Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 19 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Das Jüdische Echo Nr. 19 blicklich stärker ist. Es Kilt meiner Überzeugung nach neue Kampfmittel zu finden und für deren weiteste Verbreitung <zu sargen. Eine Unterstützung Ihrer Bestrebungen glaube ich daher erst dann in Aussicht stellen zu dürfen, wenn ich überzeugt bin, daß Ihr Kampf zum Ziele führen wird.“ Auf diesen Brief antwortet als Wortführer der Kunzianer ein Herr Wittstock und sagt u. a.: „Es läßt sich nicht alles, was über diesen wichtigen Gegenstand gesagt werden müßte, schriftlich darlegen. Vielleicht könnte ich einmal mündlich mit Ihnen darüber sprechen. Herrn Kunze selbst möchte ich allerdings zu dieser Unterredung nicht hinzuziehen, wie ich ihm auch von diesem Schreiben keine Mitteilung gemacht habe, denn ich weiß, daß er außerordentlich Wert darauf legt, nach außen hin völig unabhängig dazustehen, damit ihm niemals der Vorwurf gemacht werden kann, daß er andere als Arbeiterinteressen vertritt.“ Kunze leigt — das ist bezeichnend — Wert darauf, „nach außen hin“ völlig unabhängig dazustehen und auf Stimm es schimpfen zu dürfen. Sonst glaubt ihm nämlich die „gutgesinnte Arbeiterschaft“ nicht, daß er Arbeiterinteressen vertritt. Herr Stinnes billigt das Kampfmittel, die deutsche Arbeiterschaft für den Anisemitismus zu gewinnen. Aber Kunze soll „neue Kampfmittel“ finden, die den Sieg verbürgen. Dann erst wird er von Herrn Stinnes finanziell unterstützt. Der Palästina-Film im Spiegel der Presse ln der Berliner „Alhambra“ wurde am Mittwoch, den 3. ds. Mts., der f ünf aktige Palästina-Film des Jüdischen Nationalfonds vor Vertretern der Presse vorgeführt. Die Organe der Reichshauptstadt, die der Entwicklung des Filmwesens besonderes Interesse entgegenbringen, haben die Aufführung eingehend besprochen. So schreibt das „8 Uhr-Abendblatt“: „Es handelt sich um einen Propagandafilm bester Art. Der Film natte sich zum Ziel gesetzt, das Palästina von einst und das Palästina von heute nach Beginn des Wiederaufbaues durch den Jüdischen tyationalfonds vorzuführen. Und man muß sagen, daß man nach dem, was man sah, zum Urteil gelangte, daß der Jüdische Nationalfonds in Palästina eine Kulturarbeit von großem Werte schafft. Man sah die Arbeiterpioniere beim Bau von Straßen, bei der Urbarmachung steinigen Bodens, bei der Errichtung von Wohnhäusern, bei der Ernte, man sah das Leben in den Kolonien, die aus Einöden idyllische Orte geschaffen haben, man sah aus dem Nichts pulsierendes Leben auftauchen. Der Film zeigte auch den Wiederaufbau des dortigen geistigen und politischen Lebens, aber vor allem zeigte er den Juden als Bauer auf eigenem Grund und Boden, und das allein macht schon den Fiilm sehenswert.“ Die „B. Z. am Mittag“ meint, man gewinne durch den Film einen Einblick in die Tätigkeit auf den Farmen des Jüdischen Nationalfonds, sehe die Siedler beim Wege- und Häuserbau, bei der Oliven- und Bananenernte, bei der Aufforstung. „Man bekommt“, schließt der Bericht, ,.einen Begriff davon, was ernste Arbeit dem steinigen Boden Palästinas abgerungen hat.