Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 19 (12.5.1922)
- Date
- 1922-05-12
- Page
- Seite 241 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 241 zu sein: die Fußtritte fallen hageldicht und die Parteien wetteifern geradezu darin, ihn sich fernzuhalten; bei manchen Juden hat er aber leider einen vielleicht nicht ganz ungewollten Erfolg: Sie fürchten, von ihm im Wettlauf um die Palme des Uberdeutschtums ausgestochen zu werden und machen, oft gegen ihr besseres Wissen und Wollen seinen Anschauungen Konzessionen. Die Tagung des bayerischen Landesverbandes des Zentralvereins in Bamberg könnte als Beispiel aufgeführt werden, wenn es nicht besser wäre, sich erfreulicheren Angelegenheiten zuzuwenden. Die gibt es glücklicherweise auch im deutschen Judentum, wenn sie auch nicht immer die genügende Beachtung der Öffentlichkeit finden. Dazu gehört die wachsende Zahl der jungen jüdischen Menschen in Deutschland, die sich sogenannten produktiven Berufen wie der Landwirtschaft und dem Handwerk zu wenden, und aus deren Reihen die tüchtigsten Pioniere für Palästina hervorgehen. Auf dem Selogut Markenhof, in Messing werk, in der Siedelung Halbe, in Opladen, in Paix und an anderen Orten werden junge Leute beiderlei Geschlechts in Landwirtschaft und Gartenbau ausgehiildet. Überall, auch in Bayern, findet man jüdische Landwirte und Handwerker bereits in praktischer Tätigkeit. Wenn man bedenkt, daß die Überführung der Jugend in produktive Berufe jahrzehntelang vergeblich versucht wurde, sollte man meinen, daß die jetzt in dieser Richtung sich vollziehende Entwicklung eines allgemeineren und tatkräftigeren Interesses sicher sein müßte, als dies wirklich der Fall ist. Als erfreulich kann man auch die Tätigkeit des jüdischen Schulvereins in Berlin verzeichnen, der jetzt seine zweite Schule eröffnet hat. In diesen Schulen soll jüdischer Unterricht organisch mit der Ausbildung im allgemeinen Wissen verbunden, und auf diese Weise durch die Schule ein lebendiges Judentum vermittelt werden. Daß der bisherige Religionsunterricht das nicht vermochte, beweisen seine Erfolge, wissen die meisten aus Erfahrung. Daß aber eine wahrhafte jüdische Erziehung durch die Schule für das deutsche Judentum eine Lebensfrage ist, muß jeder Urteilsfähige einsehen. Der Berliner Versuch zur Lösung dieser Frage verdient Unterstützung und Nacheiferung. Dr. V. Die Keren Hajessod-Konferenz in Nürnberg Es zeigt sich immer klarer, wie stark und nachhaltig die Keren Hajessod-Konferenz in Nürnberg auf das bayerische Judentum gewirkt hat. In zahlreichen bisher uninteressierten Gemeinden hat der Keren Hajessodgedanke Boden gewonnen. Die finanziellen Erfolge der ersten Woche sind bereits recht bedeutend.— Der ausführliche Bericht über die Tagung wird in der nächsten Nummer unseres Blattes erscheinen. Aus der Jüdischen Weit Deutschland Der Herr Drückeberger. Herr Streicher-Nürnberg, der die antisemitische Agitation im Aiischgrund leitet, hat allerlei Butter auf dem Kopf. Seine kriegerischen Heldentaten werden immer bekannter: Vielleicht juckt ihn noch ein gewisser Körperteil von der nachdrücklichen Mahnung an seine Pflicht, die manchmal nötig war, wenn es im Felde brenzlich wurde. Schade, daß man sich mit diesem Reptil beschäftigen muß. Aber manchmal ist Ungeziefer- Knicken eine nützliche Beschäftigung. Wir wüßten eine hübsche Märe von der Tapferkeit des Herrn Streicher zu erzählen. Stinnes und Kunze. Unter dieser Spitzmarke veröffentlicht das „B. T.“ einen aufschlußreichen Briefwechsel, der aut Herrn Stinnes ein bezeichnendes Licht wirft. Der rheinische Industriemagnat, der bekanntlich als deutsch-volksparteilicher Abgeordneter im Reichstage sitzt, der Parteigenosse der Herren Rießer, Mugdan und Heckscher, präsentiert sich da als Kampfgenosse des berii... hmten „Knüppel-Kunze“. Dieser angenehme Zeitgenosse, von dem selbst regelrechte Deutschnationale weit abrücken, gibt ein „Deutsches Wochenblatt“ heraus, dessen „Lesergemeinde“ auf den schönen Namen „Heilo“ hört. Diese richtete ein Ersuchen um Unterstützung an Hugo Stinnes in Mülheim. Heilo bekam diese Antwort: „Ihr gefälliges Schreiben vom 28.8. habe ich dankend erhalten und mit Interesse gelesen. Ich habe dasselbe an die in Betracht kommende Berliner Abteilung weitergegeben; Sie werden von dort aus nähere Nachricht erhalten. Hochachtungsvoll Hugo Stinnes. Sekretariat, gez. Kremp.“ — Nach einiger Zeit kommt dann von der Berliner Abteilung Hugo Stinnes e,in Antwortschreiben, das von Kapitänleutnant a. D. Humann, dem besonderen Vertrauensmann des Herrn Stinnes, unterzeichnet ist und in dem es heißt: „Ich habe mit Interesse von Ihren Ausführungen Kenntnis genommen. Gerade weil ich in vielen Punkten mit Ihnen übereinstimme, halte ich mich jedoch für verpflichtet Ihnen mitzuteilen, daß die von Ihnen gewählte Kampfesweise doch nicht zweckmäßig ist. Die Mittel Ihrer Propaganda sind Ihren Gegnern allmählich schon zu bekannt geworden und haben Gegenmittel erzeugt, deren Kraft äugen-