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Das jüdische Echo · 1922-07-07 · 27 (7.7.1922) · p. Seite 343

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
27 (7.7.1922)
Date
1922-07-07
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 343 ihrer Interessen bezweckt. Er soll insbesondere für die Hebung des religiösen Lebens, für die Schaffung, Unterhaltung und Unterstützung gemeinsamer Einrichtungen und1 Anstalten sorgen. Es liegt ihm weiter ob. leistungsschwache Gemeinden finanziell zu unterstützen, für die erforderliche Festigung in der wirtschaftlichen und rechtlichen Position der Rabbiner, Lehrer und anderen Gemeindebeamten Sorge zu tragen, und endlich die Gemeinden in allen Angelegenheiten ihrer Verwaltung zu beraten. Ob der Verband diese Aufgaben zu erfüllen vermag und ob er darüber hinaus auf das Leben in den preußischen Gemeinden einen wirksamen Einfluß zu nehmen in der Lage ist, wird letzten Endes davon abhängen, ob seine Leiter den Verband mit lebendiger Kraft zu erfüllen vermögen. Der organisatorische Aufbau des Verbandes ist derart vorgesehen daß als beratendes Organ ein Verbandstag geschaffen worden ist, der sich aus Abgeordneten der zum Verbände gehörigen Gemeinden zusammensetzt. Die Abgeordneten werden von allen einer Verbandsgemeinde angehörigen Juden beiderlei! Geschlechts, die mindestens 1 Jahr vor Auslegung der Wählerliste innerhalb der Verbandsgemeinde ihren Wohnsitz gehabt haben, gewählt. Auf je 3000 Seelen entfällt dabei 1 Abgeordneter. Der Verbandstag tritt einmal im Jahre zusammen und bildet damit ein Parlament für die Juden in Preußen, vor dem alle die preußische Judenheit angehenden Fragen in breitester Öffentlichkeit erörtert werden können. Weiterhin wird ein Rat gebildet, der sich aus insgesamt 35 Mitgliedern zusammensetzt. Diese sind auf Grund einer noch festzusetzenden Wahlordnung von den Mitgliedern der dem Verbände an geschlossenen Gemeinden zu wählen. Dem Rate gehören 6 Rabbiner sowie 2 Lehrer an, die der Verbandstag zu wählen hat. Aus seiner Mitte wählt der Rat einen Präsidenten und als ausführendes Organ einen engeren Rat. Zur dauernden Bearbeitung bestimmter Geschäftszweige werden Ausschüsse gebildet, die aus mindestens 15 Mitgliedern bestehen. Die Leitung der Geschäfte bis zum Zusammentritt des Verbandstages wurde in die Hände des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin gelegt. Vereinigte Staaten Fords Pogromhetze in Amerika Enthüllungen eines Jusitzbeamten Chicago. (J. C.B.) Mr. A. Bailin, der eine Zeitlang im Justizdepartement Untersuchungsdienst leistete und später mit dem antisemitischen Bureau Henry Fords in Verbindung stand, veröffentlicht im hiesigen „Jewisihi Curier“ aufsehenerregende Einzelheiten über die von Fords Agenten in New York unternommenen Versuche, im Osten von New York einen Pogrom zu organisieren, der mit der Plünderung einer Synagoge eingeleitet werden sollte. Die Enthüllungen Bailhis, die all das, was über diesen Gegenstand in einem Teile der Hearst- Presse bisher veröffentlicht wurde, weit übersteigen, zeigen, wie Mr. Smith, der New Yorker Hauptagent Fords, mit den Mitgliedern der russischen Ochrana gegen die amerikanischen Juden konspirierte. Es wird nachgewiesen, daß Fords Agenten über ein Spionagenetz verfügten und daß hervorragende amerikanische Juden von ihnen beständig verfolgt wurden. Bailins Enthüllungen'sind mit interessanten Belegen versehen, die über die Verbindungen der Agenten Henry Fords mit den antisemitischen Propagandisten in Rußland und Deutschland Aufschluß gewähren. Diese Enthüllungen erregten größtes Staunen in Amerika, da sie bewiesen, daß Fords Konspiration gegen die Juden sich auf eine weitverzweigte, internationale Maschinerie gestützt hat. lllllllll II il!' III III Feuilleton | lllll 1 Hin iiiiiiii Johann Reuchlin 1522—1922 Dieser Tage waren es 400 Jahre, seit Johannes Reuchlin das Zeitliche segnete. Die Tagespresse nahm hieraus Veranlassung, diesen bedeutenden Gelehrten in ehrenden Worten zu feiern; uns Juden dürfte es als Dankesschuld gelten, des Mannes, den die Deutschen als Humanisten hochschätzen, als Freund unseres Volkes und> als Verehrer der hebräischen Sprache zu gedenken. Reuchlins Liebe zur hebräischen Sprache wurde fast zur Schwärmerei, als er bei einer Reise nach Rom den gelehrten Jüngling, das Wunderkind Italiens, Pico de Mirandiola, In Florenz kennen gelernt und von ihm erfahren hatte, welche tiefen wunderbaren Geheimnisse in den hebräischen Quellen der Kabbala verborgen lägen. Aber erst im reifen Alter gelang es ihm, tiefer in die Kenntnisse der jüdischen Sprache eingeführt zu werden. Bei eitlem Aufenthalte in Linz lernte er den kaiserlichen jüdischen Leibarzt Jakob Loans kennen und dieser wurde sein Lehrer in der hebräischen Sprache und Literatur und auch in späteren Jahren ließ er sich noch durch einen anderen Lehrer, Obadia Soforno, in die hebräischen Literatur ein weihen. So saß der bekannte deutsche Humanist, der schon einen gefeierten Namen hatte, zu Füßen gelehrter Juden, um sich im Hebräischen zu vervollkommnen. Wenngleich Reuchlin als Verfasser der ersten, allerdings noch sehr mangelhaften hebräischen Sprachlehre, „in die Judengasse herabstieg, um einen daselbst vergrabenen Schatz zu heben“, so war er doch anfangs nicht frei von Vorurteilen gegen die Juden. Gleich dem Kirchenvater Hieronymus und anderen haßte er zuerst die jüdische Nation und befehdete sie in derselben Weise wie Pfefferkorn. Doch allmählich trat bei ihm eine Schwenkung ein. Sein Rechtsgefühl ließ es nicht zu, den Juden Unrecht zu tun oder gar die Hand dazu zu bieten. Es würde zu weilt führen, an dieser Stelle seiner Fehde mit dem bekannten getauften Judenfresser Pfefferkorn eingehender zu gedenken. In großzügig angelegtem Gutachten zerpflückte Reuchlin die Anklagen Pfefferkorns und seiner Freunde, welche das Verbrennen der jüdischen Schriften forderten. Sein Gutachten erklärte unter anderem: Der Talmud ist die Auslegung der 613 in den fünf Büchern Moses enthaltenen Gebote und Ver- J. A. HENCKELS ZWILLINGS WERK MÜNCHEN / THEATINERSTRASSE 8

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