Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 27 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Du? Jüdische Echo Nr. 27 ungerecht. Die Leidenschaft blendet den Künstler Perez. Irgendwo steht einmal geschrieben: „Gewiß ist Bonze Schweig ein Golem wie Rabbi Löws Diener. Er ist aus Lehm des Doktrinarismus geknetet Die Dichterseele aber gibt ihm den Odem: und. täuscht uns den Lehmklumpen als schaffenden und duldenden Menschen vor.“ — Die Liebe, die Innigkeit ist in sich so stark, daß sie beinahe vergessen läßt, wie sie doch nur einseitiger tendenziöser Absicht dient. Der reife Künstler Perez überwindet diese „Zweckmenschen“. Ihm ist der Mensch nicht mehr der alltägliche, mit Sünden und Schwächen beladene Mensch. Für ihn ist Mensch — Krone der Schöpfung — Symbol. — Das Wesentliche in Perez’ Schaffen ist das Romantisch-Sentimentale. Diese Romantik entfaltet besonders in seinen chassidisohen Legenden eine geradezu zauberhafte Schönheit. Für ihn war das Ziel der Romantik, Versenkung ins Volkstum. Er liebte sein Volk, er forschte nach der Volksseele, er arbeitete für sein Volk. Und beschenkte es. Aber die Masse des Volkes eroberte er nicht, um deren Liebe er rang. „Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn“. Diesem Segen hat er nie empfangen. Wohl wurde er von den Gebildeten geschätzt und von jungen Menschen verehrt, aber Eigentum des Volkes wurden seine Werke nicht. Seine Kunst hatte etwas Abstraktes; das Reale bot für ihn nur einen Vorwand. Er wollte zu den Seelen Vordringen. Und klar wurde ihm, daß Chaim Boruch in der Einfalt seines Glaubens mehr war als selig, mehr war als glücklich, er hatte das reinste Glück. In Perez kam die Erkenntnis, daß alle Vorgänge nur ein Gleichnis sind. Das Unwirkliche wurde ihm einzige Wirklichkeit. Er begann zu ahnen und fühlte sich in der Welt des Sehmens wohl er als in der We’t der Dinge. Es kam in ihm ein wundervoller Friede. Die Dinge erhielten neuen Glanz und neues Aussehen. Das Wunder wurde zur Wirklichkeit. Der Zauberkünstler trat am Peßachfeste leibhaftig in die Stube der armen Leute und erfüllte die Gott ergebenen Wünsche: „Und der Weiin ließ sich trinken und das Brot sich brechen.“ Kein anderer als Perez wäre imstande gewesen, die gewaltige Tragödie des Chassidismus „Die goldme Ke:sse“ zu schreiben. Die Tragödie der Sehnsucht nach der alten Kraft. Die alte Kraft seines Volkes, den vergessenen Glanz wieder aufblühen zu sehen. Diese Tragödie ist, wie alles in Perez offen ilst, ein offenes und ehrliches Selbstbekenntnis. Perez ist tot. Der Meister der Ghettokunst hat uns verlassen. Ein Künstler, der die Bescheidenheit eines wahren Künstlers hatte. Ein Mann, der im Ringen nach neuen Inhalten und neuen Formen die Erlösung suchte. — Perz war ein Mensch, der wahrhaft an sein Volk glaubte und an ihm hing. Der sein Volk mit dem schönsten, wiais er hatte, beschenkte, mit seiner Arbeit, seinen Werken. F. H., Nürnberg. Gemeindenu. Vereins-Echo Gesamtausschuß der Ostjuden. Die Not unserer