Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 26 (30.6.1922)
- Date
- 1922-06-30
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Das Jüdische Echo Nr. 26 Handelt es sich um ein Versehen? Solche Versehen kommen nicht vor! Es ist ein Fühler, wie weit man gehen kann, ohne auf Widerstand zu stoßen. Im übrigen ist es nicht der erste Fall von Antisemitismus. Es gibt genug anständige Blätter in Nürnberg. Jezt kommt es darauf an, Ernst zu machen. Die Nichtzionlsten und der Keren Hajessod Aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Baerwald, München, auf der Keren Hajessod-Konferenz am am 12. Juni 1922. Es ist jetzt ein Jahr her, daß zwei führende Verbände des deutschen Judentums, deren Mitglieder meistens Zionisten sind, sich entschlossen haben, für den Keren Hajessod einzutreten. Seitdem hat die Arbeit für diesen Fond erhebliche Fortschritte gemacht, und wenn nun auch wir in München mit dem Gedanken des Keren Hajessod an Sie herantreten, so geschieht das in der Erkenntnis, daß das Judentum groß und stark genug ist, den Aufbau Palästinas ins Werk zu setzen. Das vorige Jahrhundert war eine Zeit unfruchtbarer Problematik. Das deutsche Judentum, das im Ghetto in ruhigem Gleichmaß gelebt hatte, sah sich nach der Emanzipation in Kämpfe hineingerissen, die ihm nicht zum Segen waren und ihm beste Kräfte entzogen. Ich erinnere an den großen Streit zwischen Liberalen und Orthodoxen, der mit Erbitterung ausgetragen wurde, bis man endlich erkannte, daß es in religiösen Fragen keine Maiorisierung gibt und sich auf schiedlich-friedliches Nebeneinanderleben einigte. — Dann kam der Zionismus und spaltete gerade bei Abschluß der religiösen Kämpfe die deutschen Juden wiederum in zwei Lager. Die Aufrollung zahlreicher theoretischer Probleme, die mit seinem Auftreten verbunden war, bedeutete von neuem nutzlose Kraftvergeudung. Erst der Krieg brachte den Umschwung. Er stellte der jüdischen Gemeinschaft positive Aufgaben und vermehrte so unsere Entschlußfähigkeit. Palästina wurde in den Mittelpunkt der Weltpolitik gerückt. Das Land, in dem unsere Väter gelebt, David und Salomo regiert, die Propheten gewirkt haben* hat eine neue Bedeutung bekommen, der sich niemand, Jude oder Nichtjude, entziehen kann. Schon immer hingen ja Millionen von Menschen an diesem Lande mit ihren besten Gedanken; war ja Palästina die geistige Heimat nicht nur der Juden, sondern Europas und der gesamten christlichen Welt. Doch es ist nicht nur das heilige Land der drei Weltreligionen — es ist auch das Land, auf das seit je Millionen unserer Stammesbrüder blicken. Einst floß dort Milch A/euhcrusers/r. 15, gegenüber der allen Jlkedemie 'eine undl Honig, einst waren die Berge bedeckt von Wäldern. Heute ist Palästina eine Wüste, in die jüdische Arbeit hie und da Oasen gezaubert hat. Dies Land aufzubauen ist eine Aufgabe, die nicht nur an uns, sondern an die Menschheit herantritt; wir vor allem aber müssen sie leisten. Die Aufgabe, die sich so uns darstellt, ist nicht etwas absolut Neues in der jüdischen Geschichte der letzten Zeit. Haben wir uns doch ohne Unterschied der Parteien jahraus jahrein an der Kolonisation Palästinas beteiligt. War es doch für jeden Juderf selbstverständliche Pflicht, eine Mizwah, Jischuw-Haarez zu fördern. Die Aufgabe ist also bekannt, in ihrer Größe aber hat sie sich verhundert-, ja vertausendfacht. Sie fordert von uns, daß wir den weltgeschichtlichen Augenblick begreifen, an dem Israel heute steht, daß wir die Wendung, die in der jüdischen Geschichte eingetreten ist, klar erkennen und ausnutzen. Sie tritt an die Weltjudenheit mit dem Anspruch heran, gelöst zu werden. Die Wendung in der jüdischen Geschichte kam über Nacht. Aber die Judenheit hat bereits den Anfang gemacht, um der Bedeutung des weltgeschichtlichen Augenblicks, der uns politisch die Möglichkeit einer Besiedelung Palästinas brachte, gerecht zu werden. Der Keren Hajessod wurde geschaffen; es schlossen sich ihm vor Jahresfrist der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands und der allgemeine deutsche Rabbinerverband an. Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen; entscheidend war aber für uns die Erkenntnis, daß jetzt eine Politik getrieben werden muß, die über enge Gesichtspunkte hinaus die Gesamtsituation des Judentums im Auge behält. Vor dem Krieg haben die deutschen Juden eine führende Rolle in der jüdischen Politik gespielt. Heute sind sie wirtschaftlich und1 numerisch schwach; dürfen sie sich deshalb einem Werk entziehen, dessen Berechtigung von allen zivilisierten Völkern anerkannt wird? Es gibt Argumente gegen eine Beteiligung am Keren Hajessod; sie dürfen nicht das letzte Wort behalten. — Aber die Sache ist doch von den Zionisten ausgegangen? Gewiß von den Zionisten; wer hätte es sonst machen sollen? Aber die Zionisten wollen bei diesem Werk nicht allein bleiben. Sie fordern die Mitarbeit weitester Kreise. — Es kann dahin kommen, daß der Keren Hajessod nicht ein Zankapfel, sondern ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Parteien wird, daß er einen Schritt zur Einigkeit darstellt, und daß an ihm der alte Satz Bestätigung findet, daß theoretische Probleme zum Widerspruch reizen, daß aber gemeinsame Tat eint. Ich möchte religiös-literarisch mit einem Worte des Jehoschua ben Levi schließen: „Ihr habt es verschuldet, daß ich mein Haus habe zerstören und meine Kinder in die Gefangenschaft haben wandern lassen müssen. Nun sorgt für den Frieden des heiligen Landes; dann gebe ich Euch den Frieden.“ Wir haben zu sorgen für den Frieden des heiligen Landes, damit das Land nach tausend Jahren Siechtums wieder gesunde und dem Land ohne Volk das Volk ohne Land zurückgegeben werde. Die Ptingsttagung der Jugendbünde in Bonn Bestätigung der Keren Hajessod* Resolution Die „Jüdische Rundschau“ berichtet: Die Tagung des Verbandes der neutralen jüdischen Jugendvereine war von ungefähr 270 Vereinen besucht. Dr. Apfel, der Vorsitzende des