Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 24 (16.6.1922)
- Date
- 1922-06-16
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 307 i!! i hole es immer wieder, ehrlich und zweifellos überzeugt zu seinen Worten steht. Einen Kampf aber, geführt um unserer Selbstachtung, uim unseres Anrechts auf selbständige geistige Entwicklung willen, ein Kampf, der Empörung ist gegen die Bagatellisierung und plumpe Entjudaisierung des Judentums, ein Kampf gegen alle die Versuche, aus der Einheit des für alle Zeiten Gedachten, Unzerstörbaren, mit unserem Innern unlösbar Verwachsenen Stücke herauszuschneiden, die nur denen genügen können, die niemals das alte Bild im Zusammenhänge vor sich gesehen oder doch mit ihrem geistigen Auge ahnend geschaut haben. In den Sprüchen der Väter heißt es: „Verurteile niemand, ehe Du Dich nicht in seine Lage versetzt hast.“ Aus der klaren Erkenntnis der Entwicklung und Lage Naumanns und der Menschen um ihn verurteilen wir ihn nicht, sondern bedauern ihn. Er ist das Kind einer Entwicklung, die aus dem Judentum herausgeführt hat. Das Resultat dieser Entwicklung ist ein Mensch, der nichts, aber auch gar nichts Jüdisches als einen instinktiven Monotheismus mehr in sich hat, aber zu anständig ist, um sich taufen zu lassen. Da ihn innerlich nichts mehr daran hindert, nach völliger Entblößung von allen jüdischen Inhalten zu dokumentieren, daß keinerlei jüdische Gefühlsmomente mehr sein Leben bestimmen, und da er ehrlich glaubt, durch diese Entwicklung dem Deutschen näher gekommen zu sein, so will er mit dem ganzen Eifer eines Menschen, der seine Gedankengänge für die alleinseligmachenden hält, sie nun allen andern aufzwingen. Wobei er sich dazu hinreißen läßt, den Angeber und den Verdächtiger zu spielen. Wer mit ihm geht, kann nie wirklich einen Hauch jüdischen Geistes verspürt haben; ob er besten deutschen Geist in sich aufgenommen hat, darüber werden andere, Berufenere zu richten haben, die vielleicht zu der Ansicht kommen werden, daß diejenigen, die unter Naumanns Fahne Zusammenkommen, sich nicht so sehr vom Geist überhaupt haben leiten lassen, sondern vielmehr von der ungeistigsten aller in der Diaspora erworbenen jüdischen Eigenschaften: der Furcht vor Erschütterung ihrer Stellung im Staate, der Hypnose durch den Blick des Drachens Antisemitismus. Hans Goslar, (aus: Jüdische Blätter, Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands). 1 ■ 1 di II! 1 i 111 1 Feuilleton II! Il VW V |1!! |i I Eine jüdische Ärheitsarmee in Palästina Artur Holitscher. dessen Bücher über Amerika und Sowjetrußland berechtigtes Aufsehen erregten, hat jetzt auch Palästina bereist. Aus seinem Buche (Reise durch das Jüdische Palästina, S. Fischer, Berlin) geben wir folgenden Abschnitt wieder: Am stärksten interessiert den Sozialisten, der sich dn Palästina umsieht, das neuartige überraschende Gebilde der „Gduth Haawoda“, der Arbeitsarmee. Das ist eine radikale Formation, nach russischem Muster aufgebaut und von rein kommunistischen! Grundsätzen bestimmt; zugleich eine Arbeiter- und militärische Organisation, die ihre Mitglieder unter strengen Bedingungen äußerer und innerer Disziplin zur Arbeit und zum Selbstschutz unter Waffen anhält. Die Idee zur Gduth entstammt dem, russischjüdischen Legionär Josef Trumpeldor, dem Märtyrer der jungen palästinensischen Kolonisation, der vor zwei Jahren bei der Verteidigung der kleinen obergaliläischen Niederlassung Tel-Chai gegen marodierende Beduinen gefallen ist. Aus russischen Gefängnissen führte ihn die Revolution in die Freiheit. Er kämpfte als Kapitän im englischen „Zion Mulecorps“ an vielen Fronten und zog mit Allenby in Jerusalem ein. Ich habe sein Bild in ganz Palästina gesehen. In Zelten, Barakken, Steinhäusern, neben denen Weizmanns, des Präsidenten, und Herzls, des Schöpfers der Zionistischen Weltorganisation, — an Orten, wo Arbeiter lebten und sich versammelten; öfter, als die der beiden anderen. Das geistige Haupt, Führer und Apostel der heutigen Gduth ist der junge russische Jude Jehuda Kopelewitsch, Freund und Genosse, auch1 Kerkergenosse Trumpeldors. Die Gduth arbeitet in disziplinierten Bataillonen auf dem Lande, das ihr vom Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung gestellt wird; sie übernimmt auch die Straßenarbeit, die ihr von der englischen Regierung, die Entwässerungs-, Bau- und Pflanzungsarbeiten, die ihr von der Kommission wie von den Kolonisten zugewiesen werden. Ihr Grundsatz ist, und sie hofft ihn in Nurriß durchführen zu können, daß die Gemeinschaft alles in eigenen Werkstätten zu produzieren hat, was für ihren Bedarf notwendig ist, — vorerst Kleider und Schuhe, später landwirtschaftliche Geräte usw. Wie die Einkünfte aus der gemeinsamen Arbeit sind auch die Ausgaben zentralisiert. Die Gduth entsendet die Genossen, die sich angeschlossen haben, zu jeder Art von Arbeit, nach Maßgabe der Notwendigkeit der Arbeit und des Interesses der Genossen. Auch Araber nimmt die Gduth auf, FGRZELLAN-NIEDEKLA&i: MÜNCHEN THEATINERSTRASSE gegenüber der FeldhermhaUe GRÖSSTE AUSWAHL IM GEBBAUCHSPOBZELLAN TÄGLICHE LAGEHERGÄNZUNG 9999999999999