Landsleute, besonders der Flüchtlinge und Internierten, veranlaßt uns, mit einer Bitte an die Öffentl iohik eit h e r an zu t re t en: Im Lager Ingolstadt könnten Internierte entlassen werden, wenn ihre Kleidung derart wäre, daß sie sich überhaupt unter Menschen sehen lassen könnten. Wir müssen endlich in die Lage versetzt werden, unsere Freunde einigermaßen menschenwürdig zu bekleiden. Daher bitten wir um schleunigste Hilfe im Form von neuen oder getragenen Anzügen jeder Größe, Leibwäsche, Schuhen, Socken usw. Entgegennahme: Büro Reichenbachstr. 27 in der Zeit von 3—5 Uhr. Auf Wunsch Abholung. (Anruf 28080.) Jüdische Arbeitsgemeinschaft. Nächste Zusammenkunft Sonntag, 9. Juli 1922, präzis 8 Uhr abends im Peterhof, Marienplatz. Chafuzim-Fürsorgestelle München. Donnerstag, den 22. vor. Mts. und Mittwoch, den 5. ds. Mts. kamen wieder zwei kleinere Gruppen Palästinafahrer hier durch, die dank der Fürsorge des Frauenkomitees erfrischt und bei den Umsteigeformalitäten unterstützt werden konnten. Die Weiterfahrt ging programmäßig vor sich. — An Spenden gingen in letzter Zeit ein: Walter Goldstern 200.—, Emil Cahn 50.—. Weitere Spenden nimmt entgegen: Chaluzilm-Fürsorgestelle München, Rothimundstr. 6. Jüd. Schachklub „Lasker“. Die Mithilfe einiger unserer Mitglieder, im besonderen der Herren: Kapellm. J. Ziegler und J. Sturm ermöglichte es uns, eigene Figuren und, Bretter zu erwerben, so daß das weitere Mitbringen von Spielutensilien überflüssig wird. — Spiiellokal: Restaurant zum „Weißen Bären“ (Nebenzimmer), Josefspitalstr. 9. Spieltag: Jeden Montag abends 8 Uhr. Spendenausweis Münchener Spendenausweis. Jüd. Nationalfonds. Helene u. Arnold Goldberg z. Erinnerung a. d. i. Wörishoren mit Herrn Max Jakobi-Nürnberg so schön verlebten Stunden 50.—; Elisabeth Mahler u. Robert Katz grat. Elisabeth Jacob z. Vermählg. 25.—; Rechtsanwalt Dr. L. Ambrunn u. Frau grat. z. Hochzeit Kober-Fraenkel 10.—. Gold. Buch Frau Ester Riieser. Elisabeth Mahler u. Robert Katz grat. Dr. Gutmann u. Braut z. Verl. 25.—; Dr. Benii Nußbaum grat. z. Verl. Rieser-Dr. Gutmanm 20.—; Rechtsanwalt Dr. L. Ambrunn u. Frau grat. Dr. M. J. Gutmann z. Verlobung 10.—; Versteigerung d. Benschens bei Verl. Rieser-Dr. Gutmann 200.—. B 1 a u - W e i ß München. Carl Cohen grat. Dora Fraenkel 10.—; Sophie Eben grat. Anny Kober heirzl. 10.—. Hermann Rosemthal. Ablösung für nichtgeleerte Büchsen von Walter Rauh 50.—. Frau Flora Walz s. A„ Günzenhausen. Ges. bei der Hochzeit: Hugo Walz-Recha Gutmann, Gunzenhausen 420.—. Julius Gutmann s. A., Gunzenhausen, Garten. Bei der Verlobung Rieser-Dr. Gutmann 4 B. 200.—; ges. bei! der Hochzeit Hugo Walz- Recha Gutmann 10 B. 500.—. Gesamtausschuß der Ostjuden. Spenden und Gratulationen mögen wöchentlich bis spätestens Dienstag nachmittags schriftlich* Reichenbachstr. 27, oder telephonisch, Nr. 28080, aufgegeben werden, damit diese noch zum Ausweis kommen können. N. Blumenfeild u. Frau grat. z. Vermählg. Milschliborsky-Lindheimer 20.—; Sigfrid Spielmann u. Frau Spende 200.—.