Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 19 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 19 Das Jüdische Echo 243 kratische und sozialistische Abgeordnete scharfe Kritik an der Rechtspflege in Preußen, und führten zahlreiche Fälle an, wo Ausschreitungen gegen Juden nicht geahndet wurden. Es wurden u. a. die Fälle zur Sprache gebracht, wo eine Bande, die vor einem jüdischen Friedhof ausgespuckt hat, straffrei ausging und daß ferner die Staatsanwaltschaft in Glatz die Verfolgung einer Bande abgelehnt hat, die ein Lied mit dem Kehrreim „Schlagt die Judenbande tot“ öffentlich gesungen hat. Auf eine von jüdischer Seite eingebrachte Anzeige gegen die „Aryser Zeitung“, die fortwährend die dort wohnenden Juden als Wucherer und revolutionäre Demagogen beschimpft, lehnte der Staatsanwalt ein Einschreiten ab. Der Vertreter des preußischen Justizministers gab zu, daß viele dieser Fälle dem Ministerium bekannt sind und mißbilligt werden. Palästina Die ägyptischen Freimaurer für den Frieden zwischen Juden und Arabern Die Großloge der ägyptischen Freimaurer in Kairo hat anläßlich des Nebi-Mussah-Festes einen großen Appell an die palästinensischen Araber gerichtet, der „im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ alle Schichten der palästinensischen Bevölkerung auffordert, trotz der Verschiedenheit ihrer Nationalität in Frieden und Harmonie als ein Volk zusammenzuleben. Der Aufruf erinnert an das Vorbild der Deutschen, Italiener und Franzosen in der Schweiz, das der Bundesrepublik ein ruhmreiches Leben und wertvolle Freiheit gebracht hat. “Erinnert Euch“, heißt es in dem Appell, „daß die Juden unsere Brüder und Schwestern sind, die gezwungen waren, unter Fremden zu leben, wo sie Erfolg und Wohlstand fanden. Heute sind sie erfüllt von dem Wunsche, zu Euch zurückzukehren und durch ihren Reichtum, ihre Erfahrung und Kenntnisse zum Heile des gemeinsamen Vaterlandes beizutragen ... Höret aufmerksam auf die Stimme, die Ägypten, Eure große und ältere Schwester, an Euch richtet. Ägypten fordert von Euch Frieden und gegenseitiges Einvernehmen in Eurem Interesse und im Interesse des Orients, das über dem Interesse jedes einzelnen Landes steht.“ Der Aufruf richtet sich dann an die einzelnen Berufe, dienen er im Stil der Hymnen des großen Amerikaners Whitmann den Segen der Solidarität der Völker preist. Das Schriftstück ist unterzeichnet von dem Großmeister und den beiden stellvertretenden Großmeistern der Loge. (Ziko.) Umschau in Technik und Wirtschaft Eine neue Jordanbrücke. Im Aufträge des palästinensischen Regierung - Departements für öffentliche Arbeiten hat eine Gruppe jüdischer Kolonisationspioniere vor mehreren Monaten den Bau einer neuen Jordanbrücke in Angriff genommen. Aus Haifa wird nunmehr gemeldet, daß die Brücke am 10. April fertiggestellt und bereits für den Verkehr freigegeben wurde. Die seinerzeit von britischen Soldaten hergestellte Notbrücke ist bereits abmontiert. (Ziko.) Aufträge für die jüdischen Arbeitergenossenschaften. Die von der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina geschaffene Genossenschaft für öffentliche Arbeiten hat im April zahlreiche Arbeitsaufträge erhalten, die den jüdischen Arbeitsmarkt günstig beeinflußt haben. 250 Arbeiter wurden für den Bau von 125 Häusern für das neue Viertel der jüdischen Stadt Tel-Awiw verpflichtet. Auf dem Wege von Tel-Awiw nach Petach Tikwah wurde von hundert Mitgliedern der Genossenschaft der Bau eines größeren Häuserkomplexes in Angriff genommen. Außerdem üat die Genossenschaft neue Fabrik- und Straßenbau-Aufträge in den verschiedensten Gegenden des Landes angenommen. Mitte April hatte die Organisation 1395 Mitglieder mit langfristigen Arbeiten versorgt. (Ziko.) Schwere Araberkämpfe bei Hebron Nach einer „Times“-Meldung ist es Mitte April zwischen zwei arabischen Dörfern in der Nähe . von Hebron zu schweren Kämpfen gekommen, die auf den inneren Parteihader der arabischen Bevölkerung zurückgeführt werden. Der Polizeibericht enthält die Namen von siebzehn getöteten Dorfbewohnern. In palästinensischen Regierungskreisen befürchtete man nach diesem Zwischenfall einen unruhigen Verlauf des mohamedanischen Nebi Mussah-Festes: die Prozessionen sind jedoch ohne Störung verlaufen. Der Polizeidienst wurde wie gewöhnlich von christlichen, muselmännischen und jüdischen Beamten versehen. (Ziko.) Automobilismus in Palästina London. (J.C.B.) Die Föderation der englischen Industrie erfährt von ihrem palästinensischen Korrespondenten, obwohl im Verhältnis zur Bevölkerung der Prozentsatz der Automobile in Palästina recht beträchtlich ist, fehlen die in England konstruierten Typen fast vollständig. In den Straßen Haifas z. B. sind größtenteils die führenden amerikanischen Automobilsysteme zu sehen. In der ganzen Stadt gibt es nur ein einziges englisches Automobil. Der Korrespondent erklärt diesen Umstand damit, daß die englische Autofabrikation bis jetzt ein im Preis und Typ entsprechendes Auto nicht zu liefern in der Lage war. Ein leichtes und billiges englisches Modell würde aber in Palästina ein großes Absatzgebiet finden. Palästina und die englischen Parlamentswahlen London. (J.C.B.) Es wird immer mehr offenbar, daß die Frage der englischen Politik in Palästina bei den voraussichtlich bald stattfindenden Wahlen für das englische Parlament eine nicht unbedeutende Rolle spielen wird. Wie wir erfahren, bereiten verschiedene politische Gruppen in vielen großen Städten Englands Fragebogen vor, die allen Parlamentskandidaten zur Beantwortung vorgelegt werden sollen. Diese Fragebogen zielen hauptsächlich darauf, die Stellungnahme der Kandidaten zur Frage einer nationaljüdischen Heimstätte in Palästina zu fixieren. Insbesondere mißt die englische Arbeiterpartei dieser Frage eine größere Bedeutung bei. So fand am vergangenen Mittwoch eine von der Arbeiterpartei einberufene Versammlung in Hampstead (einem Vorort Londons) statt, auf welcher der bekannte Arbeiterführer J. Rarnsuy Macdonald über seine letzte Reise nach Ägypten und Palästina Bericht erstattet hat. Der von der Arbeiterpartei für die kommenden Wahlen aufgestellte Kandidat Jarnos Marley führte den Vorsitz und betonte in seiner Eröffnungsrede seine sympathische Stellung zum Zionismus. England Sir Herbert Samuel in London Sir Herbert Samuel, der britische Oberkommissar in Palästina, ist am 1. Mai in London eingetroffen, wo er sich bis Mitte Juni aufhalten wird. Professor Weizmann hatte den Oberkommissar in Italien getroffen und ihn nach London begleitet. (Ziko.) Ein Boykott gegen die „Morning-Post“ London. (J.C.B.) Das hiesige Wochenblatt „Jewish Guardian“ empfiehlt den Juden Englands, die antisemitische „Morning-Post“ wegen ihrer