Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 18 (5.5.1922)
- Date
- 1922-05-05
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Das Jüdische Echo Nr. 18 das ihm vor dem Kriege geschenkt wurde, sich wieder aktiviere, daß Gemeinden. Vereine und Private seine archivalisehen Sammlungen wieder auf füllen und vermehren, und die jüdischen Mäcene ihm die publizistische Verwertung der ihm anvertrauten Archivalien erneut ermöglichen, so tut es das aus einem idealen Antrieb, der in seinen Auswirkungen auch die praktische Lebensgestaltung befruchtet. Das in den Akten eingefangene Leben der Vergangenheit wirkt aufhellend und aufbauend auf die Gegenwart und die Zukunft, unser eigenes Wesen empfängt aus der Festhaltung des Lebens, wie es in den jüdischen Gemeinden sich dargestellt und geformt hat, Erklärung und Hoffnung, und aus der Erkenntnis der vielfältigen Verflochtenheit der Dinge gewinnen wir einen sicheren Standpunkt innerhalb der Entwicklung, in die das deutsche Judentum eingetaucht ist. Die Akten der jüdischen Vergangenheit entreißen, sie von drohender Vernichtung und Verzettelung bewahren und ihrer wissenschaftlichen Verwertung die Wege bahnen, ist also in diesem Sinne eminente Aufbauarbeit. Aus der jüdischen Welt Pressestimmen über Dr. Weizmanns Aufenthalt in Italien. Rom. U.C.B.) Trotz ihrer starken Inanspruchnahme durch die Genueser Konferenz verfolgt während der letzten zwei Wochen fast die gesamte italienische Presse die Tätigkeit Dr. Weizmanns in Italien mit großer Aufmerksamkeit. In Verbindung damit haben mehrere große Zeitungen, so „Giornalc d’Italia“, „Epoca“, „Mende“, „Azione“, „Messagero“, „Piccolo“, „Secolo“, „Corriere della Sera“, „Perseveranza“, „Ora“, „Nueve Giornale“, „Reste del Carline“ ausführliche Artikel über die Grundlagen des Zionismus gebracht, in denen eine Sympathie für die zionistischen Bestrebungen zum Ausdruck kommt. Das Ergebnis des zweiten Besuches Dr. Weizmanns bei Kardinal Gasparri. Rom. (J.C.B.) Über den von uns gemeldeten, am 20. April stattgefundenen zweiten Besuch Dr. Weizmanns bei dem päpstlichen Staatssekretär Kardinal Gasparrii liegen nunmehr Einzelheiten vor. Die Unterhaltung soll diesmal in weniger formeller Form geführt worden sein als bei Gelegenheit der ersten Audienz Dr. Weizmanns im Vatikan. Dr. Weizmann lenkte die Aufmerksamkeit Kardinal Gasparris auf die Tatsache, daß das offizielle Organ des Vatikans „Osservatore romani“ seine in Rom gehaltene Rede vielfach entstellt wiedergegeben habe, indem es ihm Äußerungen in den Mund legte, die er niemals getan hatte und die seiner Gesinnung widersprechen. „Wenn dergleichen in Rom passieren kann, wo sich ja die Tatsachen selbst abgespielt haben,“ sagte Dr. Weizmann, „so kann man eine Vorstellung daraus gewinnen, wie in Palästina vorgekommene Ereignisse in der Welt mißdeutet werden können.“ Kardinal Gasparri gibt zu, daß vieles auf die Mißverständnisse zurückgeführt werden muß. Mit Bezug auf die angeblich bevorzugte Lage der Juden in Palästina erklärte Dr. Weizmann, die Juden werden nur die Stelle in Palästina einnehmen, die sie sich durch ihre Energie und ihre Arbeit verdient haben, nicht mehr und nicht weniger. „Das“, erwiderte der Kardinal, „ist ein schöner Ausspruch.