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Das jüdische Echo · 1922-06-16 · 24 (16.6.1922) · p. Seite 308

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
24 (16.6.1922)
Date
1922-06-16
Page
Seite 308 (sequence 8)
Language
German
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308 Das Jüdische Echo Nr. 24 falls diese mit den Grundprinzipien der Organisation einverstanden sind und sich der Disziplin fügen wollen. Nach Ablauf eines Probemonats erteilt der geschäftsführende Ausschuß die Genehmigung der Aufnahme des Genossen, der Genossin in die örtliche Gruppe, der sie angehören. Diese verstreuten Ortsgruppen entsenden Delegierte in die Zentrale* die aus sich den geschäftsführenden Ausschuß wählt. Die Zentrale teilt nicht nur die Arbeit an die Mitglieder aus, sondern „befriedigt auch die Kulturbedürfnisse, deren ihre Mitglieder im Lebenskämpfe bedürfen“. Sie sorgt für Bibliothek, Vorträge, Unterricht, Kinoaufführungen usw. Bei mangelhaften Erträgnissen örtlicher Gruppen steht dem zentralen Rat das Recht zu, solche Gruppen aufzulösen und unter die anderen Gruppen der Organisation zu verteilen. Jedes Mitglied der Gduth hat sich im Waffendienst für die Verteidigung der Gemeinschaft auszubilden und zu vervollkommnen. In dem Fragebogen, den der Aufzunehmende ausfüllt, steh neben der Rubrik: in welchem landwirtschaftlichen Berufe, Gewerbe oder Kunstzweig der Genosse in der Heimat gearbeitet habe, diese: bei welcher Waffengattung oder Sanitätsdienst er oder sie gedient habe? Die Gduth — an ihrer Spitze seht außer Kopelewitsch der anerkannte Organisator von Nurriß, der Ukrainer Lef ko witsch — verfügt schon heute über eine große Mitgliederzahl, und ihr Ansehen unter den jungen Arbeitern befestigt sich von Tag zu Tag. Sie wird durch das Beispiel ihrer Arbeit und ihrer sittlichen Auffassung des Problems der „großen Gruppe“ die Arbeiterorganisationen Palästinas sicherlich beeinflussen. Man sagte mir, daß sie bereits eine Vereinheitlichung aller Arbeitstarife in Palästina erzielt habe. Für uns Nichtpalästiner ist sie wichtig, weil sie, an dem entgegengesetzten Ende anhebend, gleiche Ziele verfolgt wie die „Arbeitsarmee“ Trotzkis, die von der Demobilisierung stehender Kampfformationen des Roten Heeres ihre Bataillone bezieht. Ob die Zentralisierung in radikalster Form in Palästina berechtigt und befähigt ist, die Gesamtarbeit des Landes zu lenken, darüber muß die Zukunft entscheiden. Daß dieser Wille zur Zentralisierung sich (wie in Rußland) selber ad absurdum führen kann, bewies auf dem Kongreß von Haifa ein Antrag des Delegierten Bin Gorion (eines Mannes von unbestreitbar interessanten Einfällen, doch mit unangenehmem ,,Kommissär“-Beigeschmack), der von jedem in der Gduth Organisiertem bedingungslose Unterwerfung unter die Verfügungen der Zentrale, eine Art Mizraim mit Tarifen, forderte. Über diese wilde Zumutung ging der Kongreß ohne Debatte zur Tagesordnung über. Immerhin kann man in Palästina hitzige Übertreibungen an sich gesunder Theorien oft beobachten. Die Kommission hätte solchen Fällen gegenüber einen schweren Stand; — es erweist sich aber, daß die Notwendigkeiten des Lebens, Einsicht in die gegebenen Verhältnisse des Landes und der in den Menschen selber begründeten Bedingungen der Entwicklung die jungen Heißsporne oft zur Nachgiebigkeit bestimmen. Die Kommission und die junge Arbeiterschaft kommen sich sozusagen auf halbem Wege entgegen. u Gespräch zwischen Kopelewitsch und