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Das jüdische Echo · 1922-05-05 · 18 (5.5.1922) · p. Seite 231

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
18 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 231 Vom Gesamtarchiv der deutschen Juden Von Dr. J. Jacobson Der unglückliche Krieg hat uns in Deutschland auf fast allen Gebieten eine grundstürzende Veränderung gebracht, hat Menschen und Dinge, die früher hoch in Beachtung standen, herabgedrückt und anderen zu ungeahntem, nicht immer verdientem Aufstieg verholten. Der um das Vielfache gesteigerte Kampf ums Dasein, der auf das rein Praktische mehr Wert als früher legen ließ, hat wissenschaftliche Bestrebungen, soweit sie nicht eben unmittelbar im Dienst praktischer Zwecke standen, tief in den Hintergrund geschoben und in dem Land der Dichter und Denker die wissenschaftlichen Institute einer kaum glaublichen Bedrängnis zugeführt Dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht verborgen sein, daß diese materielle Verelendung der wissenschaftlichen Anstalten von ungünstigem Einfluß auf ihre Leistungsfähigkeit ist, daß zwangsläufig mit der Verkürzung des äußeren Aktionsradius auch der innere Wert Einbuße erleidet. Gilt dies alles ganz allgemein von allen nicht rein augenfällig praktisch ausmünzbaren wissenschaftlichen Bestrebungen im jetzigen Deutschland, so trifft dies in weit höherem Maße für die in den Grenzen des jetzigen deutschen Reiches organisierte jüdisch-wissenschaftliche Arbeit zu. Die soziale Fürsorge mit ihren verschiedenartigsten Anforderungen nimmt heute gewiß mit Recht mehr als früher die Anteilnahme und den Opfer willen der deutschen Juden in Anspruch und läßt es erklärlich erscheinen, daß demgegenüber die jüdischen Bildung«- und Forschungsinstitute weniger tatkräftiges Interesse als früher finden. Aber — das mag mit aller Deutlichkeit hier gesagt sein — die geringe Berücksichtigung, die das Mäeenatentum spezifisch-jüdischen wissenschaftlichen Bestrebungen angedeihen läßt, ist in den gewandelten Verhältnissen denn doch nicht begründet. An dies Mäeenatentum aber müssen die jüdischwissenschaftlichen Institute immer erneut appellieren, soll nicht ihre im letzten und höchsten Sinne dem Judentum gewidmete Arbeit in Frage gestellt werden. Wie deprimierend das Fehlen weitgreifender Förderung wirken muß, mag im folgenden am Beispeil des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin dargelegt werden. Dies im Jahre. 1905 auf Anregung des Fürstlich Plessischen Archivars Dr. Zivier mit Unterstützung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Ordens Bne-brith gegründete, seit 1910 im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde Berlin in modernsten Archivräumen (Oranienburgerstraße 28) untergebrachte Archiv befand sich vor dem Kriege in ständiger Aufwärtsbewegung. Mit Eifer ging es der ihm zugrundeliegenden Aufgabe nach, die zum laufenden Geschäftsgang nicht mehr nötigen Urkunden und Akten aller jüdischen Gemeinden, Vereine und Stiftungen in Deutschland an einem Orte zu sammeln und ihre Nutzbarmachung zu wissenschaftlichen und administrativen Zwecken vorzubereiten. Ein Stab von drei wissenschaftlichen Beamten ermöglichte eine erfolgreiche Propaganda dieser seiner Bestrebungen, sodaß immer mehr Gemeinden darunter Groß gemeinden, wie Berlin. Leipzig, Halle. Königsberg i. P„ Stettin, Darmstadt, Bielefeld und fast alle posenschen und schlesischen Gemeinden — Vereine und Privatleute — dem Gesamtarchiv abgabefähige Archivalien gegen Depotvertrag a 1 s Leih gut zur Verfügung stellteri. Der Kreis der Aufgaben, die das Gesamtarchiv aus sich heraus schuf, weitete sich immer mehr. Von dem kräftig drängenden wissenschaftlichen Leben des Arcliivs gab eine eigene Zeitschrift, die „Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Judien“ (1908) ein instruktives, anschauliches Bild. Der Krieg hat diese Entwicklung, die stets an den Namen des ersten Archivleiters, des jetzt an die Universität Zürich berufenen Professors Taub ler, geknüpft bleiben wird, jäh geknickt. Statt dreier Beamten hat das Gesamtarchiv nur noch einen, der natürlich aus der Fülle der dem Gesamtarchiv allmählich erwachsenen Arbeiten nur die notwendigsten erledigen kann; die mit großer Entsagung und Sorgfalt geförderten Vorarbeiten zu einem Urkundenbuch zur Geschichte der Juden in Deutschland im Mittelalter mußten abgebrochen, vielen anderen Plänen, z. B. denen, die auf die Sammlung und Verzeichnung der Grabsteininschriften gingen, mußte entsagt und die Herausgabe der Zeitschrift eingestellt werden. Wie die Dinge jetzt liegen, ist das Gesamtarchiv schwer in seiner Wirkungskraft getroffen, und statt daß es in großzügiger Weise die jüdisch-historischen Studien in Deutschland anrege und vertiefen kann, ist es zu einem Aschenbrödeldasein verurteilt. Die Unzulänglichkeit der ihm zur Verfügung stehenden Mittel hemmt es an der Entfaltung seiner Propaganda, die der Aussprache in Wort und Schrift bedarf, und wirkt so lähmend auf das Interesse der weiten jüdischen Öffentlichkeit zurück, ohne das gerade ein Institut wie das Gesamtarchiv sich nicht fortentwickeln kann. Wenn das Gesamtarchiv der deutschen Juden sehnlichst danach Ausschau hält, daß das Interesse, PORZBLLAN-NlEDERLACiE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE gegenüber der FddherrnkalU QBÖ»jlTe AUSWAHL IN «EBRAUCHSPOKZELLAN TÄMIiICHB LACtEREBeÄNZUNCt

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