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Das jüdische Echo · 1922-06-30 · 26 (30.6.1922) · p. Seite 329

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
26 (30.6.1922)
Date
1922-06-30
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 329 Verbandet!, eröffnet die Tagung und teilt gleichzeitig mit, daß er den Vorsitz des Verbandes niederlege, da er der Ansicht sei. daß er jüngeren Kräften Platz machen müsse. Fräulein Dr. Cora Berliner wird dann an seine Stelle gewählt. Die Anwesenden traten dann fn einen längeren Disput, den Dr. Speyer aus Frankfurt a. M. einleitete, ob es zulässig sei, daß nach d^n jüdischen Religionsgesetzen Frauen erste Vorsitzende eines Verbandes sein können. Die anwesenden Anhänger der Agudah verneinten diese Frage auf das entschiedenste und wiesen darauf hin, daß auf diese Weise der Verband seine Neutralität aufgebe, da er entgegen der Ansicht eines Teils des Judentums sich über Bedenken einfach hinwegsetze, die von grungsätzlicher Bedeutung seien. Dr. Apfel fragt die anwesenden Rabbiner, ob wirklich Bedenken gegen die Wahl einer Vorsitzenden bestünden. Dies wird von denselben verneint. Dr. Speyer erklärt, daß ihm die Aussage der Rabbiner genüge. Der politische Teil der Tagung begann mit der Erörterung eines Antrages über das Verhältnis des Jugendverbandes zum Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Hierzu wurde von Dr. Apfel folgende Erklärung abgegeben: Am 3. Mai 1922 schrieb ich an Herrn Justizrat Dr. Brodhitz, dem Vorsitzenden des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wie folgt: „Am 5. und 6. Juni d. J. (Pfingsten) findet in Bonn die ordentliche Delegiertenversammlung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Da diese Tagung für die weitere Entwicklung des Jugendverbandes von ausschlaggebender Bedeutung sein wird, halte ich es im Interesse der beiden von uns vertretenen Organisationen wie aber auch1 des deutschen Gesamtjudentums liegend, daß eine Aussprache über das weitere Verhältnis des Zentralvereins und des Jugendverbandes vorher stattfindet. Falls Sie diesem Gedanken zustimmen, schlage ich vor, daß zunächst eine streng vertrauliche und ganz Persönliche Aussprache zwischen Ihnlen, Herrn Dr. Holländer, Herrn Kurt Neu und mir stattfindet. Je nach dem Verlauf dieser Unterredung könnte dann eine Verabredung über die weitere event. offizielle oder offiziöse Behandlung der Angelegenheit getroffen werden.“ Auf Grund1 dieses Schreibens hat am 30. Mai d. J. eine zweieinhalbstündige Aussprache zwischen den vier in diesem Brief genannten Herren stattgefunden. Mit Rücksicht auf den vertraulichen Charakter der Besprechung, der auch am Schlüsse derselben nicht aufgehoben worden ist, kann ich über ihren Inhalt keine Mitteilung machen. Ich empfehle, die Prüfung der Frage, ob es im Interesse der Einheit des deutschen Judentums und unserer Bewegung liegt, weitere Besprechungen offizieller oder offiziöser Art folgen zu lassen, dem neugewählten Verbands Vorstand zu übertragen. Inzwischen empfehle ich, um die Vertiefung des bestehenden Risses zu vermeiden, von jeder Besprechung des Verhältnisses beider Organisationen auf der heutigen Tagung abzusehen. Diesem Vorschläge gab die Versammlung statt. Die Palästina-Debatte Die Palästina-Debatte war durch1 Anträge der Vereine Braunschweig und Oppeln veranlaßt, welche die Aufhebung der Kasseler Beschlüsse forderten. In Kassel war bekanntlich beschlossen worden, daß die Mitglieder des Jug'endbundes sich opferwillig am Keren Hajessod beteiligen sollten. Als erster spricht Herr Krombach-Essen. In seinem Referat führt er aus, daß es bei der Palästinafrage zwei Punkte von grundverschiedener Bedeutung gebe. Der erste sei die Palästinafrage als solche. Über die gäbe es überhaupt keine Diskussion, denn daß Palästina aufgebaut werden müsse, sei stets eine Forderung des JugendVerbandes gewesen. Die zweite Frage sei die des Keren Hajessod. Da könnte man verschiedener Ansicht sein. Die einen meinen, daß der Keren Hajessod neutral sei in dem Sinne, wie es in den Kasseler Beschlüssen gefordert würde, die anderen wieder, daß der Keren Hajessod nicht allen Ansprüchen, die darin gefordert würden, genüge. Darüber ließe sich nicht streiten. Er persönlich ist der Überzeugung, daß der Keren Hajessod wirklich neutral sei, denn sonst hätte er sich der Bewegung nicht angeschlossen. Es wäre notwendig, sämtlichen Mitgliedern des neutralen Jugendbundes die Möglichkeit zu geben, an dem Aufbauwerk mitzuwirken, und aus diesem Grunde wäre es erwünscht, wenn von seiten des Keren Hajessod etwa noch bestehende Bedenken zerstreut würden. Er halte es für wünschenswert, wenn von irgendeiner Seite aus eine Resolution in diesem Sinne eingebracht würde. Dr. Hahn-Essen legt der Versammlung eine Resolution vor, die von sämtlichen Vorstandsmitgliedern unterschrieben ist, in der die Kasseler Beschlüsse nochmals bestätigt werden und in welcher dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, die Neutralität des Keren Hajessod in einer Weise klarzulegen, die allen deutschen Juden ermöglicht, am Keren Hajessod mitzuarbeiten. Als nächster Redner spricht Dr. Kämpfer gegen die Resolution. Seiner Überzeugung nach bedeuten die Kasseler Beschlüsse einen Bruch der Neutralität, und was er bekämpfe, sei nicht der Keren Hajessod, sondern die ganze Palästina-Arbeit im Augenblick der ungeheuren Not in Deutschland. Der Zentralverein, _ _ ’&Ji&U ”eren-Jü>cka u./anfteJ/affJc/i/ieufeKei^ cPkrurartra/xe

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