Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 25 (23.6.1922)
- Date
- 1922-06-23
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103027-9145556--05045-9077713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
316 Das Jüdische Echo Nr. 25 führe in unser Land und zu unserem neuen Leben! Kaufleute, Fabrikanten, Plantagenbesitzer würden Palästina aufbauen. Privatinitiative, nicht Arbeit in Eurem einfachen, ganz handgreiflichen Sinn, sei der Zauberstab, der die verschlossene Heimat öffnen werde! — So verdient denn nach Kräften, werdet, was die Väter waren und alles ist gut und Erez Israel ist gerettet! — Hörten wir nicht schon früher die Parole? — Das kleine Büchlein von Rubaschow, das der Verlag Ostertag-Berlin vor kurzem herausgab, verurteilt die Ergebnisse langjähriger privatwirtschaftlicher Tätigkeit in Palästina. Es liegt dem Paketchen, das ich mit der gleichen Post absende, bei. Du wirst es lesen und erkennen, daß es eine Tendenzschrift ist, die auf leidenschaftslose Objektivität keinen Anspruch macht. Aber Du wirst Dich gleich mir dieser Leidenschaft des neuen jüdischen Menschens freuen, der sich mit Zähnen und Nägeln in das Land eingräbt, das jüdische Arbeit erweckte und das sie nie wieder hergeben wird. Wir ahnen — auch ich, der nichit dabei sein darf — in dieser Leidenschaft das Leben, das Ihr führt, die Arbeit, die Ihr leistet und die allein dem Volk das Land zur Heimat machen kann. Die guten zionistischen Kaufleute, zu denen man heute junge jüdische Menschen erzieht, werden hoffentlich viel Nüzliches schaffen. Aber nicht sie werden die Erwecker. die Eroberer, die Schöpfer und Festhalter unseres Landes sein, nicht sie die Erzieher unserer Menschen. Übrigens braucht Ihr trotz solcher Tendenzen nicht zu fürchten in Eurer Arbeit allein zu bleiben. Es ist hier nicht nur Unerfreuliches geschehen. — Der Keren Hajessod beginnt sich durchzusetzen und neben vielen Zionisten gibt es schon Nichtzionisten, die für ihn Maasser geben. Hier erwächst eine größere, schicksalsbestimmende Alliance israelite universelle. Ohne Zwang besteuern sich in ungeahnter Höhe jüdische Menschen für den Aufbau Palästinas. Die Bedeutung dieser Tatsache ist so wichtig wie die des Geldes, das immer regelmäßiger, freilich immer noch nicht ausreichend, um auch nur die dringendsten Ansprüche des Landes zu befriedigen, einkommt. Der Mangel an Mitteln verurteilt Euch noch zu harten Tagen genug. Doch darf, wer dieser früher undenkbaren Hingabe Zeuge ist, hoffen. Hier wird ein Wunder, glaubet nur! Das Geld wird schließlich Eurem Werk nicht fehlen und gewiß nicht die Hände. Du fragst nach Ghaluzim aus Deutschland. Auch hier regen sich trotz jener Anpassung an den „Geist der Zeit“ noch immer die Besten auf dem Acker, in Werkstätten und selbst in Bergwerken. Ich habe Meuhcrusers/r. 15, gegenüber der alten JJkademie viele junge Menschen gesehen, die Euch folgen werden; sie sind nicht schlechter als Ihr und haben aus Euren Erfahrungen gelernt. Die Chaluzbewegung geht weiter. Sie ist schon stärker als Menschen und Verhältnisse. — Es ist in der Judenheit der Zerstreuung eine Schwerpunktsvierschiebung zugunsten Palästinas eingetreten. Die jüdische Welt kreist planetarisch an das jüdische Land. Bald wird das noch deutlicher werden; Dann wird man bemerken, daß selbst die zentrifugalen Kräfte an der äußersten Peripherie die Gesetze ihrer Auswirkung von jenem Mittelpunkte empfangen. Tausenderlei ist augenblicklich schlecht; aber im ganzen ist es nicht schlechter geworden. Die hebräische Strömung wächst An Stelle des leidigen Konjunkturzionismus von^l918 ist immer mehr der einzig lebendige haut meme-Zionüsmus getreten. Das Heer der Zionsfreunde außerhalb der zionistischen Organisation sammelt sich und wird seines Willens sich bewußt und mächtig. Bald sind Orient und Occident, Zion und die westliche Judenheit nicht mehr zu trennen. Eure Arbeit, energisch fortgeführt, beschleunigt solch Entwicklung. — Gib Deinem Jungen die Kleinigkeiten, die ich ihm sende. Um seine Zu>- kunft sorge Dich nicht. Ihm wachsen schon die Bäume, die Ihr pflanzet. Gruß Deinem lieben Mann und laß Dich grüßen von Deinem G—. Der Kartelltag des K.J.V. In Hannover hat während der Pfingsttage der 5. Kartelltag des K.J.V. stattgefunden. Mehr als 300 junge und alte K.J.V.er waren in Hannover versammelt. Die Verhandlungen gaben einen Überblick über die gesamte Arbeit, wie sie heute vom K.J.V. geleistet wird, und boten überdies Gelegenheit, die zionistische Stimmung und Einstellung eines beträchtlichen Teiles des deutschen Zionismus zu prüfen, Sind' doch die Tagungen des K.J.V. gerade dadurch bemerkenswert, daß sie zionistische Jugend und zionistische Männer miteinander verbinden und in einer Weise zu gemeinsamer Arbeit zusammenführen, die sonst an keiner Stelle geleistet wird. Der Rückblick, der in dem gedruckt vorliegenden Bericht des Präsidiums dem Kartelltag gegeben wurde, ließ mit aller Deutlichkeit erkennen, daß das K.J.V. sich in einer aufsteigenden Entwicklung befindet und daß die große Mehrzahl der in der wirklichen K.J.V.-Arbeit stehenden Menschen von einer „Krise“ nichts wissen und nichts wissen wollen. Das K.J.V. ist heute vielleicht die einzige Stelle im deutschen Zionismus, die durch systematische Arbeit einen großen Personenkreis zionistisch beeinflussen und einen Teil von ihnen zionistisch zu gewinnen vermag. Mit Klarheit und Deutlichkeit erkennt das K.J.V. die Notwendigkeit, wie der Kartelltag von neuem bewiesen hat, die Erziehung ebensowenig einseitig nur auf Palästina wie ebenso einseitig auf bloße zionistische Diaspora-Arb eit einzusellen. Die. Tendenzen mancher Kreise der heutigen zionistischen Jugendbewegung, unter Vernachlässigung der großen Aufgaben der Zionistischen Organisation die ganze Erziehung nur auf die Übersiedlung des einzelnen nach Palästina einzustellen, wurden ebenso aus zionistischen Gründen verworfen, wie es abgelehnt wurde, die Aufgabe jjes ,K.J-V. etwa in der bloßen Erziehung des Nachwuchses für die Zionistische Organisation zu erblicken. Die Wahl des Berufes ist ja der entscheidende Augenblick, der bei den meisten Menschen darüber entscheidet, ob sie später nach Pa-