Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 22 (2.6.1922)
- Date
- 1922-06-02
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 281 dinnen ihrem Volke verloren gehen, ohne jeden Einfluß auf die Zahl der wehrfähigen Juden? Ganz abgesehen davon, daß sehr häufig Falschmeldung von Juden vorlag, die, um antisemitischen Schikanen zu entgehen oder aus Karriere-Ehrgeiz als Nichtjuden in den Regimentsliisten erschienen sind, wodurch natürlich die jüdische Statistik verschlechtert und die nichtjüdische verbessert wurde! Zusammenfassend muß gesagt werden, daß es oberster Grundsatz der Statistik ist, Gleiches Gleichem gegenüberzustellen. Daher gibt es kein wissenschaftlich einwandfreies statistisches Bezugsverhältnis zwischen Land- und Stadtbevölkerung, zwischen einer Bauern- und einer Kaufleutemasse, zwischen einem normal gegliederten Volke und einem Bevölkerungsteil mit abnormalem Frauenüberschuß. Ist also statistischer Vergleich zwischen Deutschen und Juden überhaupt möglich? Es gibt eine Ziffer, die uns dennoch richtige Aufschlüsse über einen übelbelohnten, vergeblichen Patriotismus Tausender von Juden gibt, es gibt eine blutrote Zahl, die die Antisemiten nicht ableugnen können, es gibt 9216 jüdische Kriegstote, wozu noch 873 endgültig Vermißte kommen, also rund 10 000 Juden, die „für ein deutsches Vaterland“ gestorben sind, das solcher Blutopfer dankbar gedenkt. Die Prozentzahl dieser toten Juden übersteigt den verhältnismäßigen Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Deutschlands, Selbst wenn wir die unglaublich zahlreichen konfessionellen Falschmeldungen von „deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens“, nicht berücksichtigen, ergibt der Rückschluß von den Totenziffern eine Zahl von jüdischen Frontkämpfern, die weitaus größer ist, als es die unglaublich leichtfertig erhobene und bearbeitete Judenstatistik des preußischen Kultusministeriums vermelden will, vorausgesetzt natürlich, daß man nicht annimmt, daß die Juden tapferer gewesen wären als ihre nichtjüdischen Schützengrabenkameraden und daß so der größere Prozentsatz an jüdischen Frontgefallenen erklärt werden müßte Also entweder beweist die abnormale Zahl an jüdischen Kriegstoten die Unrichtigkeit der von den Antisemiten als zuverlässig beschworenen Statistik des K. M. oder aber die Statistik ist richtig und die feigen Judassöhne besaßen germanischen Heldenmut. Ein schreckliches Dilemma für das arme Antisemitenherz. Aus der jüdischen Weift Palästina Die eingesessenen Juden und die Balfour-Deklaration Der arabische „El Saba“ hat es vor einiger Zeit unternommen, die eingesessenen jüdischen Palästinenser gegen die neue jüdische Einwanderung auszuspielen. Als Antwort auf einen diesbezüglichen Aufruf des Blattes erklärt die Vereinigung Bei- Benjamin als Vertreterin eines ansehnlichen Teiles der eingesessenen Juden, daß sie wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft bereit seien, für das Wohl des Landes mit allen Einwohnern gemeinsam zu arbeiten, an welcher gemeinsamen Arbeit die ganze palästinensische Judenheit teilnehmen werde. Wenn es auch bei den Juden ab und zu Meinungsverschiedenheiten gebe, so haben doch alle nur ein Ziel, den Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte im Sinne der Balfour-Deklaration. „Der Sumpf“ Die arabisch-nationalistische Zeitung „El Carmei“ veröffentlichte vor kurzem einen Artikel gegen die Bewerbung der „Jca“ um eine Konzession für die Trockenlegung der Sümpfe zwischen Cesaräa und Athlit. In diesem Artikel schreibt „El Carmel“: „Wir lebten Hundert und Tausende von Jahren mit den Sümpfen, wie sie jetzt sind, und haben das Zeugnis Lord Northcliffes, daß wir vor dem Besitzwechsel in Palästina glücklicher waren.“ (!) Lord Apley. der Eigentümer der antisemitischen Morningpost. für die jüdische Kolonisation Lord Apsley besuchte in Begleitung des Mitgliedes der palästinensisch-zionistischen Exekutive Dr. Eder mehrere jüdische Kolonien und würdigte in anerkennungsvollen Worten die von den jüdischen Kolonisten geleistete jüdische Arbeit. Lord Apsley erklärte, niemand in England widersetze sich der Einwanderung von Juden nach Palästina, die willens sind, das Land zusammen mit den Arabern aufzubauen. Das arabische Blatt „Marat El Sherl“ veröffentlicht ein Interview mit Lord Apsley, der sich über die Balfour-Deklaration wie folgt äußerte: „Die Balfour-Deklaration ist ein Versprechen, das die britische Regierung unter dem Einfluß gewisser Faktoren dem jüdischen Volke gab. Es ist vergeblich, von der Regierung den Widerruf dieses Versprechens zu verlangen, denn die britische Regierung kann nicht ohne Schaden für ihre äußere Politik ein solches Versprechen widerrufen. Die Einwohner sollen lediglich verlangen, daß die Regierung dieses Versprechen mit Gerechtigkeit und Weisheit durchführe, sodaß weder der politische Standard der Regierung noch die Rechte und Interessen der Bevölkerung verletzt werden.“ Petachtikwah und die jüdische Arbeit In der großen jüdischen Kolonie Petachtikwah sind nach den Unruhen des vergangenen Jahres a-Jtoden C&eruraftircisxe ■mm