daß er jemals auf etwas derartiges eahgehen könne. Er sei aber durch mich vollständig bekehrt und wäre bereit, seine Liegenschaften selbst mit Verlust zu verkaufen und hinüberzugehen. 20. Feber. Wilheim vom Fremdenblatt teilt miir in einem „launigen“ Brief mit, es gehe die Kunde, ich sei „meschugge4 geworden. Ob es wahr sei? 21. Feber, Gestern Kommers der Kadimaih, Die Studenten bereiteten mir große Ovationen. Ich mußte sprechen, sprach aber mit Mäßigung — und mittelmäßig. Ich wollte keine Bierbegeisterung erregen* mahnte zum Studium, warnte vor ungesunder Schwärmerei. Wir würden nach Zion vielleicht nie kommen, so müssen wir ein inneres Zion erstreben. Der Advokat Ellbogen kam aus einer anderen Versammlung, erzählte, daß Dr. Feilbogen dort eine glänzende Rede für meine Idee gehalten habe. Dr. Landau schlug mir vor, eine Wochenschrift für die Bewegung zu gründen. Das paßt mir, ich werde darauf eingehen. Diese Wochenschrift wird mein Organ werden. * Im Volkstheater viele Journalisten gesprochen. Meine Broschüre ist Stadtgespräch. Einige lächeln oder lachen über mich, aber im allgemeinen scheint die ernste Überzeugung meiner Schrift Eindruck gemacht zu haben. Hermann Bahr sagte mir, er wolle gegen mich schreiben, weil man die Juden nicht entbehren könne. Pas mal! (Fortsetzung folgt.) fehtida Leib Ferez Zu seinem siebenten Todestage Vor sieben Jahren starb ein Mann, dessen Werke unvergänglich für uns sein werden. — Ein Künstler, den weder die politischen noch die künstlerischen Tendenzen seiner Zeit aus der Richtung seiner Anlage zu verbiegen vermochten. — Perez blieb stets sich selbst treu. — Die Welt, in1 der Perez geboren wurde und in der er lebte, atmete den geheimnisvoll-mystischen Duft des Ghetto. Den des uralten Ghetto mit seinem starren traditionellen Geist. — Die Menschen dieses Ghetto, deren Gei'st frisch, deren Wesen aufrichtig, aber mystisch, deren Herzen gebrochen, aber ständig von neuer Sehnsucht erfüllt und gut waren, das sind die Menschen, die Perez liebt und beschreibt. — Perez’ erste Studie und Skizzen wirken unbedingt hinreißend, weil aus ihnen „heiliges Erbarmen“ spricht. Etwas, wie den Stachel der Aufreizung haben sie an sich, weil sie das Leben nur von einer Seite her beleuchten. Sie sind H Habe meine Praxis nach fl I Adalbertstr. 43 (Ecke Barerstr.) g I H.UUMANN, Dentist! fl München / Telefon 25904 fl fl Spezialität: Laboratorium fiir feine Zahntechnik I

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