“ Die „Vossische Zeitung“ betont eingangs, daß es sich hier um lose aneinandergereihte Bilder handle, die das neue Leben in Palästina veranschaulichen sollen. Das Blatt fährt dann fort: „Was die Arbeitspioniere hier leisten, um verödetes Land wieder urbar zu machen, wie sie auf den verschiedensten Gebieten der Kolonisation sich betätigen, zeigen in abwechslungsreicher Mannigfaltigkeit die Bilder. Nicht alle sind glücklich gestellt, manche wirken etwas absichtlich und lassen die Schwierigkeiten kaum ahnen, die die Neuerschließung des Bodens bereitet Auch hätte sicherlich lebendiges Wort, der verbindende Text irgendeines, der mit draußen war. die Aufmerksamkeit erhöht und unsere Kenntnis vertieft. Dazu kommt, daß der Film nur von der Arbeit berichtet, die speziell der „Jüd. Nationalfonds E. V.“ in Palästina verrichtet. Von Jaffa bis Jerusalem sind allenthalben schon Musterfarmen in Betrieb genommen, deren erfolgreiche Arbeit zur Mit- und Weiterarbeit ermuntert.“ Mit Recht sieht der „Vorwärts“, das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, in dem Film vornehmlich einen palästinensischen Arbeitsbericht. „Man sah“, heißt es dort, „zunächst die ,Chaluzim‘, die Pioniere, an der Arbeit, junge Burschen und Mädel aus den jüdischen Massensiedlungen des Ostens, die gleichgültig, ob srüher Studenten oder Fabrikarbeiter, heute dort Steine klopfen, Chausseen bauen, Sümpfe ausroden, Siedlungen anlegen und so mit ihrer Hände Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Aufbau des Landes beginnen. Die Lehrfarmen und Bauerngüter des Nationalfonds, seine Ölbaumpflanzungen, Geflügelztichtereien, Obstbaumschulen zeigten die junge jüdische Bauernbevölkerung des Landes am Werke. Dazwischen farbenprächtige Volksszenen von den großen Jubelfesten im Lande, anläßlich der Anerkennung der jüdischen Heimstätte durch die englische Regierung, Bilder aus dem Zeltleben und aus den kargen Ruhestunden der Chaluzim, ferner steiniges Ödland in den noch nicht von den neuen Ansiedlern erschlossenen Gegenden, das in stärkstem Kontrast steht zu dem Anblick des Nationalfonds, auf dem das Korn rauscht und in Terrassenbauten Pfirsich-, Mandel-, Orangen- und Aprikosenbäumchen wachsen. Hier entsteht, herauswaehsend aus der Arbeit junger Proletarier, ein neues Gemeinwesen, in dem der Welt gezeigt wird, daß ohne Großgrundbesitz, durch das Gemeineigentum am Boden 1 an d w irtschaftlicher Fortschritt und Initiative, eine schnelle und gesunde*.Ent- Wicklung möglich is t.“ Wenn man sich bei der Lektüre dieser ersten Besprechungen der hohen Ansprüche erinnert, die die Berliner Kritik angesichts der rapiden Entwicklung der deutschen Filmindustrie an jedes Filmerzeugnis zu stellen pflegt, so wird man zu dem Schluß kommen, daß der Film des Jüdischen Nationalfonds eine strenge Prüfung erfolgreich bestanden hat. (Ziko.) Vom Verband der russischen Juden in Deutschland Berlin. (J.C.B.) Laut den vorliegenden Ausrechnungen soll das Budget des Verbandes der russischen Juden in Deutschland 1 750 000 M. betragen. Der Verband teilt mit. er habe mit der Berliner jüdischen Gemeinde eine Vereinbarung getroffen, laut welcher die Kinder der jüdischen Flüchtlinge während der Sommerferien in den Kinderkolonien der Berliner jüdischen Gemeinde untergebracht werden sollen. Palästinareise Professor Warburgs Berlin. (J.C.B.) Professor Otto Warburg wird sich in der nächsten Zeit nach Palästina begeben. Seine Reise hängt mit der Tätigkeit des jüdischen Nationalfonds in Palästina zusammen. Die preußische Justiz und die Juden Berlin. (J.C.B.) Im Hauptausschuß des preußischen Landtages wurde in den letzten Tagen der Justizetat in Behandlung gezogen. In der aus diesem Anlaß stattgefundenen Debatte übten demo-