“ Im weiteren Verlauf des Gespräches betonte Dr. Weizmann, die Juden und die katholische Kirche müssen in Palästina nebeneinander wohnen: es wäre gut, wenn beide auf Mittel sinnen, wie sie friedlich zusammen wohnen könenn. „Das ist mein Hauptwunsch,“ erwiderte Kardinal Gasparrk Zum Schluß berichtete Dr. Weizmann über die zionistische Tätigkeit im Rom und meinte, die Zionistenführer in Italien könnten von Zeit zu Zeit den Kardinal über die Lage in Palästina informieren. Der Kardinal antwortete, das wäre ihm sehr angenehm. Das Schachgenie Zzeszewsky bei Präsident Harding. * Washington. (J.C.B.) Das kleine jüdische Schachgenie, der aus Polen gebürtig, jetzt sieben Jahre alte Samuel Szeszewsky, hat sich vor kurzem mit zahlreichen Mitgliedern des amerikanischen Repräsentantenhauses in der Schachspielkunst gemessen. Vertreter aller fünf Parteien des Hauses wurden von ihm herausgefordert, wobei er sie alle bei gleichzeitigem Spiel matt setzte. Am 10. April empfing auch Präsident Hardimg den kleinen Schachmeister, der vom Kongreßmitglied Siegel bei ihm eingeführt wurde. Wiedergutmachungsforderung russischer Juden an die Großmächte. Moskau. (J.C.B.) Laut offizieller Mitteilung fanden in Kiew, Minsk, Charkow und in vielen anderen Zentren Großrußlands, Weißrußlands und der Ukraine Massenversammlungen statt, auf denen Resolutionen zur Annahme gelangten, in weichen die russische Delegation in Genua aufgefordert wird, für die jüdischen Pogromopfer, sowie für die jüdischen Opfer der verschiedenen gegenrevolutionären militärischen Interventionen von den Großmächten Schadenersatz zu verlangen. literarisches Echo Das Buch der Richter*) ist von Distriktsrabbiner Dr. Raphael Breuer mit Übersetzung und Erläuterung, nachdem vor mehreren Jahren auch das Buch Josua von ihm erschien, herausgegeben worden. Wer in diesem Buche nach Fehlern suchen wollte, dessen Mühe dürfte vergeblich sein. In der Schule wird im allgemeinen das Richterbuch kurz behandelt, und nur seine hervorragenden Gestalten werden in ihrem Wirken etwas ausführlicher geschildert. Die Einleitung zum Richterbuch wird gar nicht beachtet, und sein Schluß von Pesel micha und Pilekesch begibeah bleibt den Schülern meist unbekannt. Das könnte an der Hand des Kommentars anders werden. Schon das im Vorwort Vorgetragene, wie wir an das Verstehen dieses Buches heranzutreten haben, wie seine Heldengestalten zu begreifen sind, wie wir über die Ursache der Entartung jener Zeit belehrt werden, wie unsere Zeit so vieles mit jener gemein hat, durch welche als Leitmotiv das Wort weht: „Jeder tat, was recht war in seinen Augen,“ wird den Leser zur gründlichen Lektüre reizen. Im Kommentar selbst tritt die Meisterschaft des Autors in einer Art hervor, die nicht nur dem Unkundigen, sondern auch den besser Belehrten viel zu geben hat. Sind die Erläuterungen meist nur knapp, so sind sie doch klar und lückenlos. Es wird uns beispielsweise Deborah vorgeführt, wie sie nach talmudiischer Auffassung zu begreifen ist. Als Richterin unter der schattenlosen Palme und wie sie sich trotzdem gefallen lassen muß, in ihrem öffentlichen Auftreten kritisiert zu. werden. Aber auch die andern Gestalten des Buches finden oft dort eine besondere Würdigung, wo wir achtlos vorübergehen. Was weiß der Autor aus der Simsongestalt an der Hand von - *) Dr. Raphael Breuer: „Das Buch der Richter“, übersetzt und erläutert. Verlag Sänger &. Friedberg. Frankfurt a. M.