Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 21 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Das Jüdische Echo Nr. 21 Arabischer Protest gegen die Lodge-Resolution Jerusalem. (J. C. B.) Wie die in Jaffa erscheinende Tageszeitung „Palestine“ berichtet, hat die mohammedanisch-christliche Gesellschaft Palästinas an den amerikanischen Senator Lodge ein Telegramm gerichtet, in welchem gegen seine im Senat angenommene Entschließung zugunsten der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina Protest eingelegt wird. Erleichterung der Einwanderung General Deedes hat für die nächsten Tage eine Konferenz zur Beratung der Beschwerden, die gegen die Einschränkung der Immigration nach Palästina erhoben werden, einberufen. An der Konferenz werden außer den Vertretern der Regierungsbehörden auch jüdische und nichtjüdische Delegierte teilnehmen. Wie jetzt bekannt gegeben wird, sind alle Verbote, die sich auf die Immigration von Personen beziehen, die in Palästina Verwandte haben, zurückgezogen worden. Die Zahl der Einwanderer in Palästina betrug während des Monats April 880. Die englischen Ausgaben in Palästina London. (J. C. B.) Der Einanzsekretär des englischen Schatzamtes erklärte im englischen Unterhaus, die Kosten der militärischen Besatzung und der Wache in Mesopotamien belaufen sich dieses Jahr auf 7 372 000 Pfund, die militärischen Kosten in Palästina dagegen betragen nur 1 742 000 Pfund. Der Zivildienst in Palästina, erklärte er weiter, ist selbständig und wurde .von der palästinensischen Regierung aus den im Lande erhobenen Steuern gedeckt. Deutschland Einberufung des XVIII. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland am 25., 26. (abends) und 27. August 1922 in Cassel, Stadthalle Tagesordnung des Delegierten tag es: Freitag, den 25. August 1922. Vormittagssitzung 91/2 Uhr. 1. Eröffnungsrede des Vorsitzenden über: „Die allgemeine Lage der zionistischen Gesamtbewegung sowie der zionistischen Arbeit in Deutschland.“ 2. Wahl des Büros. 3. Diskussion. Nachmittagssitzung 3*/* Uhr. 4. Referat: „Die allgemeine Lage in Palästina und die Palästina-Aufgaben des deutschen Zionismus.“ Referent wird noch bekannt gegeben. 5. Debatte über das Referat zu 4. Sonnabend, den 26. August 1922. Abendsitzung nach Sabbatausgang. 6. Referat: „Inhalt und Möglichkeit zionistischer Propaganda.“ Referent wird noch bekannt gegeben. 7. Debatte über das Referat zu 6. Sonntag, den 27. August 1922, Vormittagssitzung 91/s Uhr. 8. Fortsetzung der Debatte über das Referat zu 6. Nachmittagssitzung 3Vs Uhr. 9. Fortsetzung der Debatte über das Referat zu 6. 10. Decharge. 11. Wahlen: a) Landesvorstand; b) Zentralkomitee; c) Finanzausschuß; d) Revisionskommission; e) Ehrengericht. Nach Schluß des Delegiertentages finden am Montag, den 28. August 1922 vormittags Sonderberatungen über Gemeindearbeit. Jugendarbeit, Keren Hajessodarbeit und Kulturarbeit statt. Die Referenten für die Sonderberatungen werden noch bekannt gegeben. Ein Prozeß des Zentralvereins Als der „Völkische Beobachter“ im September 1921 zeitweise verboten war, erschien in München ein Ersatzblatt „Bayern heraus“. Dieses Blatt brachte unter der Überschrift: „Maulwürfe“ einen Artikel, in dem dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ vorgeworfen war, daß er mit der „deutschfeindlichen“ Alliance Israelite Universelle eine Arbeitsgemeinschaft gebildet habe; weiterhin wurde dem Zentralverein der Vorwurf landesverräterischer Machenschaften gemacht. Wegen dieser Vorwürfe stellte der Vorsitzende des Zentralvereins, Justizrat Dr. Brodnitz, Berlin, gegen den Schriftleiter Hans Sommerer Beleidigungsklage, die vor dem Schöffengericht München zur Verhandlung kam. Der Verteidiger kündigte zuerst einen umfangreichen Wahrheitsbeweis an, erklärte sich jedoch dann zu einer vergleichsweisen Erledigung der Sache bereit. Es kam dann auch ein Vergleich zustande, in dem der Angeklagte erklärte, er nehme den Vorwurf, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unterhalte Beziehungen zur Alliance Israelite Universelle und habe Landesverrat getrieben, als unbegründet zurück. Der Angeklagte verpflichtete sich zur Tragung der gesetzlichen Kosten und zur Veröffentlichung des Vergleichs in drei Münchner Blättern. Polen Die Wahlordnung zum polnischen Sejm Der polnische Sejm beschäftigt sich zur Zeit mit der Ausarbeitung der Wahlordnung. Der Entwurf hat die Tendenz, die städtische Bevölkerung und die nationalen Minderheiten zu benachteiligen. Gegen den Gesetzentwurf sprachen der Sozialdemokrat Liebermann und der Abgeordnete Grünbaum vom Jüdischen Klub. Er wies darauf hin, daß nach dem Vorschlag Wahlkreise mit 51000 polnischen Seelen ein Mandat erhielten, dagegen Wahlkreise mit gemischtnationaler Bevölkerung erst bei 80 000. Grünbaum erklärte, daß dieses Wahlgesetz die Juden zwingen werde, einen Block der nationalen Minderheiten zu schaffen, was für den polnischen Staat kein Vorteil bedeute. Auch der Vertreter des deutschen Klubs sprach sich gegen die Wahlordnung aus. Dann wurde in die Spezialdebatte eingetreten, wobei die jüdischen Abgeordneten Hirschhorn und Hartglas den jüdischen Standpunkt vertraten. In der letzten Sitzung des Sejm brachte die Regierung einen Gesetzentwurf ein, durch den die aus der zaristischen Zeit stammenden Rechtsbeschränkungen der Juden aufgehoben werden sollten. Das Gesetz wurde der Verfassungskommission überwiesen. Litauen und Lettland Ablehnung der Minderheitsrechte in Lettland Riga. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Die lettische Konstituante hat in dritter Lesung die Bestimmungen der Verfassung, die die nationalen Minderheitsrechte sicherstellen, abgelehnt. J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK MÜNCHEN / THEATINERSTRASSE 8