mir, vor dem Landwirtschaftlichen Museum in Jerusalem. Ich: „Was seid ihr für Kommunisten?! Wie die alten Chalukkaleute hier in den Bethäusem ihr Leben aus Spenden frommer Wohltäter fristen, — wie die alten Kolonisten anno dazumal ihren Unterhalt aus den Fonds der französischen „Alliances“, des Deutschen Hilfsvereins, aus den Millionen des Baron Rothschild usw. zogen — so baut ihr euren Kommunismus auf den Beiträgen auf, die amerikanische Kapitalisten einer im Grunde gutbürgerlichen Organisation, der Zionistischen Kommission, überweisem Chalukka- Kommunistenü Der Kommunismus expropriiert in anderen Ländern den Kapitalismus, den er dort vorfindet. Ihr expropriiert kleinweise den amerikanischen Kapitalisten, je nach dem Posteinlauf: die Gutmütigkeit oder das „Wir wollen nicht wissen, was mit unserem Gelde geschieht!“ des amerikanischen Zionisten.“ Kopelewitsch: Der Kapitalismus muß uns die Möglichkeit schaffen, daß wir kommunistisch leben können. Gemeinde»- u. Vereins-Echo V ereinbarungen zwischen der Israelitischen Kultus - Gemeinde München und dem Verein Ohel Jakob (Israelit. Religionsgemeinschaft) Nach monatelangen Vorverhandlungen ist jetzt ein vertrag zwischen der Münchener Kultus gern ein de und der im Verein Ohel Jakob organisierten Orthodoxie zustande gekommen, der die seit Jahren von der orthodoxen Minderheit gestellten Forderungen befriedigt und die Grundlage für ein gedeihliches Zusammenarbeiten innerhalb der Gesamtgemeinde schafft. Die Verhandlungen boten erhebliche Schwierigkeiten sowohl nach der grundsätzlichen Seite — Sicherung der religiösen Ansprüche der Orthodoxie —, als auf der finanziellen Seite. Dit Lösung wurde in der Richtung gefunden, daß die sämtlichen Ritualinstitutionen der Gemeinde der Aufsicht des orthodoxen Rabbiners unterstellt werden und dieser ferner hinsichtlich der Vornahme von Trauungen. Ehescheidungen usw. dem Gemeinderabbiner vollständig gleichgestellt wird. Der Verein, Ohel Jakob, der seine Einrichtungen als sein Eigentum behält und die daraus fließenden Einnahmen bezieht, hat den Saohbedarf seiner Anstalt zu decken und zu den Gehältern seiner Beamten und Angestellten ein Viertel beizutragen, während die restlichen drei Viertel, sowie die gesamten Pensionslasten von der Gemeinde übernommen wurden. Wir werden in der nächsten Nummer des Echo die abgeschlossenen Vereinbarungen im vollen Wortlaut unseren Lesern mitteilen und möchten heute nur unserer Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß durch ein verständnisvolles Zusammenwirken aller Faktoren die Einheit der Münchener Gemeinde, wie wir hoffen, auf lange Zeit gesichert worden ist. Der Geist, aus dem heraus die Verhandlungen von Seiten der Gemeinde geführt und zum Abschluß gebracht wurden, ergibt sich am besten aus den Ausführungen, die der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, gelegentlich der Beratungen der Gemeindevertretung am 31. Mai ds. Js. in seinem Schlußwort gemacht hat. Sie verdienen als Dokument in der Geschichte der jüdischen Gemeinde München erhalten zu bleiben und wir bringen sie daher in vollem Wortlaut: Meine Damen und Herren! In jedem kraftvollen Gemeinde wesen bestehen Gegensätze, die ihren letzten Grund In verschiedener Weltanschauung haben. Für die Leitung eines Gemeinwesens ergibt sich die Aufgabe, in diesen gegensätzlichen Strömungen das Gefühl der Zusammengehörigkeit lebendig zu erhalten und Sorge zu

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